Audi A3 vs. VW Jetta: Kompakte Limousinen im Vergleich Stufenlösung

10.04.2015
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG
  7. FAZIT

Mit dem neuen Jetta präsentiert VW die jüngste Ausgabe des Stufenheck-Golf. Dem gleichen Muster folgt die Limousinen-Ausgabe des Audi A3. Welche ist die beste Variante? Vergleichstest

Wer eine klassische Stufenheck-Limousine bewegt, gilt hierzulande im zunehmend von Crossover-Modellen geprägten Straßenverkehr nicht unbedingt als Trendsetter. Nimmt man jedoch einmal die Deutsche-Sicht-Brille ab, sieht die Sache schon ganz anders aus. Oder wussten Sie, dass VW weltweit im Jahr 2013 mehr Jetta als Golf verkauft hat? Sicher nicht von ungefähr kommt auch die Entscheidung von Audi, mit der A3 Limousine, die auf dem Modularen Querbaukasten basiert, erstmals im Segment der kompakten Separat-Kofferraum-Träger aktiv zu werden. Damit sind die Ingolstädter technisch auf dem aktuelleren Stand, denn der Jetta basiert – anders als der Golf – noch auf einer älteren PQ-Plattform.

 

KAROSSERIE

Dass der VW den Audi um 20 Zentimeter in der Außenläge überragt, macht sich nicht nur im Kofferraumvolumen (Jetta 510 Liter, Audi 425 Liter), sondern noch viel deutlicher im Innenraum bemerkbar. Die Passagiere im Jetta-Fond freuen sich vor allem über einen üppigen Knieraum, während Langbeinige im A3 mit den Knien schon an die Vordersitzlehnen stoßen. In der Bedienung setzt Audi auf die bekannte Dreh-/Drücksteller-Technik des MMI-Systems.

Die einzelnen Menüs sind jedoch über Wippschalter anzuwählen, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Wie bei Volkswagen üblich gibt es auch im Jetta nicht viel zu klagen, sieht man einmal von der je nach Handy etwas lange dauernden Telefonkoppelung ab und der Fernentriegelung für die Rücksitzlehnen. Sie löst zwar die Lehnen aus ihrer Verankerung, aber sie klappen nicht von allein um. Die asymmetrische Teilung der Rücksitzlehne ist bei A3 und Jetta Serie. Eine separate Durchladeeinrichtung zum Beispiel für Skier kostet aber beim Audi 155 Euro extra, beim VW nichts.

In der Sicherheitsausstattung merkt man dem in Mexiko produzierten VW an, dass er hauptsächlich auf Märkten verkauft wird, deren Kunden mit Dingen wie Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat oder Verkehrszeichen-Scanner nichts am Hut haben – so sucht man diese in der Preisliste vergebens. Abstriche auch bei der Verarbeitungsqualität des VW Jetta: Sie bleibt im Detail nicht nur hinter der des Audi A3, sondern auch hinter der eines Golf zurück.

 

FAHRKOMFORT

Obwohl die Kompakt-Limousinen mit optionalen Sportfahrwerken und 17-Zoll-Rädern ausgerüstet sind, bieten sie ordentlichen Federungskomfort. Auf vernarbtem Asphalt zeigt sich der A3 aber eine Spur sensibler als der Jetta. Unter voller Beladung nimmt darüber hinaus seine Neigung zu Aufbaubewegungen etwas ab und der Federungskomfort zu. Die Ingolstädter Sitze betten mit straffer Polsterung und ausreichend dimensionierten Seitenwangen die Passagiere überaus kommod – zumindest vorn. Im Fond dagegen müssen Langbeinige ihre Beine stärker anwinkeln als im Jetta.

Davon abgesehen, wird sich, wer öfter auf Langstrecken unterwegs ist, am wohlkomponierten Klangbild der Fahrgeräusche des Bayern erfreuen. Im Volkswagen drängen sich die Abrollgeräusche etwas stärker in den Vordergrund. Laut Messprotokoll ist der Jetta allerdings das etwas leisere Auto. Zwar bietet der VW größere Türablagen als der Audi, verzichtet ansonsten aber auf einen automatischen Motorhaubenaufsteller und eine stufenlose Sitzlehnenverstellung. Auch der Bildschirm seines Navigationssystems ist in Sachen Darstellung und Auflösung im Gegensatz zu dem im Audi nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

 

MOTOR/GETRIEBE

Beide Testkandidaten sind mit gleichen Motoren ausgerüstet. Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung leistet jeweils 125 PS und schickt in beiden Fällen 200 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Das reicht zwar nicht für Temperamentsausbrüche, so doch aber für zügiges Fortkommen inklusive ordentlicher Laufruhe. Größer als die Differenzen bei der Beschleunigung auf 100 km/h  (Audi: 9,2 s, VW: 9,5 s) sind die Unterschiede, die in der Elastizitätsprüfung zutage treten, insbesondere im sechsten Gang.

Hier bleibt der Jetta 1,9 Sekunden hinter der A3 Limousine zurück. Subjektiv macht der Jetta außerdem den Eindruck, im Drehzahlkeller nicht ganz so spontan anzusprechen. Die erzielbaren Höchstgeschwindigkeiten von 212 km/h im Audi und 206 km/h im VW können zwar hohe Reiseschnitte ermöglichen, benötigen aber etwas Anlauf. An der Tankstelle hat wiederum der Ingolstäder mit einem Testverbrauch von 7,0 Litern die Nase knapp vor dem Wolfsburger (7,2 Liter). Tadellos lassen sich die beiden Sechsgang-Getriebe schalten.

 

FAHRDYNAMIK

Ausgerüstet mit elektronischen Differenzialsperren (serienmäßige radselektive Momentsteuerung im Audi, XDS im VW für 210 Euro), bringen beide Fronttriebler die Kraft recht schlupfarm und mit weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten auf den Asphalt. Die Sportfahrwerke ermöglichen beachtliche Kurvengeschwindigkeiten bei nur geringen Seitenneigungen. Doch der A3 reagiert etwas spontaner auf Lenkbefehle als der Jetta.

Er wirft sich förmlich in Biegungen aller Art und gefällt mit wohlproportionierten Lastwechselreaktionen, die entweder sanft vom ESC (ESP) abgefangen werden oder bei deaktiviertem Schleuderschutz in fröhlichen, aber bestens kontrollierbaren Heckschwenks münden. Damit zeigt die bayerische Stufenhecklimousine, wie Fahrvergnügen auch mit moderaten Motorleistungen möglich ist. Der VW hingegen wirkt spürbar träger und wird von seinem nicht abschaltbaren ESC an der kurzen Leine gehalten. Das ist zwar stets sicher, aber auch etwas spaßarm. Sehr gut: Beide Kandidaten gefallen mit kurzen Bremswegen, wobei die Audi-Bremse einen deutlich klarer fühlbaren Druckpunkt besitzt.

 

UMWELT/KOSTEN

Im Grundpreis ist der Audi knapp 1800 Euro teurer als der VW. Bei Wertverlust und Werkstattkosten kommt der Ingolstädter nur wenig teurer als der Wolfsburger. Überraschenderweise stufen die Versicherungen den VW sowohl in der Haftpflicht als auch in der Vollkasko deutlich schlechter ein als seinen Konkurrenten. Aufgrund seiner besseren Serienausstattung holt der Jetta schließlich dennoch den Kapitelsieg.

 

SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG

Bei Qualität und Verarbeitung bewerten wir unter anderem die wahrgenommene Materialgüte, die Qualität der Lackierung, Materialpassungen sowie eventuelle Knister-, Quietsch- und Klappergeräusche.

 

FAZIT

Der neue VW Jetta gefällt mit üppigem Platzangebot, einem großen Kofferraum und vergleichsweise günstigem Preis. Der Audi A3 ist zwar deutlich knapper konfektioniert, wartet aber mit geringerem Verbrauch, den besseren Fahrleistungen und mehr Fahrdynamik auf. Auch das Angebot an Sicherheitsausstattung fällt umfangreicher aus. Markentypisch lassen sich die Ingolstädter auch bei der Verarbeitung nicht die Butter vom Brot nehmen. Insofern bleibt nur eins: der Testsieg.

Elmar Siepen

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