Audi A4 2.0 TDI gegen BMW 320d Auf großer Fahrt

10.03.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ist der  gerade überarbeitete BMW 320d  auf dem Weg zum Erfolg? Im Mittelklasseduell trifft er auf den bewährten Audi A4 2.0 TDI. Wer entscheidet den Zweikampf der bayerischen Bestseller für sich?

und Audi A4 gelten zu Recht als probate Kilometerfresser, sofern unter deren Hauben Dieselmotoren arbeiten. Diese versprechen reichlich Durchzug für entspanntes Reisen und Verbräuche, die die Firmencontroller nicht gleich zum Betablocker greifen lassen. So gelten die Selbstzünder als ideale Rechtfertigungsgrundlagen für Fuhrparkleiter, wenn es mal wieder um die Budgetplanung geht.

Bei BMW führt der 320d die Verkaufsstatistik mit einem Marktanteil von über 50 Prozent an, bei Audi ist es der 2,0-Liter-TDI, allerdings in der 143-PS-Version. Aus Gründen der Waffengleichheit kommt hier die ebenfalls erhältliche 170-PS-Version mit gleichem Hubraum zum Einsatz. Grund genug für einen Vergleich und umso spannender, da der unlängst überarbeitete Dreier-BMW sich im ersten Vergleichstest gegen den Audi nur knapp geschlagen geben musste. Nun also werden die Karten neu gemischt.

 

Karosserie

Auch nach dem Facelift fühlen sich die Passagiere im BMW vorn wie hinten deutlich beengter als im Audi, obwohl die ermittelten Innenraummaße eine andere Sprache sprechen. Für das etwas schlechtere BMW-Raumgefühl sind die stark nach innen gewölbten Dachholme verantwortlich, welche die seitliche Kopffreiheit beeinträchtigen.

Auch beim Kofferraum geht der Ingolstädter mit 480 Litern gegenüber den 460 Litern des Münchners klar in Führung. Das Gleiche gilt für die Zuladung der Testwagen: 530 Kilogramm im A4 stehen 440 Kilogramm im Dreier gegenüber. Eine geteilt klappbare Rückbank kostet indes bei beiden Aufpreis (Audi: 290 Euro, BMW: 490 Euro). Angesichts der nur durchschnittlichen Übersichtlichkeit beider Kandidaten seien sowohl vordere als auch hintere Einparkhilfen (Audi: 770 Euro, BMW 750 Euro) Kauf-Interessenten ans Herz gelegt, um das teure Blech zu schützen. Die Anschaffungskosten sind zugegebenermaßen keineswegs günstig, relativieren sich aber in Anbetracht der zu erwartenden Kosten für die Beseitigung der Folgen von Parkremplern.

Mit dem überarbeiteten iDrive finden sich nun auch Mietwagenkunden beim Erstkontakt mit dem 320d ohne vorheriges Intensivstudium der Bedienungsanleitung zurecht. Gleiches gilt für das Multi Media Interface (MMI) des A4. Beide Hersteller zeigen, wie sich die Vielzahl an Bedienfunktionen sinnvoll kanalisieren lässt, ohne den Fahrer zu überfordern. Auch bei der Sicherheitsausstattung ziehen beide Hersteller alle Register: Ob Spurassistent oder Toter-Winkel-Warnung im Audi, Frontkamera und SOS-Taste im BMW – die Wahlmöglichkeiten sind zahlreich. Leider lassen sich viele dieser Ausstattungen nur im Paket mit anderen ordern. So ist zum Beispiel beim Audi der „lane assist“ (Spurassistent) nur in Verbindung mit dem Licht-/Regensensor, dem Multifunktionslenkrad im Vierspeichen-Design und den Radioanlagen „concert“, „symphony“ oder einem Navigationssystem bestellbar, was das sinnvolle Sicherheitsdetail unnötig verteuert.

KarosserieMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Raumangebot vorn1007972
Raumangebot hinten1007059
Übersichtlichkeit704142
Bedienung/ Funktion1008584
Kofferraumvolumen1003936
Variabilität1001010
Zuladung/ Anhängelast803932
Sicherheit1509998
Qualität/ Verarbeitung200183181
Kapitelbewertung1000645614

 

Fahrkomfort

In Audi und BMW herrscht zweifelsohne Wohlfühlatmosphäre. Das merkt man spätestens auf der Autobahn, wo beide mit einem recht niedrigen Geräuschniveau die Nerven schonen. Dennoch ist es der 320d, der ein etwas angenehmeres Klangbild generiert. Beim A4 2.0 TDI dominieren dagegen je nach Fahrbahnbeschaffenheit hochfrequente Abrollgeräusche den Geräuscheindruck.

Für einen wohltemperierten Innenraum hält der Ingolstädter serienmäßig eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik bereit, die beim BMW immerhin 770 Euro extra kostet. Damit im Sommer klebende Hemden nicht zu klemmenden Geschäften führen, können Handlungsreisende ihren Audi zudem für 880 Euro mit einer Sitzlüftung ordern, die bei BMW nicht erhältlich ist. Dafür lässt sich der 320d mit Sportsitzen ausstatten, die mit elektrischer Lehnenbreitenverstellung versehen sind (630 Euro). In den Sportsitzen des A4 2.0 TDI (595 Euro, Serie in der Ausstattung „Ambition“) fühlen sich vor allem kräftig gebaute Zeitgenossen etwas besser gebettet.

Auch beim Federungskomfort geht der Audi in Führung. Auf Kopfsteinpflaster rollt er zwar etwas steifbeinig ab, absorbiert Schlaglöcher aber besser als der BMW. Bodenwellen lassen das Fahrzeugheck nur wenig nachschwingen. Auf der Autobahn zeigt sich der Ingolstädter von Fahrbahnkanten unbeeindruckt, während der Münchner diese recht ungefiltert an die Insassen durchreicht. Ohnehin sorgen bereits leichte Fahrbahnunebenheiten beim Dreier für Karosseriebewegungen. In beladenem Zustand absolviert er zwar Kopfsteinpflasterpassagen deutlich geschmeidiger als der Audi, schlägt aber auf Schlaglochpisten gelegentlich kräftig durch.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Sitzkomfort vorn150110103
Sitzkomfort hinten1006562
Ergonomie150126126
Innengeräusche504244
Geräuscheindruck1008283
Klimatisierung504235
Federung leer200145141
Federung beladen200145139
Kapitelbewertung1000757733

 

Motor und Getriebe

Bei 170 (Audi) beziehungsweise 177 PS (BMW) kommt im Verkehrsalltag selten der Wunsch nach mehr Leistung auf. Mit jeweils 350 Nm Drehmoment lässt sich bei beiden der Überlandverkehr vorwiegend im sechsten Gang absolvieren, was entspannend wirkt und trotzdem hohe Reiseschnitte ermöglicht. Wer es darauf anlegt, ist sowohl mit dem Audi als auch mit dem BMW 230 km/h schnell. Die Unterschiede im Charakter der beiden Common-Rail-Diesel zeigen sich aber in einem spontaneren Ansprechverhalten des BMW-Motors, der – mit Ausnahme der Elastizitätsprüfung im sechsten Gang –, die besseren Fahrleistungen liefert. Was die Laufruhe angeht, kann er ebenfalls einen leichten Vorsprung gegenüber dem Audi verbuchen, der bei hohen Drehzahlen etwas rauer zu Werke geht.

Von weitaus größerer Bedeutung ist aber heutzutage der Verbrauch. Hier spielt der BMW die Vorteile seines „efficient dynamics“-Pakets aus. Die Start-Stopp-Automatik, die Bremsenergierückgewinnung, die elektromechanische Servolenkung und eine Schaltanzeige beispielsweise helfen, den Testverbrauch des 177-PS-Aggregats auf 6,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer zu drücken – das ist Kraft zum Kleinwagentarif. Der Audi kann bis auf eine Schalt­anzeige noch keine derartige Spartechnik aufweisen und braucht mit 6,9 Litern auch entsprechend mehr. Wer sich auf der Autobahn in Geschwindigkeitsbereichen zwischen 130 und 150 km/h bewegt, dem signalisieren die recht genau anzeigenden Bordcomputer 6,2 Liter im BMW und 6,5 Liter im Audi. Von hoher Güte sind auch die Getriebe, wobei die BMW-Schaltbox noch mehr Schaltpräzision aufweist als die des Audi.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Beschleunigung150112117
Elastizität1007473
Höchstgeschwindigkeit1507575
Getriebeabstufung1008891
Kraftentfaltung503739
Laufkultur1006769
Verbrauch325251258
Reichweite251918
Kapitelbewertung1000723740

 

Fahrdynamik

Auch wenn der A4 zweifellos zu den agilsten Fronttrieblern auf dem Markt zählt, findet er im heckgetriebenen Dreier-BMW seinen Meister. Gesegnet mit einer nahezu perfekten Gewichtsverteilung von 52 Prozent auf der Vorderachse und 48 Prozent auf der Hinterachse, wirkt er sehr gut ausbalanciert, was sich im Handling positiv bemerkbar macht. Der präzisen Lenkung genügen schon relativ geringe Lenkwinkel, um den Dreier zackig einbiegen zu lassen. Mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten ausgestattet, und mit wenig Seitenneigung, umrundet er Kurven äußerst leichtfüßig, zaubert dem Fahrer ein breites Grinsen aufs Gesicht und liefert so das Unterhaltungsprogramm zwischen zwei Geschäftsterminen. Ein gekonnt abgestimmtes DSC (ESP) schützt an der Haftgrenze sanft, aber ­bestimmt vor eventuellen Unannehmlichkeiten mit der Haftpflichtversicherung. Bei Fahrversuchen auf dem Handlingparcours mit deaktiviertem Schleuderschutz drängt das Heck nur sanft, aber gut kontrollierbar nach außen.

Traktionsprobleme kennt der Dreier ebenfalls kaum. Ganz im Gegensatz dazu der Audi: Wenn hier 350 Nm über den Antriebsstrang herfallen, ist die Haftgrenze weitaus schneller erreicht als im BMW. Auch legt der Ingolstädter im Grenzbereich eine etwas ausgeprägtere Untersteuerneigung an den Tag und erreicht auf dem Handlingparcours auch nicht ganz so hohe Kurvengeschwindigkeiten wie der Münchner. Mit spürbar größeren Wankbewegungen der Karosserie und einer weniger gefühlvollen Lenkung lässt er sich dann auch nicht ganz so präzise dirigieren wie der Audi.

Wenn es allerdings um die Bremswege aus 100 km/h geht, begegnet der Audi A4 2.0 TDI seinem Münchner Widersacher auf Augenhöhe (Bremswerte Audi: kalt/warm: 36,2/35,7 Meter; Bremswerte BMW: kalt/warm: 36,0/35,8 Meter). Im Übrigen waren beide Testwagen mit optionalen 17-Zoll-Rädern ausgerüstet.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Handling1506876
Slalom1005967
Lenkung1008388
Geradeauslauf504439
Bremsdosierung301720
Bremsweg kalt1508890
Bremsweg warm1509392
Traktion1004450
Fahrsicherheit150125135
Wendekreis20913
Kapitelbewertung1000630670

 

Umwelt und Kosten

Dank niedriger Abgaswerte erfüllen beide Motoren die Euro-5-Norm und eröffnen die Aussicht auf künftige Steuerersparnis. In der Anschaffung ist der BMW 900 Euro teurer, zudem müssen Leichtmetallräder extra geordert werden, die der Audi serienmäßig hat. Ansonsten sind beide relativ komplett ausgestattet. Dennoch gibt es reichlich Spielraum nach oben, wie der Blick in die umfangreiche Liste der Sonderausstattungen belegt.

So ist es möglich, den Kaufpreis durch zahlreiche Extras gegenüber dem Basistarif um den Gegenwert eines Kleinwagens zu erhöhen. In dieser Dimension bewegt sich auch der Wertverlust, den die DAT errechnet. Danach verliert der BMW binnen vier Jahren und 80000 Kilometern 18771 Euro an Wert. Demgegenüber müssen Audi-Eigner 17160 Euro kalkulieren. Auch bei der Vollkaskoversicherung fährt der Ingolstädter um zwei Klassen günstiger.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Bewerteter Preis675175170
Wertverlust502018
Ausstattung251711
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502820
Werkstattkosten201515
Steuer1077
Versicherung403231
Kraftstoff554142
Emissionswerte258984
Kapitelbewertung1000424398

 

Fazit

Der Audi A4 2.0 TDI gewinnt das Dienstwagenduell gegen den BMW 320d, wenn auch nur ausgesprochen knapp. Die Gründe hierfür liegen im Karosserie- und Komfortkapitel sowie bei den Kosten. Hier schneidet der Ingolstädter etwas besser ab. Zweifellos ist der Audi der komfortablere Dienstwagen, während der BMW die Dynamiker unter den Dienstwagenberechtigten anspricht. Das zeigt der Vorsprung in der Fahrdynamik und im Motor/Getriebe-Kapitel, der ihm seinen Erfolg garantieren dürfte.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A4 2.0 TDIBMW 320d
Summe500031793155
Platzierung12

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