Aston Martin DB11: Test DB11 mit V12 und ganz viel Charisma

von Horst von Saurma 11.04.2017
Inhalt
  1. Test: Aston Martin DB11 ist ein 2+2
  2. Gewaltiges V12-Aggregat mit zwei Turboladern
  3. Der DB11 arbeitet mit virtuellem Heckflügel
  4. Unser Testfazit

Im ersten Test zeigt der neue Aston Martin DB11, wo sich der neue Gran Turismo von seinem Vorgänger unterscheidet. Aston Martin hält sich von jeher für die edelste und stilprägendste britische Sportwagen-Marke – erst recht, seit es den neuen DB11 gibt.

Auch wenn Aufsehen erregen normalerweise nicht dein Ding ist – in diesem GT schon: In ihm möchtest du gesehen werden. Nicht etwa, um dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, nein: Du bist es, der etwas Schönes sichtbar macht und unter die Leute bringt. So wie es ein Künstler mit seinen Werken tut. Und du tust es nicht marktschreierisch laut oder farbig grell, sondern dezent, mit Bedacht und, wenn es das aufgewühlte Befinden erlaubt, mit distinguiertem Kennerblick. Ein cooler Auftritt. Der Aston Martin DB11 passt in diese Szenerie wie kein Zweiter. Auf das Eleganteste gekleidet und mit einer ebenso verwegenen wie sonoren Stimme gesegnet, kann niemand den Blick von ihm wenden oder gar die Ohren verschließen. Das, was er seiner Umwelt mit jedem Zoll seiner Figur und der Komposition seiner Musik vermittelt, sagt: Schaut her, ich verkörpere die Krone des Automobilbaus. Betrachtet man den DB11 als das, was er ist, nämlich einen nach klassischem Muster konzipierten Gran Turismo, also als ein Fahrzeug, welches in erster Linie zur lustvollen, bequemen und schnellen Überbrückung großer Reiseetappen einlädt, dann ist dieses Selbstverständnis auch gar nicht weit hergeholt.


Der Aston Martin DB11 im Video:

 
 

Test: Aston Martin DB11 ist ein 2+2

Auf eine Länge von 4,47 Meter gestreckt und mit noch längerem Radstand (2,805 Meter) als der Vorgänger DB9 gesegnet, offeriert dieses von Grund auf neu entwickelte 2+2-sitzige Coupé vordergründig all jene Vorzüge, die bei vielen aktuellen Straßensportlern mit Renn-Lizenz zwangsläufig in den Hintergrund getreten sind. Im DB11 gibt es kein Hineingekrieche ins Cockpit, kein Kopfeinziehen, kein Gefühl der Enge und Bedrücktheit – und kein Krach. Stattdessen gelingt ein lässig-bequemer Einstieg durch die leicht schräg nach oben schwenkende Tür, die beim Loslassen nicht etwa unmotiviert aufs Schienbein fällt, sondern in jedem gewünschten Öffnungswinkel gehorsam verharrt, auch dann, wenn das Auto schräg steht. Ein sonst gern vernachlässigter Nebenschauplatz, wohl wahr. Aber diese Lösung drückt auf subtile Weise das rundum sicht- und fühlbare Bestreben aus, dem Wohlergehen der Passagiere alles unterzuordnen und ihnen einen in jeder Hinsicht würdevollen Auftritt zu ermöglichen. Selten fühlte man sich dem Auto-Himmel so nahe wie im DB11. Fein gegerbte und perfekt modellierte Lederauskleidung, wohin das Auge blickt. Selbst der mit Leder bespannte Dachhimmel greift die in die Sitze eingefügten Nähte und Ornamente wieder auf. Wohlfühlen wie in Abrahams Schoß – hier trifft das Bild. Die bislang von Aston Martin bekannten kleinen Ergonomie-Verfehlungen sucht man im neuen DB11 vergebens. Keine Druckstellen an den Ellbogen, keine vergebliches Streben nach der idealen Sitzposition: Die erste Reihe dieses GT passt Menschen jeglicher Statur. Hinzu kommen eine satte Beinauflage, guter Seitenhalt und eine perfekte Einbindung des Fahrers ins Gesamtsystem. Allein, so einladend die rückwärtigen Sitzgelegenheiten auch aussehen: Über den Transport des Nachwuchses zum Kindergarten hinaus sind sie kein Ort für ausgedehnte Lustreisen.

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Gewaltiges V12-Aggregat mit zwei Turboladern

Davon abgesehen: Der Rundumblick über die liebevoll gestaltete Cockpit-Landschaft mit der reizvollen Aussicht auf das je nach Fahrmodus farblich changierende Display und die Trockenübung am griffigen Lederlenkrad mit den dahinter an der Lenksäule feststehenden Schaltpaddeln haben für sich genommen schon hohen Unterhaltungswert. Wenn dann noch auf lässigen Knopfdruck hin der zu Füßen von Fahrer und Beifahrer liegende Zwölfzylinder-Biturbo den Betrieb aufnimmt, bleibt einem nichts mehr übrig, als sich ein für allemal den Reizen desDB11 zu ergeben und das Hohelied auf den Zwölfender anzustimmen. Die seidig vorgetragene Laufruhe des aus einem Dutzend Einzelhubräumen schöpfenden Verbrenners und die daraus resultierende sonore Tonfolge bleiben in ihrer beruhigenden und zugleich anregenden Wirkung auf die Psyche unübertroffen. Dass der 5,2 Liter große Aston Martin-V12 neuerdings von zwei Turboladern unter Druck gesetzt wird, hat zwar angenehm mäßigenden Einfluss auf die Tonlage, aber gleichzeitig dramatische Auswirkungen auf die Art der Leistungsentfaltung. Schon ab 1500 Umdrehungen ist der Biturbo mit einem Drehmoment von 700 Newtonmeter zur Stelle und hält diesen Wert konstant bis 5000 Touren. Der ab Leerlaufdrehzahl völlig verzögerungsfrei abrufbare, gewaltige Druck endet zwar wenig später, dann aber in einem Finale Furioso. Die 608 PS, die der V12-Biturbo gefühlt bei 8000, in Wahrheit aber schon bei 6500 Kurbelwellenumdrehungen unter einem ausgedehnten, Gänsehaut erzeugenden Aufschrei der Lust quasi aus dem Ärmel schüttelt, sind in ihrer charakterlichen Ausprägung dennoch eher sanft als brutal. Das hat auch etwas mit dem ZF-Achtstufen-Automaten zu tun, der zwecks ausgewogener Gewichtsverteilung vom Motor abgekoppelt am hinteren Ende des Antriebsstrangs angeordnet ist und im Zusammenschluss mit dem elektronisch geregelten Sperrdifferential die immensen Kräfte wirkungsvoll kanalisiert. Dass das elektronische Management mit Rücksicht auf die Unversehrtheit nachgeschalteter Bauteile mäßigenden Einfluss auf den Motor nimmt, wird beim Versuch, das Sprinttalent aus dem Stand auszuloten, offensichtlich. Die hinteren Antriebsräder in Schlupf zu bringen, gelingt selbst unter Volllast nicht. Wegen des sanften Antritts aus dem Stand nimmt es kein Wunder, dass der Standardsprint auf 100 km/h nicht in der angekündigten Zeit – laut Werk 3,7 Sekunden – gelingt. Es sind 4,1. Setzt man die Zeit in Relation zur Masse, die hier bewegt wird, darf man dennoch zufrieden sein: Immerhin zeugen 1890 Kilogramm Gewicht von einem luxuriösen Ausstattungsumfang. Schnelle, aber extrem geschliffen vorgetragene Gangwechsel, eine mit perfekter Rückmeldung arbeitende Lenkung, die das Gewicht fast vergessen lässt, sprechen für sich.

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Der DB11 arbeitet mit virtuellem Heckflügel

Und schließlich ist da der in jeder Hinsicht überzeugende Fahrkomfort, der im Fall des Vorserien-Testwagens bei hohem Tempo nur von leicht zischelnden Windgeräuschen am linken oberen Seitenfensterrahmen gestört wurde. All das unterstreicht nachhaltig das schon optisch äußerst bemerkenswerte Statement. Das unter allen Umständen verbindliche und neutrale Fahrverhalten ohne unmotivierte Über- oder Untersteuerneigung setzt dem Ganzen die Krone auf. Die achtbare Rundenzeit in Hockenheim: 1.13,0 Minuten. Der unter der Bezeichnung "AeroBlade" erstmals eingeführte virtuelle Heckflügel steht womöglich für einen sich neu formierenden Trend: Man muss nicht alles sehen, wenn nur die Wirkung spürbar ist. Dies gilt selbstredend nicht für den formidablen und wunderschön anzuschauenden Zwölfzylinder-Frontmittelmotor.

 

Unser Testfazit

Der Neustart in Form des neuen Aston Martin Gran Turismo befriedigt höchste Ansprüche und macht Lust auf die kommenden Varianten, die allesamt den neuen DB11 als Basis haben werden. Der aktuelle Zwölfzylinder-Biturbo dürfte der letzte große Saurier der Verbrenner-Ära sein – sachlich betrachtet ein Höhepunkt der Motorenentwicklung. Mit den von Mercedes beigesteuerten Elektronik-Komponenten hat nun auch bei Aston Martin die Zukunft Einzug gehalten.

Technische DatenAston Martin DB11
MotorV12, Bi-Turbo
Hubraum5204 ccm
Leistung608 PS
Maximales Drehmoment700 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik, Sperrdifferenzial
AntriebHinterrad
Leergewicht1695 kg
L/B/H in mm4739/1940/1279
Kofferraum270 l
0-100 km/h4,1 s
Höchstgeschwindigkeit322 km/h
Testverbrauch13,8 l SP/100 km
Grundpreis208.900 Euro
Testwagenpreis250.312 Euro

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