Alten Wohnmobilen drohen Fahrverbote Stillstand für Wohnmobile

24.08.2007

Durch die Einrichtung von sogenannten Umweltzonen droht auch Wohnmobilen und Oldtimern der Stillstand

Die Auswirkungen der Umweltzonen, die viele Kommunen derzeit zum Schutz vor Feinstaub einrichten, werden Autofahrern erst nach und nach bewusst. Längst nicht nur alte «Dieselstinker»-Pkw ohne Partikelfilter dürfen dort bald nicht mehr fahren. Nach bisheriger Kenntnis droht auch etlichen Oldtimern, Lieferwagen und schweren Wohnmobilen der Stillstand. Gerade letztere treffen die Maßnahmen besonders hart: Denn im Gegensatz zu Pkw lassen sich ältere Wohnmobile nicht ohne weiteres nachrüsten, um doch noch Freigaben für die Umweltzonen zu erhalten.

Um mit einem Kraftfahrzeug in einer ausgewiesenen Umweltzone fahren zu dürfen, muss dieses über eine Umweltzonenplakette verfügen. Die roten, gelben und grünen Aufkleber an der Windschutzscheibe geben Auskunft über den Schadstoffausstoß. Maßgeblich für die Einordnung in die Schadstoffkategorien sind Emissionsschlüsselnummer und Abgasnorm.

Nach Angaben des ADAC in München erhalten Wohnmobile über 2,8 Tonnen mit Dieselmotor derzeit die rote Plakette, wenn sie die Schadstoffnorm Euro 2 erfüllen und die Schlüsselnummern 20, 21, 22, 33, 43, 53, 60 oder 61 besitzen. Euro-3-Fahrzeuge mit den Schlüsselnummern 34, 44, 54, 70 oder 71 erhalten die bessere gelbe Plakette. Die grüne Plakette für das beste Abgasverhalten gibt es für Euro-4-Fahrzeuge mit Nummern 35, 45, 55, 80, 81, 83, 84, 90 oder 91. Sie gibt es auch für Benziner mit den Nummern 30 bis 55, 60 oder 61.

Während bei Diesel-Pkw durch Nachrüstung mit einem Partikelfilter eine bessere Plakettenkategorie erreicht werden kann, ist das bei Wohnmobilen noch nicht möglich. Bei Pkw entscheidet darüber die Partikelminderungsstufe (PM). Sie sagt etwas aus über den Grad der gefilterten Partikel. «Für Lkw und schwere Wohnmobile über 2,8 Tonnen gelten Partikelminderungsklassen - PMK», erläutert Andrea Gärtner, beim ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) zuständig für Motoren- und Umwelttechnik. Die PMK seien jedoch erst kürzlich vom Gesetzgeber verabschiedet und als rechtliche Grundlage in der Straßenverkehrs-Zulassungs- Ordnung (StVZO) verankert worden.

«Jetzt muss die Plakettenverordnung noch mal geändert werden», sagt Gärtner. Schließlich sei noch festzulegen, für welche Emissionsschlüsselnummer in Verbindung mit welcher - durch einen Nachrüstfilter verbesserten - PMK künftig welche Umweltzonenplakette vergeben wird. Das war in der Verordnung bislang gar nicht vorgesehen. «Solange die Plakettenverordnung nicht geändert worden ist, bringt die Nachrüstung gar nichts», sagt Gärtner. Vor Herbst werde sich in der Angelegenheit wohl nichts tun.

Mit der Nachrüstung dürfte es aber für viele Besitzer älterer Wohnmobile ohnehin schwierig werden, selbst wenn das Regelwerk irgendwann in Kraft ist. «Rund die Hälfte des Wohnmobilbestandes, also rund 220 000 Fahrzeuge, besitzt die Abgasnorm Euro 1 und schlechter», sagt Daniel Onggowinarso, Technik- und Umweltexperte des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) in Frankfurt. «Für diese fällt die Nachrüstung mittels Filter schon einmal flach.»

In Betracht komme für einige dieser Fahrzeuge lediglich die Nachrüstung mit einem Oxidationskatalysator. Nach Aussagen von Zulieferern sei damit der Sprung um bis zu zwei Abgasklassen möglich, sagt Onggowinarso. Ein Euro-0-Fahrzeug, das aus Umweltzonen ausgesperrt wäre, ließe sich also immerhin auf Euro 2 bringen, könnte die rote Plakette erhalten und die Umweltzone befahren. Allerdings böten die Zulieferfirmen derzeit kaum solche Nachrüstlösungen an.

Das Unternehmen Oberland Mangold aus Eschenlohe (Bayern) liefert zumindest für T4-Wohnmobile von VW mit Euro-1-Abgasnorm eine Oxikat-Nachrüstung. Damit kommt der 2,8-Tonner laut Hubert Mangold aus dem Marketing auf die Abgasnorm Euro 3. Für T4- und T5-Modelle jüngeren Baujahrs gibt es einen Nachrüstpartikelfilter. Je nach Motor erhalten nachgerüstete Fahrzeuge laut Mangold die gelbe oder grüne Plakette.

Auch die Firma HJS in Menden (Nordrhein-Westfalen) bringt mit Hilfe eines «Upgrade-Oxikats» T4-Modelle von Euro 1 auf Euro 2. Das bringt laut HJS die rote Plakette und eine Steuerersparnis. Konkurrent Twintec aus Königswinter prüft laut Sprecher Rainer Werthmann zurzeit die Nachrüstung von Euro-4-, Euro-3- sowie Euro-2- und Euro-1-Wohnmobilen. Bis Ende des Jahres will man Lösungen anbieten. Das Unternehmen rechnet mit Kosten von rund 1000 Euro. Laut Werthmann ist die Zulassung von Nachrüstsätzen für Wohnmobile sehr
aufwendig und teuer, da sie auf dem Motorprüfstand vorzunehmen sind.

Das ist auch mit ein Grund, warum die Abgasspezialisten für die Wohnmobil-Volumenmodelle auf Fiat- oder Ford-Basis noch keine Nachrüstungen anbieten. Haupthindernis ist CIVD-Experte Onggowinarso zufolge die Vielfalt der Motor- und Gewichtskombinationen bei den älteren Wohnmobilen und deren geringe Stückzahlen. Für die Firmen sei es oft einfach zu teuer, wenn ein Abgasreinigungssystem zum nachträglichen Einbau entwickelt und vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen werden müsse. «Von jeder Variante sind nur wenige Tausend Fahrzeuge im Bestand», sagt Onggowinarso. Das ist ungleich weniger als beispielsweise bei den gängigen Turbodiesel-Pkw, von denen
Millionen auf den Straßen sind.

Erschwerend für eine Nachrüstung kommt hinzu, dass der Gesetzgeber anders als bei den Diesel-Pkw keine steuerliche Förderung vorgesehen hat, sagt Michael Müller vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. «Wir rechnen auch nicht damit, dass da noch was kommt.» Ausnahmeregelungen für Halter schwerer Wohnmobile, die innerhalb einer Umweltzone wohnen, sind nach Angaben von Hans-Werner Wormer, Sachverständiger beim TÜV Süd in München, ebenfalls nicht vorgesehen.

«Das kommt einer Zwangsstilllegung gleich», sagt CIVD-Sprecher Ralph Binder. Der Verband setze sich daher dafür ein, für betroffene Halter doch noch Ausnahmeregelungen zu erreichen. Als Argumente führt er an, dass Wohnmobile kaum in städtischen Umweltzonen unterwegs sind und lediglich heraus und herein fahren, wenn der Halter damit auf Urlaubsreise geht. Für VCD-Experte Müller ist es ohnehin ein Skandal, dass der Gesetzgeber zuerst Umweltzonen geschaffen hat, ohne sich Gedanken über Nachrüstmöglichkeiten und Plakettenvergabe für solche Fahrzeuge zu machen. «Die haben das Pferd von hinten aufgezäumt.»

Andrea Gärtner vom ADAC empfiehlt betroffenen Wohnmobilhaltern, zunächst abzuwarten, bis die Plakettenverordnung geändert wurde. Danach sollte geprüft werden, ob eine Nachrüstung in Betracht kommt und sich finanziell lohnt, so CIVD-Experte Onggowinarso. Bevor eine Nachrüstung in Auftrag gegeben wird, sollte sich der Halter schriftlich bestätigen lassen, dass das Fahrzeug mit Nachrüstung tatsächlich die nötigen Werte zur Einstufung in die versprochene Plakettenkategorie erreicht, rät der ADAC. Bekommt das Fahrzeug trotz allem keine Plakette, bleibt dem Ha

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 77,19
Sie sparen: 46,80 EUR (38%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,89 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.