Audi A1 Sportback und Mini Clubman im Test Audi A1 Sportback 2.0 TDI | Mini Cooper SD Clubman

08.03.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Extra Portion oder halbe Portion? Audi A1 Sportback und Mini Clubman mixen Fahrspaß mit einem Schuss Alltagstauglichkeit. Erster Vergleichstest

Die Akte des Audi A1 ist widersprüchlich: Ist er nun eine späte Lasst-uns-auch-mit-Kopie der rauschend erfolgreichen Mini-Idee? Oder doch Ausdruck des himmelhoch jauchzenden Ingolstädter Selbstbewusstseins: Wir sind so cool, dass unsere Kunden selbst im kostensensiblen Kleinwagen-Segment Premium-Preise für einen Riesen-Kühlergrill und funky LEDs an einem unpraktischen VW Polo bezahlen werden? Alles Fragen, die hier nicht geklärt werden sollen. Wir interessieren uns lediglich für die Substanz des A1, und die hat mit dem Erscheinen der viertürigen Sportback-Variante sowie des 143 PS starken Zweiliter-Diesels weitere Aspekte bekommen.

Selbstverständlich muss sich der Audi A1 Sportback 2.0 TDI an seinem erfolgreichen Hauptkonkurrenten messen lassen – und der heißt ungeachtet aller offiziellen Sprachregelungen nun einmal Mini. Der kleine Kurvenfeger aus England wird mit dem kessen Kombi-Heck der Clubman-Version etwas praktischer als der traditionelle Dreitürer, und der ebenfalls 143 PS leistende Diesel der sportlichen Cooper SD-Variante passt ebenso perfekt zum Audi-Angebot im A1.

 

Karosserie

Durch die nun etwas steiler stehende Heckscheibe und das im Heckbereich leicht höher verlaufende Dach wird die Radikalität des A1-Konzepts dezent entschärft. Zumindest in Sachen Kopffreiheit sitzen nun auch Großgewachsene im Fond des A1 menschenwürdig. Der Einstieg erfolgt zwar durch recht enge Türausschnitte, ist aber immer noch besser als das Nach-Hinten-Fädeln im Dreitürer. Vier Reisende sollten aber im A1 Sportback nicht allzu groß sein – dann dürfte auch die Kniefreiheit gerade so passen.

Vorn sitzt man selbst auf langen Distanzen ordentlich. Das Raumgefühl ist nie beklemmend, die Funktionalität des A1 gut und die Qualitätsanmutung sehr gelungen. Als Lastenträger ist der Sportback nicht allzu bemüht, seine Variabilität geht kaum über die obligatorisch umlegbaren Rücksitzlehnen hinaus. Das Kofferraumvolumen taugt allenfalls für kleine Wochenendtrips zu zweit oder normale Einkäufe. Positiv: Der Kofferraum lässt sich dank des großen Heckklappen-Ausschnitts und niedriger Ladekante gut erreichen.

Auch im Fall des Mini Clubman wird durch den steilen Heck-Abschluss kein echter Kombi aus dem rasenden Zwerg. Sein Durchstieg nach hinten wird durch die halbe Tür rechts höchstens etwas entspannt, links bleibt der Clubman obendrein ein Zweitürer. Das Raumangebot hinten ist tendenziell etwas besser als im Audi A1 Sportback 2.0 TDI, vor allem die Knie freuen sich über ein paar Millimeter mehr Abstand zu den Sitzlehnen der Vorderleute. Der kleine Kofferraum hat wenig vom Umbau des Mini zum Clubman profitiert. Wegen der recht hohen Ladekante und stets etwas behindert durch die seitlich angeschlagenen Türflügel ist das Gepäckabteil zusätzlich schlecht erreichbar.

Wer die Fondsitzlehnen umlegt, wird mit einer Kante im Kofferraum konfrontiert. Hier kann aber ein optional erhältlicher einlegbarer Boden Abhilfe schaffen. Vorn ist der Mini ausreichend geräumig, im Vergleich zum A1 wirkt er jedoch mit seinem Mittel-Tacho und den tief liegenden Bedien-Kipphebeln viel zu verspielt, unfunktional und vor allem deutlich schlechter verarbeitet. Harte Kunststoffe an den Türen, große Spaltmaße, ein Dachhimmel aus beflocktem Karton (Audi: stoffbespannt, hinterschäumt) und unregelmäßig genähte Sitzpolster, durch die von hinten deutlich das Sitzuntergestell gegen die Knie der Fondpassagiere drückt, lassen einen schon manchmal fragen, wo der Mini denn seine 3450 Euro Aufpreis gegenüber dem Audi A1 versteckt.

KarosserieMax. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Raumangebot vorn1006458
Raumangebot hinten1003035
Übersichtlichkeit704338
Bedienung/ Funktion1008572
Kofferraumvolumen1001615
Variabilität1003530
Zuladung/ Anhängelast801722
Sicherheit1508283
Qualität/ Verarbeitung200152140
Kapitelbewertung1000524493

 

Fahrkomfort

Dass es unter Komfortgesichtspunkten auch in dieser Klasse Unterschiede geben kann, beweisen der Mini und sein neuer Konkurrent eindrücklich. So macht beispielsweise der Mini Cooper SD Clubman recht wenig aus den seinen Möglichkeiten: Seine Sitze sind besonders vorn recht undefiniert und daher auf langen Strecken unkomfortabel, die Ergonomie ist mit den hakeligen und schlecht erreichbaren Sitzeinstellungen ebenfalls nicht besonders gut. Im Audi sitzt man dagegen auf straffen, aber gut gepolsterten Sitzen mit ordentlicher Ergonomie, ohne dass einen die Sportsitze deshalb auf kurvigen Strecken im Stich lassen würden.

Dass sich Sportlichkeit und ein Mindestmaß an Fahrkomfort nicht ausschließen müssen, zeigt der A1 mit seinem optionalen S Line-Sportfahrwerk, das nie nervig wird – selbst wenn es über rappelige Straßen dritter Ordnung geht. Der Mini bekennt sich dagegen deutlich zum Sport: Die Federelemente sprechen zwar sensibel an, spätestens auf groben Stößen donnern die kurzen Mini-Federwege aber die Schläge bis ins Rückgrat der Insassen.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Sitzkomfort vorn1509785
Sitzkomfort hinten1004542
Ergonomie150123110
Innengeräusche502322
Geräuscheindruck1004640
Klimatisierung502929
Federung leer200113110
Federung beladen200113108
Kapitelbewertung1000589546

 

Motor und Getriebe

Die Antriebs-Disziplin kann in diesem Fall getrost als Gipfeltreffen bezeichnet werden: Hier duellieren sich zwei leistungsstarke und effiziente Motoren auf sehr hohem Niveau. So wohl der Audi- als auch der Mini-Diesel machen richtig viel Spaß, bestechen durch sämige Laufkultur und dennoch geringe Verbräuche. Die Unterschiede sind dabei beinahe marginal: Der Audi ist etwas spritziger und spurtstärker, der Mini dagegen etwas durchzugsgewaltiger und sparsamer. Am Ende steht beinahe ein Patt mit leichten Vorteilen für den Mini – Kompliment an beide Marken für diese souverän agierenden Wunschlos-Glücklich-Antriebe.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Beschleunigung150115112
Elastizität1007980
Höchstgeschwindigkeit1506664
Getriebeabstufung1008082
Kraftentfaltung503335
Laufkultur1004548
Verbrauch325272275
Reichweite251413
Kapitelbewertung1000704709

 

Fahrdynamik

Eines vorweg: Der Audi A1 Sportback 2.0 TDI ist zu diesem Test mit optionalem S Line-Sportpaket (1670 Euro) angetreten, es beinhaltet größere Räder und ein Sportfahrwerk. Dennoch ist hierdurch nicht vollständig zu erklären, weshalb der doch anerkannt flinke Mini nicht ganz so souverän folgen kann. Der kleine Audi liegt in schnellen Kurven stabiler und ist im Grenzbereich etwas leichter zu beherrschen. Damit lässt er den Mini sowohl im Handling als auch auf dem Slalom-Parcours hinter sich.

Eine wesentliche Ursache hierfür liegt in der mangelnden Traktion des Mini, die auch nicht durch die optionale elektronische Differenzialsperre (160 Euro) behoben werden kann. Zwar lenkt der Mini wieselflink ein und bleibt auch im Grenzbereich durch Lastwechsel butterweich dirigierbar. Doch beim Herausbeschleunigen bringt er seine Kraft nicht auf den Boden.

Zugegeben, das sind Argumente, die von der Renn- und Teststrecke stammen: Auf den kurvigen Straßen aller Mini-Fans wird sich der Mini Cooper SD Clubman als lustvoller Kurvenwetzer entpuppen – aber den munter von hinten drängenden A1 trotz der etwas präziseren Lenkung definitiv nicht aus dem Rückspiegel bekommen.

Abgerundet wird der Kapitelsieg des Audi A1 Sportback durch seine kräftigen und standfesten Bremsen. Und spätestens das ist ein ganz handfestes Alltags-Argument.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Handling1508682
Slalom1007064
Lenkung1007478
Geradeauslauf503331
Bremsdosierung301719
Bremsweg kalt15011386
Bremsweg warm15011587
Traktion1004235
Fahrsicherheit150128125
Wendekreis201611
Kapitelbewertung1000694618

 

Umwelt und Kosten

Hier wird einem nichts erspart: A1 und Mini sind für diese Klasse unfassbar teuer. Ob der gebotene Gegenwert stimmt, muss man sich – siehe Qualität – vor allem beim Mini Cooper SD Clubman fragen. Die Antwort wird wohl jedoch immer von emotionalen Faktoren bestimmt sein. Ansonsten sind die beiden Konkurrenten in Kosten und Unterhalt nahezu gleich – der Mini verbucht aber leichte Vorteile durch seine etwas ausgeprägtere Sparsamkeit.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Bewerteter Preis675232208
Wertverlust502522
Ausstattung252021
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502828
Werkstattkosten201616
Steuer1088
Versicherung403535
Kraftstoff554445
Emissionswerte258786
Kapitelbewertung1000495469

 

Fazit

Auch wenn die Ausstrahlungskraft der Marke Mini ungebrochen leuchtet – so langsam müssen die bayrischen Engländer mal etwas unternehmen. Um den modernen Audi A1 wieder in den Griff zu bekommen, benötigt der Mini mehr Qualität und bessere Funktionalität. Und selbst in seiner Paradedisziplin, der Fahrdynamik, findet der Mini im quirligen Ingolstädter in diesem Test seinen Meister. Der sympathische Audi A1 Sportback gewinnt den aktuellen Vergleich mit Bravour.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A1 Sportback 2.0 TDIMini Cooper SD Clubman
Summe500030062835
Platzierung12

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