Aston Martin DBS / Mercedes CL 65 AMG Luxuscoupés: Auf die Zwölf

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Kann man das Thema Edelcoupé mit Zwölfzylinder- Antrieb unterschiedlicher interpretieren als Aston Martin und Mercedes mit DBS und CL 65 AMG? Vermutlich nicht. Ein Vergleichstest der nicht ganz alltäglichen Art mit insgesamt über 1100 PS und knapp zwölf Liter Hubraum

Die wirklich schönen und guten Dinge sind, das weiß jeder, diejenigen, die man nicht wirklich braucht, ohne die das Leben aber langweiliger und grauer wäre. Kein Mensch benötigt etwa eine Armbanduhr aus einer edlen Manufaktur, die das Hundertfache einer viel genaueren und robusteren Quarzuhr kostet. Aber jeder Blick auf das Ziffernblatt und den geschmeidig gleitenden Sekundenzeiger erfreut selbst dann noch das Herz des Feinsinnigen, wenn der Preis längst vergessen ist. Ähnlich dürfte es bei Autos wie dem Aston Martin DBS und dem Mercedes CL 65 AMG sein.

Selbst wenn man allerhöchste Ansprüche an sein Coupé hat, geht es nämlich deutlich billiger: Aston Martin hält den V8 Vantage ab 111.200 Euro bereit – mithin für weniger als die Hälfte des DBS-Einstandspreises von 240000 Euro. Ähnlich ist die Lage bei Mercedes: Den CL 500 gibt es ab 112.276 Euro, der CL 65 kostet mit 221.459 Euro rund 110.000 mehr. Da dürften auch solche Kunden zweimal schlucken, die beim Autokauf nicht erst den Kreditberater der Sparkasse konsultieren müssen. Womöglich trifft dieser Kundenkreis seine Kaufentscheidung nicht in erster Linie nach den Punktewertungen. Interessant ist es dennoch, wie sich die beiden Coupés im Vergleichstest der AUTO ZEITUNG schlagen – auf einem Terrain also, in dem nicht Flair, Design und Exklusivität, sondern nur Zahlen, Fakten und Messwerte zählen.

 

Karosserie

Dass der CL 65 in der Karosseriewertung mehr Punkte sammelt als der vergleichsweise kleine und spartanische DBS, ist nicht sonderlich überraschend, zumal der Aston auf Rücksitze völlig verzichtet. Die schmalen Nischen sind extra so gebaut, dass sie nur als Ablage für jenes Gepäck dienen können, das nicht in den nur 186 Liter fassenden Schacht unter den Heckdeckel passt.

Im Mercedes dagegen finden selbst ausgewachsene Mitteleuropäer bequem Platz im Fond, auch wenn der Einstieg etwas mühsam ist. Die Bewegungsfreiheit auf den beiden vorderen Plätzen ist im CL ohnehin eine ganze Klasse besser. Im DBS kauert die Besatzung in engen Nischen, auch wenn das Platzangebot wegen der dünnen Schalensitze etwas großzügiger ist als in anderen Aston-Modellen.

Viele Punkte erntet das Stuttgarter Coupé außerdem mit seiner mustergültigen Sicherheitsausstattung, der es wirklich an kaum etwas Wichtigem fehlt. Selbst exotische Features wie etwa den Nachsicht-Assistenten gibt es zumindest gegen Aufpreis.

KarosserieMax. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Raumangebot vorn1008268
Raumangebot hinten10041
Übersichtlichkeit703631
Bedienung/ Funktion1007165
Kofferraumvolumen100404
Variabilität1003
Zuladung/ Anhängelast80177
Sicherheit15012269
Qualität/ Verarbeitung200195192
Kapitelbewertung1000607436

 

Fahrkomfort

Ebenso wenig erstaunlich ist auch, dass der Aston Martin bei der Bewertung des Fahrkomforts den Kürzeren zieht. Nicht dass der sportliche Zwölfzylinder aus Gaydon ein wirklich hartes, unkomfortables Auto wäre, aber gegen das gediegene Fahrwerk des großen Mercedes-Coupés dürften die wenigsten Sportwagen den Hauch einer Chance haben – auch wenn der CL 65 AMG nicht so weich abrollt wie seine schwächer motorisierten Artgenossen ohne 20-Zoll-Bereifung.

Zudem thronen die CL-Passagiere auf wahrhaft herrschaftlichem Gestühl, das sich nicht nur trefflich heizen und belüften lässt, sondern auf Wunsch auch lästiger Querbeschleunigung aktiv entgegenwirkt. Dagegen sind die Sitze im Aston die reinsten Rennschalen. Allerdings sind sie lange nicht so unbequem, wie sie aussehen. Selbst großgewachsene und gewichtige Fahrer fühlen sich nicht eingeengt und steigen auch nach Langstreckenfahrten entspannt aus dem flachen DBS. Dennoch liegt das britische Coupé am Ende der Karosserie- und Komfortkapitel rund 350 Punkte hinter dem Schwaben-Express von AMG. Zeit also für eine kleine Aufholjagd.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Sitzkomfort vorn150135130
Sitzkomfort hinten10055
Ergonomie150130121
Innengeräusche504115
Geräuscheindruck1009592
Klimatisierung504032
Federung leer200165125
Federung beladen200165125
Kapitelbewertung1000826640

 

Motor und Getriebe

Wichtiger als Raumangebot oder Federungskomfort dürften für den einen oder anderen Zwölfzylinder-Kunden die Qualitäten des vielzylindrigen Triebwerks sein, für das er schließlich so viel Geld auf den Tisch legt. Schiere Power ist ein Aspekt des Spiels, und hier hat der CL 65 AMG einiges zu bieten: 612 PS und 1000 Nm Drehmoment. Da nehmen sich die Leistungsdaten des DBS fast schon etwas dünn aus: 517 PS und 570 Nm maximales Drehmoment. Für Nicht-Quartettspieler zählt jedoch auch, wie die beiden Coupés diese Leistung auf die Straße bringen.

Hier kann der Brite punkten. Er beschleunigt nicht nur besser, sondern lässt sich bei solchen Übungen auch einfacher beherrschen als der Stuttgarter. Vor allem im unteren Geschwindigkeitsbereich verqualmen beim CL die vielen PS und Newtonmeter im Rauch der 275er Conti Sport Contact. Natürlich geht er dennoch brachial vorwärts. Bis 200 km/h hat er den knappen Vorsprung des Aston beinahe aufgeholt: 12,8 zu 12,7 Sekunden.

Der Sound dürfte für viele Zwölfer-Interessenten eine fast ebenso große Rolle spielen. Er lässt sich nicht in Punkte fassen, doch der Klang des in Köln-Niehl gebauten Sechsliter-V12 des Aston ist einfach nur ergreifend schön. Der AMG-V12 hört sich im Vergleich dazu – wohl auch wegen der dämpfenden Turbolader – wie ein weit entfernt vorbeirauschendes Powerboot an.

Motor und GetriebeMax. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Beschleunigung150189192
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120175
Getriebeabstufung1009297
Kraftentfaltung505050
Laufkultur1009998
Verbrauch3256961
Reichweite2586
Kapitelbewertung1000627679

 

Fahrdynamik

Die wahre Stunde des DBS schlägt aber bei der Bewertung der Fahrdynamik. Er fährt schlicht und einfach in einer anderen Liga als der vergleichsweise behäbige Mercedes. Fast sechs Sekunden Vorsprung auf dem Handlingparcours und rund sechs km/h beim Standardslalom sind schon sehr deutlich. Dabei ist das Coupé von der Insel kein Leichtgewicht, bringt aber rund 500 Kilogramm weniger auf die Waage als sein schwäbischer Konkurrent.

Diesen Vorteil setzt der Brite in agiles, ausbalanciertes Handling, neutrales Fahrverhalten und sichere, vorhersehbare Reaktionen im Grenzbereich um. Ein wahres Gedicht sind zudem die Karbon-Kohlefaser-Bremsen, die perfekt dosierbar und überaus vehement verzögern. Fading? Null.

FahrdynamikMax. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Handling1507799
Slalom1004275
Lenkung1007296
Geradeauslauf504238
Bremsdosierung301224
Bremsweg kalt1507595
Bremsweg warm15077109
Traktion1005265
Fahrsicherheit150105132
Wendekreis2089
Kapitelbewertung1000562742

 

Umwelt und Kosten

Wer bereit ist, eine Viertelmillion Euro für ein Coupé auszugeben, muss damit rechnen, nach vier Jahren rund 140.000 Euro als Wertverlust abzuschreiben. Tröstlich, dass die Emissionswerte der beiden Zwölfender sehr ordentlich sind und der Verbrauch bei normaler Fahrweise deutlich unter der 20-Liter-Grenze bleibt. Aber wer redet bei so schönen Autos schon gern vom Geld?

Kosten/UmweltMax. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Bewerteter Preis675
Wertverlust50
Ausstattung252525
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502724
Werkstattkosten20
Steuer1066
Versicherung40
Kraftstoff55119
Emissionswerte257478
Kapitelbewertung1000143142

 

Fazit

Der Mercedes CL 65 AMG gewinnt diesen Vergleichstest mit deutlichem Vorsprung. Das großzügige Raumangebot und der überlegene Komfort des serienmäßigen ABC-Fahrwerks verschaffen ihm einen Punktevorsprung, den der Aston Martin DBS trotz brillanten Motors und fahraktiven Handlings nicht mehr aufholen kann.

Das eigentlich Überraschende an diesem Test aber ist, wie gut sich der neue Aston Martin dynamisch und motorisch in Szene setzt. Wer jetzt noch daran zweifelt, dass Aston Martin endgültig im bisher deutsch und italienisch beherrschten Supersportwagen-Olymp angekommen ist, sollte mal eine Runde DBS fahren.

Gesamtbewertung

Max. PunkteMercedes CL 65 AMGAston Martin DBS
Summe500027652639
Platzierung12

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.