Kleinwagen: Audi A1 im ersten Vergleichstest Audi A1, Citroën C3, Mini Cooper, VW Polo

15.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Den Maßstab im Kleinwagensegment markierte bisher der vernunftorientierte VW Polo. Mini und Citroën setzen dagegen – wie auch der neue Audi A1 – auf Emotionen und Lifestyle. Der erste Vergleichstest klärt, welches Konzept sich durchsetzt

Ob Königsallee, Leopoldstraße oder Berlins erste Adresse „Unter den Linden“: Hier flanieren Damen in sündhaft teuren Gucci- Kostümen ebenso wie Edel-Karossen und Sportwagen. Dazwischen wuseln kleine, aber feine Störenfriede und besetzen flink enge Parklücken. Der Mini ist hier gern gesehen, Citroëns DS3 muss sich noch durchsetzen. Und um dem neuen Audi A1 auf diesem edlen Pflaster eine blendende Zukunft zu prognostizieren, bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten. Nur einer hält sich hier heraus, obwohl er der Maßstab in seiner Klasse ist: der VW Polo.

Drei schicke Kleine gegen den Vernunftbegabten aus Wolfsburg. A1 und Polo treten mit identischen, 105 PS starken 1,6-Liter-TDI-Motoren an. Der DS3 vertraut auf einen gleich großen Turbodiesel mit 112 PS, der frisch renovierte Mini bringt als Cooper D den hauseigenen Euro 5-Turbodiesel mit ebenfalls 112 PS an den Start.

 

Karosserie

Audi A1 und VW Polo teilen sich eine Plattform, damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Unter der kuppelartigen Schale des breiten A1 steckt eine ausgeklügelte, offene Innenarchitektur, die vorn ein großzügiges Raumgefühl bietet. Kopf- und Ellenbogenfreiheit sowie der Einstellbereich der Vordersitze sind im Audi top. Im Polo ist die Kopffreiheit etwas knapper bemessen. Gut aufgehoben fühlt man sich im Citroën DS3, und der Mini macht mangelnde Außenbreite mit steil stehenden Scheiben und einer geraden Dachlinie wett – ein Umstand, der auch die Übersichtlichkeit verbessert. Die tiefe Sitzposition im Retro-Zwerg steigert ebenfalls das positive Raumempfinden.

Im Fond müssen die Lifestyleorientierten Kandidaten Federn lassen. Lediglich DS3 und Polo sind als Fünfsitzer zugelassen, in A1 und Cooper dürfen nur vier Personen mitfahren. Im schmalen Mini-Fond ist die Kniefreiheit mager, und die stark nach hinten abfallende Dachlinie reduziert die Kopffreiheit in der zweiten Sitzreihe des Audi beträchtlich. Im breiten Citroën sinken Fond-Passagiere tiefer in die Polster ein, was ein Plus an Kopffreiheit ergibt.

Die klare Bedienstruktur im VW Polo besitzt Vorbildcharakter, der DS3 verlangt eine längere Eingewöhnungszeit. Eine gute Ablesbarkeit stand beim zentralen Riesen-Tachometer im Mini wohl nicht im Lastenheft der Entwickler, die neuen Bedientasten für die Klimaanlage bewähren sich dagegen schnell. Audi setzt auf eine durchstrukturierte Sachlichkeit im Cockpit und makellose Verarbeitung. Überraschend kann er auch beim Kofferraumvolumen (270 bis 920 Liter) und bei der Zuladung (386 kg) überzeugen. Testbester in puncto Ladevolumen ist der Franzose mit bis zu 980 Litern, die üppigste Zuladung erlaubt der Polo (422 kg). Der Wolfsburger bietet zudem serienmäßig einen doppelten Ladeboden und somit eine ebene Fläche nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen. Die Beförderungskapazitäten im Cooper-Kofferraum (160 bis 680 l) sind auf Minimalbedürfnisse ausgerichtet. Aufgerüstet haben die Münchner aber bei der Sicherheitsausstattung. Im neuen Modelljahr kommt jetzt auch das adaptive Kurvenlicht zum Einsatz. An dem überlegenen Kapitelsieg des VW Polo ändert dies aber nichts. Vernunft gegen Schick: 1:0.

KarosserieMax. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Raumangebot vorn10064615861
Raumangebot hinten10025392732
Übersichtlichkeit7043444543
Bedienung/ Funktion10085877880
Kofferraumvolumen1001618119
Variabilität10035402030
Zuladung/ Anhängelast8024271425
Sicherheit15082788370
Qualität/ Verarbeitung200152145140138
Kapitelbewertung1000526539466498

 

Fahrkomfort

Entspanntes Fahren auch auf Langstrecken – selbst diese Option erfüllen aktuelle Kleinwagen. Die opulenten Sportsitze (340 Euro) im neuen Audi A1 offerieren den Sitzkomfort einer größeren Limousine. Besonders angenehm ist der ausgeprägte Seitenhalt im Schulterbereich. Ähnliche Qualitäten beweist das VW-Gestühl, bietet dabei aber weniger Oberschenkelaufl age. Die etwas rutschigen Ledersitze (ab 990 Euro) im Citroën und die straffen Sportsitze im Mini haben hier das Nachsehen. In der zweiten Sitzreihe macht der Cooper mit gut ausgeformten Polstern Punkte wett, die DS3-Fondsitzbank weist dagegen kaum Konturen auf und fällt leicht nach vorn ab. Straff gepolstert, strukturiert, aber mit steil stehenden Lehnen ausgestattet, kann der Audi-Fond in Sachen Komfort nicht ganz überzeugen.

Mehr Ausgewogenheit beweist der Ingolstädter beim Federungskomfort. Das – zugegeben sportlichstraff abgestimmte – Fahrwerk harmoniert gut mit den montierten 17-Zöllern. Noch komfortabler reist der Polo-Pilot. Nur tiefe Asphaltlöcher lassen die Federung durchschlagen, lange Wellen regen die Vorderachse zum kurzen Nachschwingen an.

Mehr Reserven stellt der Citroën DS3 bereit, seine etwas zittrige Karosserie leidet aber unter Vibrationen, zudem wirkt das Fahrwerk poltrig auf Querfugen. Steif und straff wie ein Sportwagen rollt der Mini Cooper D ab, das verlangt manchmal Nehmerqualitäten.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Sitzkomfort vorn15097928585
Sitzkomfort hinten10044504641
Ergonomie150123125110110
Innengeräusche5031352924
Geräuscheindruck10048454240
Klimatisierung5019312933
Federung leer200113114106110
Federung beladen200113111104106
Kapitelbewertung1000588603551549

 

Motor und Getriebe

Bei der Wahl des Antriebs herrscht Einigkeit unter den vier Rivalen. Egal welche Motorhaube man öffnet, zum Vorschein kommt ein quer eingebauter 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung. Nahezu identisch sind die Aggregate aus dem Volkswagenkonzern, die sowohl im Audi A1 als auch im Polo ihren Dienst verrichten. Dennoch sorgt die bessere Dämmung des Audi dafür, dass der Klang des Selbstzünders im A1 als angenehmer empfunden wird. Dass beide trotz ihres kleinen Leistungsdefizits gut im Futter stehen, beweisen die Messwerte. Lediglich die etwas spritzigere Gasannahme im A1 macht hier den Unterschied. So erkämpft sich der Audi einen kleinen Vorsprung bei der Sprintwertung gegenüber dem Polo. Der stärkere DS3 kann seine sieben PS und 20 Newtonmeter mehr nicht gewinnbringend einsetzen und fällt zurück. Ganz im Gegensatz dazu agiert der Cooper D mit neuem Antrieb. Griff Mini bisher auch auf die Aggregate des Peugeot-Citroën-Konzerns (PSA) zurück, stammt der aktuelle 1600er von BMW. Und dieser Motor ist ein Traum: Er hängt gierig am Gas, dreht locker bis an den Drehzahlbegrenzer und klingt dabei so unverschämt gut, dass man bei jedem Tankstopp aufpassen muss, kein Super Plus einzufüllen. Lediglich die lang übersetzten oberen Gänge des Sechsganggetriebes lassen ihn – wie den ebenfalls mit sechs Gängen ausgestatteten DS3 – beim spontanen Überholmanöver hinter Audi und VW mit nur jeweils fünf Gängen zurückfallen. Allerdings sucht man bei höherem Tempo sowohl im A1 als auch im Polo vergebens die drehzahlsenkende sechste Fahrstufe.

Auf der Verbrauchsrunde zahlen sich die Sechsganggetriebe jedoch nicht aus. Mit 5,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer markiert der Polo den Bestwert. Weder Audi noch Mini können mithalten, trotz ihrer Start-Stopp-Systeme. Beide verbrauchen aber nur geringfügig mehr – wie auch der Citroën. Dass keiner der vier Kleinen die angegebenen EU-Verbräuche realisieren kann, liegt an dem Volllastanteil, den wir in unsere Verbrauchsmessfahrt im Gegensatz zum EU-Zyklus integrieren.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Beschleunigung15010210110897
Elastizität10078787575
Höchstgeschwindigkeit15046465146
Getriebeabstufung10077778076
Kraftentfaltung5027273225
Laufkultur10046445042
Verbrauch325274279272270
Reichweite2515161214
Kapitelbewertung1000665668680645

 

Fahrdynamik

Audi, Citroën und Mini setzen auf Fahrspaß. Und diesem Anspruch werden zumindest A1 und Cooper D gerecht. Es ist schon erstaunlich, was Audi mit Detailarbeit aus der Polo-Basis herausholt.

Im Vergleich zum kreuzbraven Wolfsburger entpuppt sich der kleine Ingolstädter als Sportskanone. Der Polo schiebt dagegen im Grenzbereich über die Vorderräder und hält übermütige Piloten per ESP sicher auf Kurs. In erster Linie verdankt der A1 seine große Agilität dem fein abgestimmten und deutlich später eingreifenden ESP mit integrierter elektronischer Quersperre. Sie verteilt die Kraft je nach Situation über gezielte Bremseingriffe zwischen den Vorderrädern – und das funktioniert ausgezeichnet. Während sich vor allem Citroën- und VW-Fahrer mit einbremsendem Untersteuern plagen, zieht das Audi-System den A1 regelrecht in Kurven hinein. Die dosierten Lastwechselreaktionen und die direkt übersetzte Lenkung sorgen zudem für ein sehr sportives Handling. Zwar distanziert der Audi so den vom stark regelnden ESP eingebremsten DS3 und den gutmütig untersteuernden Polo, aber an die Bestzeit des Mini kommt er dennoch nicht heran. Trotz der schmalsten Bereifung setzt der Brite jeden Befehl des Fahrers messerscharf um – fahrdynamisch bleibt er der Maßstab.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Handling15069547054
Slalom10081628171
Lenkung10072697562
Geradeauslauf5033332931
Bremsdosierung3017171915
Bremsweg kalt15083829084
Bremsweg warm15087878990
Traktion10045304030
Fahrsicherheit150118120118120
Wendekreis2016181416
Kapitelbewertung1000621572625573

 

Umwelt und Kosten

Der noble Audi A1 schlägt sich bei den Kosten besser als gedacht. Inklusive der AZ-Normausstattung ist er nur knapp 1000 Euro teurer als der VW Polo, belastet aber das Unterhaltskonto dennoch spürbar geringer als die teuren Kleinen aus Frankreich und England. Zudem profitieren sowohl Audi als auch VW von den zu erwartenden hohen Wiederverkaufswerten.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Bewerteter Preis675271282247250
Wertverlust5029302626
Ausstattung25992121
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028282828
Werkstattkosten2017171615
Steuer108888
Versicherung4032333333
Kraftstoff5545454544
Emissionswerte2587868784
Kapitelbewertung1000526538511509

 

Fazit

Der neue Audi A1 fährt den ersten Sieg ein. Er bringt einen Hauch Oberklasse in die Kleinwagenwelt. Zumindest auf den vorderen beiden Plätzen fehlt es weder an Raum noch an der bekannt guten Audi-Qualität. Der A1 ist eher ein kleines Coupé als ein Kleinwagen. Der Sieg fällt allerdings denkbar knapp aus, der VW Polo lässt sich nicht so leicht abschütteln. Seine funktionalen Vorzüge reichen aber hier nicht aus, um den fahraktiven und hochwertigen Audi abzuhängen. Der Mini Cooper D sichert sich vor allem mit seinem tollen Antrieb und viel Fahrspaß den dritten Platz. Der schöne Citroën DS3 zeigt nirgendwo eine herausragende Eigenschaft und landet so auf Rang vier. 

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A1 1.6 TDIVW Polo 1.6 TDIMINI Cooper DCitroën DS3 HDi 110 FAP
Summe50002926292028332774
Platzierung1234

Tags:
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