Audi A3 vs. BMW 116d

28.05.2009
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Sind die Knauser-Versionen von Audi A3 Sportback und 1er BMW blutleere Sparer oder Vollwert-Kompakte?

Kurzer Hinweis für alle, die bei knapp dreistelligen PS-Zahlen ins Gähnen kommen und rumtönen, damit komme ein Kompakter ja gar nicht vom Fleck: Wenn Turbodiesel an Stelle von radikal abgemagerten Benzinern ohne Aufladung diese Leistung liefern, sieht die Welt gar nicht mal so trübe aus. Und die Natur hat auch keinen Grund, etwas übel zu nehmen: Mit 119 und 118 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro 100 km fahren der Audi A3 Sportback 1.9 TDI e sowie der BMW 116d ohne Zweifel im grünen Bereich. Rot vor Zorn wird der Kunde nur beim Kauf. Denn die Eintrittskarten in den Club der noblen Sparer kosten über 24000 Euro.

 

Karosserie

Fürs viele Geld bekommt man hier wie da zwei sauber verarbeitete, gut 4,20 Meter lange Viertürer mit Heckklappe. Ein echter Viersitzer ist allerdings nur der Audi A3 Sportback, denn was der 1er vor der Rückbank an Knieraum bietet, ist sonst nur im Kleinwagensektor üblich.

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Immerhin verfügt er über minimal 330 Liter Kofferraumvolumen (Audi: 370 Liter), was auf jeden Fall für die Bedürfnisse von zwei Personen reicht. Serienmäßig haben beide im Verhältnis 1 : 2 geteilte Rücksitzlehnen, die sich mit wenigen leichten Handgriffen zu einer ebenen Ladefläche vorklappen lassen. Praktische Autos also, zumal der Fahrer nach kurzer Eingewöhnung beim Rangieren gut abschätzen kann, wo vorn und hinten Schluss ist.

KarosserieMax. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Raumangebot vorn1005664
Raumangebot hinten1004751
Übersichtlichkeit703938
Bedienung/ Funktion1008488
Kofferraumvolumen1002630
Variabilität1003838
Zuladung/ Anhängelast803136
Sicherheit1509090
Qualität/ Verarbeitung200183185
Kapitelbewertung1000594620

 

Fahrkomfort

Auch wenn die Karosserie des A3 1.9 TDI e zur Verbesserung der Aerodynamik leicht tiefergelegt wurde, ist dieser Audi keine harte Kiste. Ganz im Gegenteil: Er nimmt nahezu alle Gemeinheiten, mit denen deutsche Straßen aufwarten, unbeeindruckt und sehr kompetent. Die Überraschung liefert der 116d: Mit den Michelin Energy Saver ohne Notlaufeigenschaften federt er sehr angenehm und verbindlich, ohne dass er seine straffe Grundeinstellung verheimlicht.

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Auch der Geräuschkomfort der Premium-Sparer ist erfreulich: Der A3 ist zwar nicht nur im Leerlauf brummiger als der 1er. Doch beide dämmen Wind-, Abroll- und Motorgeräusche so gut, dass die serienmäßigen CD-Radios selbst bei Vollgas nicht überfordert krächzen.

Zum erfreulichen Komforterlebnis für Fahrer und Beifahrer tragen auch die angenehmen Sitze bei, wobei im 116d-Testwagen die empfehlenswerten Sportsitze mit einstellbarer Lehnenweite (ab 580 Euro) installiert waren.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Sitzkomfort vorn150128130
Sitzkomfort hinten1006065
Ergonomie150115128
Innengeräusche503330
Geräuscheindruck1006866
Klimatisierung502222
Federung leer200132132
Federung beladen200130131
Kapitelbewertung1000688704

 

Motor und Getriebe

Wer die Powerdiesel-Versionen von A3 und 1er mit 170 oder noch mehr PS gewohnt ist, traut den Eco-Ausgaben nicht sehr viel zu. Doch die Realität am Steuer von A3 1.9 TDI e und 116d ist überaus erfreulich.

Dank Drehmomentspitzen von 250 (Audi) und 260 Newtonmetern (BMW) traben die zwei Basis-Diesel erfrischend munter los und haben im meistgenutzten Drehzahlbereich zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen stets so viel Druck im Kessel, dass kein Gedanke an Leistungsmangel oder gar Minimalmotorisierung aufkommt.

Nein, man ist sehr gut unterwegs, wobei es der 1,9-Liter-TDI des Audi ist, der überrascht: Er ist im Kern schon mehrere Jahrzehnte alt, bescheidet sich noch immer mit zwei Ventilen pro Zylinder und hat mit 95,5 Millimetern einen besonders langen Kolbenhub. Und trotzdem kann er dem auf 115 PS gedrosselten Zweiliter-Vierventiler des 116d insgesamt gesehen das Wasser reichen, weil er zwar nicht ganz so ruhig läuft wie dieser, dafür aber einige hundert Umdrehungen früher die Ärmel aufkrempelt.

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Unverständlicherweise spendierten die Ingolstädter dem 1.9 TDI e nur fünf Vorwärtsgänge, von denen die letzten drei extra lang ausgelegt wurden. Der 1er tritt mit sechs Gängen an – schlecht bei den Elastizitätsmessungen, aber gut für den Verbrauch, da er sich öfter  im optimalen Drehzahl- und Lastbereich bewegen lässt. Bei gemischtem Betrieb über Stadt und Land mit einer Portion Autobahn-Vollgas im Bereich um 200 km/h konsumierte der 116d im Test 5,6, der A3 1.9 TDI e 5,9 Liter. Ein Teil dieser Differenz geht auch auf die Start-Stopp-Automatik des BMW zurück, mit der Audi im A3 noch nicht aufwarten kann. Sie sorgt gerade im städtischen Stau für viele Still-Phasen mit Null-Verbrauch, während der A3 leise tuckernd Tröpfchen für Tröpfchen verbrennt.

Wer den Empfehlungen der Schaltpunktanzeigen folgt, mit denen beide ausgerüstet sind, kommt aber hier wie da bei ein wenig Zurückhaltung mit fünf Litern 100 Kilometer weit. Die EU-Verbräuche von 4,4 (BMW) und 4,5 Litern (Audi) zu erreichen, fordert jedoch eiserne Spardisziplin.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Beschleunigung15010394
Elastizität1006270
Höchstgeschwindigkeit1505349
Getriebeabstufung1008480
Kraftentfaltung503436
Laufkultur1006663
Verbrauch325275270
Reichweite251818
Kapitelbewertung1000695680

 

Fahrdynamik

So angenehm sich die zwei bayerischen Diesel fahren, so leicht sind sie dank feinfühlig, aber konsequent agierenden Fahrdynamik-regelungen selbst bei brachialen Ausweichmanövern beherrschbar. Der BMW zeigt sich generell noch besser ausbalanciert als der Audi, denn mit abgeschaltetem DSC (ESP) bleibt der heckgetriebene 1er bei Lastwechseln lammfromm, während der frontgetriebene A3 schon mal mächtig mit dem Heck schwänzelt.

So sind die besseren Zeiten auf der Handlingstrecke und auch die höhere Geschwindigkeit, mit der sich der 116d durch die Slalomgasse treiben lässt, nicht nur die Folge seiner höheren Motorleistung, sondern auch begründet in der Untersteuerneigung des Audi. Wesentlich zum Kapitelsieg des BMW tragen zudem seine besseren Verzögerungswerte bei.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Handling1506058
Slalom1006958
Lenkung1008281
Geradeauslauf504445
Bremsdosierung301918
Bremsweg kalt1509182
Bremsweg warm1508972
Traktion1004235
Fahrsicherheit150128120
Wendekreis201716
Kapitelbewertung1000641585

 

Umwelt und Kosten

Beim Blick auf die Preislisten wird klar: Man muss sich die zwei gönnen können. Denn mit 24450 Euro (Audi) und 24700 Euro (BMW) ist es ja nicht getan, weil etwa eine Klimaanlage – eigentlich eine Selbstverständlichkeit in dieser Preisregion – in diesen Summen noch nicht enthalten ist. Audi verzichet besonders kundenunfreundlich ganz darauf, eine mit manueller Regelung anzubieten: Es muss, bitte schön, di
rekt die teure Automatik sein.

Dennoch punktet der A3 in diesem Kapitel besser als der 1er: Der um knapp 1000 Euro geringere Wertverlust, die günstigeren Versicherungseinstufungen, der niedrigere Preis, die längere Mobilitätsgarantie sowie die bessere Abgasqualität machen seinen höheren Verbrauch wieder wett.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Bewerteter Preis675220222
Wertverlust502325
Ausstattung2521
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502028
Werkstattkosten201516
Steuer1077
Versicherung403335
Kraftstoff554544
Emissionswerte258387
Kapitelbewertung1000448465

 

Fazit

Dieser Vergleich zeigt wieder einmal, wie vollwertig gute Kompakte heutzutage sind. Weder im Audi A3 1.9 TDI e noch im BMW 116d leidet man Mangel. Sie sind flott, komfortabel, sicher, sparsam und umweltfreundlich – grün im besten Wortsinne also. Beide zeigen klar Flagge: Der Audi ist komfortabler und praktischer, der BMW spritziger, sportlicher und liegt am Ende mit ganz
knappem Abstand vorn.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 116dAudi A3 Sportback 1.9 TDI e
Summe500030663054
Platzierung12

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