Audi A1 Sportback vs. Mini Cooper 5-Türer Zwei mal Fünf

15.06.2015
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GERTRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

In seiner dritten Modellgeneration ist der Mini erstmals auch mit fünf Türen erhältlich. Im ersten Test stellt er sich dem frisch renovierten Audi A1 Sportback. Vergleichstest

Das Crossover-Modell Mini Countryman war bislang die einzige Baureihe der Marke, deren Karosserie fünf Türen aufwies. Erst in seiner jüngsten Generation bieten die Briten jetzt auch den Standard-Mini für einen Aufpreis von 900 Euro in einer fünftürigen Version an – eine Entscheidung, die nicht zuletzt die jungen Eltern innerhalb der Zielgruppe begrüßen dürften. Immerhin kann das Unterbringen der lieben Kleinen im Fond somit deutlich rückenschonender gestaltet werden.

Diesen Zugewinn an Alltagstauglichkeit durch zwei zusätzliche Türen bietet der Audi A1 Sportback schon seit einigen Jahren. Beim kleinsten Ingolstädter kosten die beiden Extra-Portale 850 Euro Aufpreis. Zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Rivalen tritt der A1 Sportback mit dem jüngst auf 150 PS erstarkten 1,4-Liter-TFSI-Motor mit Zylinderabschaltung an. Der Mini rollt als 136 PS starker Cooper mit 1,5 Liter großem Dreizylinder-Turbobenziner vor.

 

KAROSSERIE

Während der Audi A1 Sportback exakt so lang ist wie sein dreitüriges Basismodell, führen die beiden hinteren Türen beim Mini zu einem Längenzuwachs von immerhin 16 Zentimetern. Dies hat eine deutlich gestreckte Seitenansicht zur Folge, die puristischen Fans der Marke einiges an Gewöhnung abverlangt. Der Raumgewinn auf der Rückbank bleibt hingegen im überschaubaren Rahmen.

So wächst der Knieraum lediglich um vier Zentimeter. Da der Mini Cooper 5-Türer zudem gleich breit ist und nur einen Zentimeter höher baut als die dreitürige Variante, ist auch kein messbarer Zugewinn an Ellbogen- oder Kopffreiheit zu verzeichnen. Dafür vergrößert sich der Kofferraum um 67 auf 278 Liter. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzbank stehen sogar bis zu 941 Liter zur Verfügung.

Der A1 bietet mit 270 bis 920 Liter nur unwesentlich weniger Stauvolumen, verliert wegen seines nicht ganz ebenen Ladebodens bei umgeklappter Rückbank aber ein paar Punkte bei der Variabilität. Dafür kann der Audi als Zugfahrzeug eingesetzt werden, der Mini hingegen nicht. Den Passagieren bietet der Ingolstädter spürbar großzügiger dimensionierte Platzverhältnisse.

Auch bei der Materialauswahl wirkt der Audi eine Spur wertiger als der Mini. Dank seiner deutlich umfangreicheren Sicherheitsausstattung sichert sich der Brite dennoch knapp den Kapitelsieg. So lässt er sich auf Wunsch unter anderem mit Abstandsregeltempomat, Abbiege- und Kurvenlicht, Verkehrszeichenerkennung sowie mit einem Head-up-Display ausrüsten.

 

FAHRKOMFORT

Die Frage, welcher der beiden Testkandidaten der komfortablere ist, kann bereits nach wenigen Kilometern eindeutig beantwortet werden – und zwar zugunsten des Audi. Es sind dabei die zumeist eher kleinen Unterschiede, die in der Summe zu einem deutlichen Kapitelsieg für den A1 führen. So gefällt das aufgeräumte Cockpit des Audi mit sehr guter Bedienbarkeit und vielen praxisgerechten Ablagen.

Das verspielte Interieur des Mini ist bei weitem nicht so ergonomisch, was unter anderem die fummelige Verstellung der vorderen Sitzlehnen beweist. Beide Testwagen treten mit optionalen Sportsitzen an. Bei denen des Mini (310 Euro) kann je nach Körperstatur von Fahrer und Beifahrer der Rahmen unter der Sitzfläche unangenehm durchdrücken. Die Audi-Sitze (340 Euro) überzeugen hingegen mit sehr gutem Halt und optimaler Unterstützung.

Abgerundet wird die gute Vorstellung des Audi durch die leer wie beladen sensibler ansprechenden und souveräner agierenden Feder-Dämpfer-Elemente sowie den insgesamt als angenehmer empfundenen Geräuscheindruck. Im Mini Cooper ist vor allem der Dreizylinder akustisch stets präsent – das entspricht sicher nicht jedermanns Geschmack und kann besonders auf längeren Strecken stören.

 

MOTOR/GERTRIEBE

Das Leistungsplus von nominell 14 Pferdestärken gegenüber dem Mini Cooper münzt der Audi A1 Sportback 1.4 TFSI in durchweg bessere Fahrleistungen um. So beschleunigt er mit 7,7 Sekunden etwas schneller aus dem Stand auf Landstraßentempo 100 km/h (Mini: 7,9) und hat auch bei der Höchstgeschwindigkeit leicht die Nase vorn (Audi: 215 km/h; Mini: 207 km/h).

Im automobilen Alltag sicher wichtiger ist allerdings die Durchzugskraft eines Motors. Und hier trumpft der Audi besonders auf. Beim Zwischensprint im fünften Gang beschleunigt er mit 6,9 Sekunden immerhin 2,5 Sekunden schneller von 60 auf 100 km/h als der Mini. Und um in der sechsten Fahrstufe das Tempo von 80 auf 120 km/h zu steigern, benötigt der A1 nur 9,7 Sekunden, der Cooper 13,1 Sekunden.

Einzig beim Verbrauch kann der Mini Cooper 5-Türer gegenüber dem Audi punkten. Sein aufgeladener Dreizylinder-Benziner mit Start-Stopp-Funktion genehmigte sich im Test nur 6,9 Liter Super auf 100 Kilometer. Durch die Einspritzanlage des Turbo-Vierzylinders im Audi A1 Sportback flossen auf derselben Distanz trotz der Zylinderabschaltung COD (Cylinder on demand) immerhin 0,7 Liter mehr.

 

FAHRDYNAMIK

Die große Stunde des Mini schlägt bei den fahrdynamischen Disziplinen. Der kleine Brite wetzt um Biegungen jeder Art, dass es eine wahre Freude ist. Ein leichtes Lupfen des Gaspedals reicht dabei zumeist aus, um durch gut kontrollierbare  Lastwechselreaktionen  die Agilität in Kurven weiter zu steigern. Lediglich die Lenkung könnte um die Mittellage etwas direkter ansprechen und insgesamt etwas mehr Rückmeldung geben.

Hier hat der Audi mit neuer elektro-mechanischer Lenkung einen kleinen Vorteil. Insgesamt geht mit ihm die Kurvenräuberei nicht nur etwas langsamer, sondern vor allem viel unspektakulärer vonstatten – Spaß bereitet sie aber dennoch. Mit Bremswegen von 35 Metern und weniger aus 100 km/h bis zum Stillstand geben sich beide Probanden bei den Verzögerungsmessungen keine Blöße. Den Maßstab setzt dabei der Mini, der für die Kalt-Bremsung aus Tempo 100 über einen Meter weniger braucht als der Audi – und mit 32,3 Metern (Audi: 34,4 m) bei warmer Bremsanlage den absoluten Bestwert in diesem Vergleichstest markiert.

 

UMWELT/KOSTEN

Nein, als Schnäppchen gehen die beiden Premium-Kleinwagen von Audi und Mini mit Einstiegspreisen von jeweils über 20.000 Euro sicher nicht durch. Der Mini Cooper 5-Türer ist in der Anschaffung etwas günstiger und verfügt über den niedrigeren prognostizierten Wertverlust. Der Audi kontert dafür mit seiner unbegrenzten Mobilitätsgarantie (Mini: 5 Jahre). Die minimalen Vorteile des A1 bei den Versicherungstarifen gleicht der sparsamere Mini durch die geringeren Kraftstoffkosten mehr als aus.

 

FAZIT

Mit einem hauchdünnen Vorsprung von fünf Punkten setzt sich der Audi A1 Sportback 1.4 TFSI nach Addition aller fünf Wertungskapitel knapp gegen den Mini durch. Der Ingolstädter verdient sich diesen Erfolg vor allem dadurch, dass er einen insgesamt erwachseneren Eindruck macht. Mit dem spürbar besseren Fahrkomfort und dem kultivierteren Antrieb ist man fast schon versucht, ihn eine Fahrzeugklasse höher einzuordnen – das überschaubare Angebot an Assistenzsystemen will hingegen nicht so recht dazu passen. Der fahraktivere und verspieltere Mini Cooper 5-Türer ist in seinem Charakter extremer. Aber genau das erwarten seine Fans, und genau deshalb werden sie auch den Fünftürer lieben.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.