Classic Cars - Vergleich: Audi 100 Coupe S und Opel GT am Gardasee Zu neuen Ufern

30.06.2013
Inhalt
  1. GEMEINSAME AUSFAHRT NACH ÜBER 40 JAHREN
  2. GT: SPORTLICHE FAHRLEISTUNGEN MIT 90 PS
  3. EIN TYPISCHER DUFT BEGLEITET DIE ZEITREISE
  4. Marktlage opel gt
  5. Marktlage Audi 100 coupé s

Als 1969 die AUTO ZEITUNG startete, waren Italien und der Gardasee bei Deutschen so angesagt wie die Titelhelden der ersten AZ-Ausgabe. Classic Cars Vergleich

Wie sehr wünschte ich meine Freunde einen Augenblick neben mich, dass sie sich der Aussicht freuen könnten, die vor mir liegt!“ Wir wissen nicht, ob die Begeisterung, die Johann Wolfgang von Goethe am 12. September 1786 beim Anblick des Gardasees während seiner "Italienischen Reise" empfand, die Initialzündung für die Liebe der Nachkriegsdeutschen zur Apennin-Halbinsel war. Tatsache ist, dass unzählige Urlaubstouren der anfangs noch bescheiden motorisierten Deutschen das oberitalienische Gewässer zum Ziel hatten.

Der Gardasee war über Jahre hinweg Inbegriff der Sehnsucht nach dem Dolce Vita – besonders nach der Zeit der großen Entbehrungen. Genießen! Das war es, was die Deutschen in den ausgehenden 60ern auch beim Autofahren wollten. Schließlich erntete man die Früchte des Wirtschaftswunders, da durften Autos für breitere Bevölkerungskreise nicht nur Fortbewegungs-, sondern gerne auch Genussmittel sein.

 

GEMEINSAME AUSFAHRT NACH ÜBER 40 JAHREN

Als "Audi Sport" kündigte die erste Deutsche AUTO ZEITUNG am 10. April 1969 das Coupé auf Basis der 100 Limousine an, bevor es 1970 auf den Markt kam. Und in der gleichen Ausgabe musste sich auch der bereits 1968 auf den Markt gebrachte Opel GT in einem Test bewähren. Heute, über 40 Jahre später, parken dank der freundlichen Teams von Opel Classic und Audi Tradition zwei Exemplare dieser charakterstarken Coupés im Topzustand einträchtig nebeneinander und sind endlich bereit für eine gemeinsame Ausfahrt.

Das Audi 100 Coupé S nimmt – wohlproportioniert mit kantigen Formen, Doppelscheinwerfern, leichtem Hüftschwung in der Gürtellinie und Kiemen in der breiten C-Säule – spürbare Anleihen am italienischen Gran-Turismo-Design. Verchromte und geschraubte Fensterrahmen vermitteln automobilen Wohlstand, und die Echtholz-Intarsien im Innenraum schreien geradezu nach dem behandschuhten Herrenfahrer am spindeldürren Volant. Das Raumangebot des zwischen 1970 und 1976 gut 30.000 Mal gebauten Coupés ist selbst für heutige Verhältnisse üppig. Der Preis zur Markteinführung in Höhe von 14.400 Mark war es ebenfalls – er lag fast dreimal so hoch wie der für einen VW 1300er Käfer!

Da ist der Opel von ganz anderem Charakter: 28 Zentimeter kürzer, 17 Zentimeter schmaler und knapp zwölf Zentimeter niedriger als der Audi, erschien er den Testern schon 1969 als "konsequent gebauter Sportwagen, ein harter Spaß für harte Männer". Er rollte bis 1973 über 103.000 Mal vom Händlerhof – nicht zuletzt dank seines relativ volkstümlichen Preises von 11.877 Mark für die Version mit dem großen 1,9-Liter-Motor mit 90 PS. Der 1,1-Liter mit 60 PS kostete 10.767 Mark. Die lange Haube, das Stummelheck und die mit einem lauten "Klaklong" spektakulär ausfahrenden Klappscheinwerfer lassen Design-Parallelen zu der ab 1968 gefertigten C3-Version der amerikanischen Sportwagen-Legende Corvette erkennen.

Im GT-Innenraum geht es deutlich beengter zu als im Audi: Zwei schmale Sitze – Tuchfühlung mit Beifahrer(in) nicht ausgeschlossen – und eine nur von innen zugängliche Ablage dahinter müssen reichen. Auf eine Heckklappe verzichteten die Opel-Ingenieure aus Stabilitätsgründen. Die knapp 200 Liter Gepäckvolumen lassen sich also nur mühsam über den Innenraum nutzen – doch wer will im GT schon mehr als als eine Sporttasche mitnehmen?

 

GT: SPORTLICHE FAHRLEISTUNGEN MIT 90 PS

Die Batterie von Zusatzinstrumenten im schwarzen Armaturenbrett verkörpert stilechte Sportlichkeit aus Rüsselsheim, deretwegen sich einst Tausende von Kindernasen staunend an den Seitenfenstern plattdrückten. Unter der mit einem Powerdome bewehrten GT-Haube werkelt der 1,9-Liter-Motor aus dem Rekord. Er liefert 90 PS an die Hinterachse. Das reichte damals für 184 km/h und für 11,1 Sekunden von null auf Tempo 100. Für 100 Kilometer benötigte man rund 10,5 Liter Super.

Der Motor ist zwar kein Ausbund an Elastizität, lässt aber dennoch einen zügigen Fahrstil zu, und das Viergang-Getriebe verlangt nach einer kräftigen Schalthand. Im Kurvengeschlängel rings um den Gardasee kommen dem GT seine überschaubaren Abmessungen und das geringe Leergewicht von nur 940 Kilogramm entgegen. Hier kann man mit dem Opel trotz fehlender Servolenkung leichtfüßig Haken schlagen. "Nur fliegen ist schöner“, lautete ein legendärer Opel-Werbeslogan – dem ist wenig hinzuzufügen. Allerdings sollte man den Bremsen nicht zu viel zumuten: Sie galten schon immer als etwas unterdimensioniert.

Da muss der Pilot im 160 Kilogramm schwereren Audi Coupé schon mehr arbeiten. Die großen Lenkwinkel und das sehr komfortable, aber mehr Karosseriebewegungen verursachende Fahrwerk verhindern eine allzu sportliche Gangart, und die üppigeren Abmessungen tun ihr Übriges. Das Fahrverhalten bleibt stets gutmütig untersteuernd. Begeisterung kommt allerdings kaum auf – der schnittigen, an italienische GT erinnernden Form wird die Fahrdynamik nicht gerecht. Motorseitig ist der Audi dem Opel dagegen überlegen. Statt 115 PS wie zur Markteinführung besitzt unser optisch nach wie vor unverändertes 1973er Modell den abgasoptimierten, laufruhigen 1,9-Liter-Motor mit Einfachvergaser und 112 PS. Noch heute ist er ein Muster an Elastizität: Im vierten Gang sauber aus 40 km/h beschleunigen? Kein Problem. 185 km/h Höchstgeschwindigkeit waren drin, und die 100-km/h-Marke fi el laut Werk bereits nach 11,5 Sekunden. Der Verbrauch lag indes bei hohen 13,5 Litern Super auf 100 Kilometern.

 

EIN TYPISCHER DUFT BEGLEITET DIE ZEITREISE

Trotz der verschiedenen Charaktere der beiden Wagen lässt es sich hier wie dort trefflich zeitreisen, während der typische Duft alter Autos – ein Gemisch aus Öl, Benzin, angejahrten Kunststoffen und Polstern – von einem ganzen Autoleben erzählt. Dank der großzügigen Verglasung der beiden deutschen Coupé-Ikonen zieht das herrliche oberitalienische Seeund Bergpanorama wie ein Film an einem vorbei. Und bei geöffnetem Seitenfenster kann man fast zugfreie Kühlung genießen oder in den langen Tunnels der Uferstraße Auspuffklängen lauschen, wie sie heute nur noch als Zubehör montierte Sportauspuffanlagen zustande bringen.

Egal, ob Audi 100 Coupé S oder Opel GT – wir wissen nicht, wie viele Exemplare von ihnen tatsächlich einst die Straßen rings um den Gardasee unsicher machten. Wahrscheinlich werden sich aber die Fahrer ihre Freunde neben sich gewünscht haben. Ganz im Sinne Goethes.

TECHNIK
 

OPEL GT
ANTRIEB R4-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; seitlich
hochliegende Nockenwelle, Antrieb über Rollenkette; Registervergaser Solex; Bohrung x Hub: 93,0 x 69,8 mm; Hubraum: 1897 cm3; Verdichtung: 9,5:1; Leistung 66 kW/90 PS bei 5100/min; max. Drehmoment 145 Nm bei 2800/min; Viergang-Getriebe; Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK Selbsttragende Stahlblechkarosserie, zwei Türen; Radaufhängung: vorn Doppel-Querlenker, Querblattfeder, optional Stabi; hinten Starrachse, Längslenker, Panhardstab Schraubenfedern, optional Stabi; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v. Scheiben, h. Trommeln;
Reifen: 165 HR 13, Räder: 5 J x 13
ECKDATEN L/B/H: 4113/1580/1225 mm; Radstand: 2431 mm; Spurweite v./h.: 1254/1284 mm; Leergewicht: 960 kg; Zuladung: 200 kg; Tankinhalt: 50 l; elektrische Anlage: 12 Volt; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,1 s¹; Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h¹; Bauzeit: 1968 bis 1973; Stückzahl: GT gesamt 103.463; Preis (1968): 11.877 Mark
¹ aus AUTO ZEITUNG 12/2009
  AUDI 100 COUPÉ S
 ANTRIEB R4-Zylinder, vorn längs; 2-Ventiler; obenliegende Nockenwelle; Fallstrom-Registervergaser Solex; Bohrung x Hub: 84,0 x 84,4 mm; Hubraum: 1871 cm³; Verdichtung: 10,2:1; Leistung: 82 kW/112 PS bei 5600/min; max. Drehm.: 160 Nm bei 3500/min; Viergang-Getriebe; Vorderradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK Selbsttragende Stahlblechkarosserie, zwei Türen; Radaufhängung: vorn Doppel-Querlenker, Schraubenfedern, Stabi; hinten Starrachse, Längslenker, Panhardstab, Drehstabfedern; Zahnstangenlenkung; Bremsen: vorn innenliegende Scheiben, h. Trommeln; Reifen: 185/70 HR 14, Räder: 5 x 14
ECKDATEN L/B/H: 4398/1729/1344 mm; Radstand: 2560 mm; Spur v./h.: 1443/1440 mm; Leergewicht: 1140 kg; Zuladung: 310 kg;
Tankinhalt: 58 l; elektrische Anlage: 12 Volt; Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 11,5 s1; Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h1; Bauzeit: 1970 bis 1976; Stückzahl: Coupé S gesamt 30.787; Preis (1975): 18.293 Mark
¹aus AUTO ZEITUNG 09/1975

 

Marktlage opel gt

Zustand 2: 16.900 Euro
Zustand 3: 10.500 Euro
Zustand 4:    4400 Euro
Wertentwicklung: steigend

 

Marktlage Audi 100 coupé s

Zustand 2: 15.500 Euro
Zustand 3:    7400 Euro
Zustand 4:    2900 Euro
Wertentwicklung: steigend

Elmar Siepen

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 87,10
Sie sparen: 36,89 EUR (30%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,79 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.