Diesel-SUV von Audi, BMW, Mercedes und VW im Vergleichstest Allrad Quartett

19.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Jetzt komplettiert der Audi Q7 das SUV-Angebot der deutschen Premiumliga. Nachdem die Ingolstädter das Feld jahrelang den Rivalen BMW X5, Mercedes ML und VW Touareg überlassen haben, wollen die Erfinder des quattro nun umso kräftiger mitmischen. Wer gewinnt den ersten Vergleich der Drei-Liter-Diesel?

Audi blickt voller Stolz auf eine 25-jährige Geschichte mit quattro-Modellen zurück, doch ein optisch eigenständiges SUV-Modell oder gar ein Geländewagen fehlte bislang im Programm. Der zurückhaltend gestylte Allroad quattro auf Basis des alten A6 Avant legte zwar ein beachtliches Klettertalent an den Tag fiel aber offensichtlich zu wenigen Käufern auf. Das dürfte sich mit dem brandneuen Audi Q7 sicherlich ändern. Die Mischung aus gewaltiger Größe (5086 Millimeter Länge) und markantem Design mit dem selbstbewusstem Singleframe-Grill verhilft dem Ingolstädter Neuling zu einem publikumswirsamen Auftritt. Wenn es ihm jetzt noch gelingt, die etablierten Konkurrenten BMW X5, Mercedes ML und VW Touareg mit inneren Werten und starken Fahrleistungen zu überbieten, könnte der Verkaufserfolg gesichert sein.

 

Karosserie

Das "Q" im Audi-Schriftzug steht symbolisch für Quattro, könnte aber auch mit Qualität und Quantität übersetzt werden. Das Auto baut technisch auf den eng verwandten Modellen Porsche Cayenne und VW Touareg auf, besitzt aber einen erheblich längeren Radstand als diese (3002 statt 2855 mm), woraus resultiert, dass die Passagiere im Q7 selbst auf der Rückbank noch fürstliche Platzverhältnisse vorfinden und sogar noch Raum für eine optionale dritte Sitzreihe (700 Euro) bleibt. Sind nur die ersten beiden Sitzreihen besetzt, protzt der Audi zudem mit gigantischen 775 Liter Stauvolumen. Jedoch muss das Gepäck hier über eine sehr hohe Ladekante gewuchtet werden. Bei der Verarbeitung punktet der Q7 mit hochwertigen Materialien und sauberen Passungen. Mindestens ebenso ansprechend präsentiert sich der Innenraum des BMW X5. Und bei der Verwindungssteifigkeit kann dem Münchner nach wie vor keiner etwas vormachen. Abstriche verlangt der Oldie im Vergleich indes beim Raumangebot. Sämtliche Sitzplätze sind knapper geschnitten als bei den Rivalen, und der Laderaum schluckt die wenigsten Koffer. Überdies fällt die effektive Zuladung des Testwagens rund zwei Zentner geringer aus als bei Audi und Mercedes.

Mehr zum Thema: Das große SUV & Geländewagen Special

Eine weitere Schlappe kassiert der Offroad-5er für seine auf 2,7 Tonnen limitierte Anhängelast. Die anderen drei Kandidaten dürfen volle 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Als sehr geräumig erweist sich auch der Mercedes ML, der Fahrer und Beifahrer beinahe genauso luftig beherbergt wie der Audi. Er besitzt den längsten Einstellbereich der Vordersitze, doch in der Innenbreite fehlen ihm fünf Zentimeter auf das Gardemaß des Bayern. Als Pluspunkt unter Sicherheitsaspekten werten wir das optional angebotene Pre-Safe-System, das im Falle einer drohenden Kollision die Gurte strafft, den Bremsassistenten in Bereitschaft versetzt sowie gegebenenfalls die Sitze in Position rückt und die Fenster schließt. Dem VW Touareg mangelt es an serienmäßigen Nebelscheinwerfern, Seiten-Airbags hinten gibt es gar nicht, und Gimmicks wie den Audi-Spurwechselassistenten side assist sucht man vergeblich. Dieses Feature signalisiert über gelbe Warnleuchten im Spiegelgehäuse, dass sich auf der benachbarten Spur ein Fahrzeug nähert - toter Winkel adé. Trotz der optionalen Luftfederung des Testwagens muss der niedersächsische Geländegänger zudem mit der niedrigsten Zuladung auskommen.

KarosserieMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Raumangebot vorn10092908481
Raumangebot hinten10091898478
Übersichtlichkeit7076777578
Bedienung/ Funktion10089888390
Kofferraumvolumen100100827766
Variabilität10051404333
Zuladung/ Anhängelast8061575244
Sicherheit15011011695111
Qualität/ Verarbeitung200174171168179
Kapitelbewertung1000844810761760

 

Fahrkomfort

Einzig der BMW X5 tritt mit der grundsätzlich straffen Abstimmung eines sportlichen Autos an, während seine Mitstreiter samt und sonders auf komfortables Abrollen ausgelegt sind. Am überzeugendsten präsentiert sich der luftgefederte ML bei der Fahrt über die Marterstrecken unseres Testgeländes. Einseitige Schläge, wie sie von Kanaldeckeln oder Gullis verursacht werden, steckt der Mercedes gelassener weg als die Rivalen. Zudem schmeichelt er seinen Insassen mit gutem Geräuschkomfort. Der VW verdient sich zwar laut Messwerten die meisten Zähler für seine moderaten Innengeräusche, jedoch belästigt er seine Passagiere mit lauten Fahrwerksgeräuschen und nervt ab 160 km/h mit Windlärm im Bereich der Vordertüren. Diese werden nämlich bei hohem Tempo vom Sog des Fahrtwinds aus den Dichtungen gehoben. Das gleiche Phänomen lässt auch der artverwandte Audi erkennen, wenngleich der Effekt hier deutlich abgemildert auftritt. Lange Bodenwellen regen den VW Touareg eher zu Pumpbewegungen an als den Q7, wogegen der VW Fugen und Teerkanten besser verdaut als der Audi. Auf Autobahnetappen weiß der luftgefederte Q7 mit der Comfort-Einstellung seiner Dämpfer zu überzeugen. Der Touareg indes wirkt im weichsten Dämpfermodus etwas torkelig. Abseits befestigter Straßen behält er dafür am längsten alle vier Räder am Boden. Für maximale Geländegängigkeit lässt sich der VW zudem mit einem entkoppelbaren Stabilisator an der Hinterachse (1910 Euro) ausrüsten. Das X5-Fahrwerk hat zu wenig Bodenfreiheit, es verdaut Gelände-Ausritte am schlechtesten.

FahrkomfortMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Sitzkomfort vorn150123122117125
Sitzkomfort hinten10080777673
Ergonomie150124118116120
Innengeräusche5029343630
Geräuscheindruck10062656063
Klimatisierung5039393635
Federung leer200146148137133
Federung beladen200144151142128
Kapitelbewertung1000747754720707

 

Motor und Getriebe

Inzwischen gehört es scheinbar zum guten Ton, dass ein Diesel-SUV der gehobenen Klasse deutlich über 200 PS leistet und bis zu 500 Nm Drehmoment bereitstellt. Dabei greifen die vier Probanden allesamt auf Sechszylinder-Aggregate mit drei Liter Hubraum zurück, die mit Common-Rail, vier Ventilen je Zylinder, Rußpartikelfilter und Piezo-Injektoren den aktuellen Stand der Technik zeigen. Unter den Hauben von Audi und VW arbeitet sogar weitestgehend derselbe Motor, die Steuerungselektronik im Q7 holt jedoch neun PS mehr heraus. Genau wie der Touareg leistet der ML-Antrieb 224 PS, entwickelt aber ein um zehn Nm höheres Drehmoment, das zudem bereits bei 1600 Touren anliegt. Der Reihensechser im BMW bescheidet sich mit 218 PS und erreicht sein Drehmomentmaximum erst bei 2000 Umdrehungen. Die Kraft wird bei allen vier Kandidaten mittels sechs- bzw. siebenstufiger (ML) Automatik an alle vier Räder weitergeleitet. Eine für ernsthaften Geländeeinsatz unerlässliche Getriebereduktion besitzt nur der Touareg serienmäßig. ML-Kunden können sie zumindest gegen Aufpreis (1914 Euro) mitbestellen. Audi und BMW verzichten komplett auf Kriechgänge und begnügen sich mit der Eignung für leichtes Gelände. Eigentlich konsequent für Fahrzeuge, die nur im Ausnahmefall wirklich im groben Geläuf unterwegs sein dürften. Vorteil: Das Getriebe baut kleiner, wiegt weniger und hat eine verringerte Reibung, was dem Kraftstoffverbrauch zugute kommt. Tatsächlich verbrennen der Q7 (11,7) und der X5 (11,6) im Test weniger Dieselöl als ML (12,1) und Touareg (12,6) für 100 Kilometer Fahrstrecke. Akustisch gehen die V6-Motoren von Audi und VW etwas knurrig zu Werke, wobei der Q7-Antrieb besser gedämmt wirkt. Der BMW hängt willig am Gas, scheut aber hohe Drehzahlen, der Mercedes stampft mit seinem gewaltigen Antritt unbeeindruckt jede Steigung hinauf.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Beschleunigung150147141133134
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15090857580
Getriebeabstufung10090878082
Kraftentfaltung5034333431
Laufkultur10079807978
Verbrauch325123119114124
Reichweite2533293030
Kapitelbewertung1000596574545559

 

Fahrdynamik

Der bullige CDI-Motor des Mercedes ML garantiert flotte Rundenzeiten auf dem Handling-Parcours, obwohl der Mercedes die mit Abstand langsamsten Kurvengeschwindigkeiten erlaubt. Zu früh greift seine Fahrdynamikregelung ein und nimmt ihm den Schwung. Dadurch wirkt er unhandlicher als die Wettbewerber trotz aufpreispflichtiger 19-Zoll-Räder. Seine Bremsanlage liefert aber die besten Resultate. Auch der BMW rollte auf kostenpflichtigen 19-Zöllern zum Test. Zwar erreicht er höhere Querbeschleunigungen, zeigt aber ein stur untersteuerndes Fahrverhalten, das ihn nahe des Grenzbereichs sehr sperrig wirken lässt. Seine zielgenaue und sensibel ansprechende Lenkung hingegen gilt immer noch als Referenz. Die Lenkung des VW operiert deutlich gefühlloser und benötigt größere Winkel: Deshalb verlangt die gezeitete Fahrt durch die Slalom-Gasse nach Kurbelei am Volant. Außerdem neigt sich der Wolfsburger in rasanten Kurven am stärksten zur Seite. Dennoch baut er immens viel Grip auf und erzielt unterm Strich beinahe dieselbe Rundenzeit wie der ML, obwohl seine Bremse im Test am schlechtesten abgeschnitten hat. Der Audi brilliert bei zügiger Fahrt mit einem neutralen Eigenlenkverhalten. Sein quattro-Antrieb hat ein zentrales Torsen-C-Differenzial, das die Kraft üblicherweise zu 60 Prozent an die Hinterräder leitet. Bei Bedarf variiert die Sperre die Momentenverteilung so, dass maximal 65 Prozent an die Vorderräder oder 85 Prozent an die hinteren Räder gelangen. Die Kraftaufteilung zwischen rechtem und linkem Rad regelt je ein elektronisches Differenzial per Bremseingriff. Im Ergebnis meistert der Q7 extreme Fahrmanöver mustergültig stabil, ohne stur geradeaus zu drängen oder mit dem Heck wegzurutschen, zumal sich das ESP nicht abschalten lässt. Die leichtgängige Lenkung arbeitet exakt und direkt.

FahrdynamikMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Handling15090868681
Slalom10046284038
Lenkung10083807485
Geradeauslauf5049464643
Bremsdosierung3019141621
Bremsweg kalt15010612697114
Bremsweg warm150120127110123
Traktion10085809085
Fahrsicherheit150135131129123
Wendekreis2069112
Kapitelbewertung1000739727699715

 

Umwelt und Kosten

Dass soviel Blech, Leistung, Technik und Image nicht zum Dumpingpreis angeboten wird, ist klar. Dennoch liefern die rund 2800 Euro Differenz zum Mercedes ein starkes Argument für den Kauf des VW. Allerdings kann sich der ML mit fairen Unterhaltskosten und Garantien rechtfertigen. Der Audi büßt wertvolle Punkte ein, weil sein Abgas die meisten Schadstoffe enthält. Der BMW lockt mit den niedrigsten Wartungskosten, verursacht aber hohe Versicherungsbeiträge.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Bewerteter Preis675289287295288
Wertverlust5040403740
Ausstattung2548484847
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5024272414
Werkstattkosten2041354042
Steuer1015151515
Versicherung4034333321
Kraftstoff5530292830
Emissionswerte2565726973
Kapitelbewertung1000586586589570

 

Fazit

Der Audi Q7 sticht bereits im ersten Schlagabtausch die gestandene Konkurrenz aus. Dank seiner geräumigen Karosserie, den flotten Fahrleistungen und der sehr guten Fahrdynamik zeigt er sich als Trumpfkarte im SUV-Segment. Selbst offroad schlägt er sich wacker. Der ebenso wirtschaftliche wie komfortable Mercedes ML belegt Rang zwei, der VW Touareg muss sich nach Punkten geschlagen geben - im Gelände ist er jedoch die erste Wahl. Auch der solide BMW X5 hat das Nachsehen, doch werden die Karten beim Debüt des Nachfolgers 2007 sicherlich neu gemischt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi Q7 3.0 TDIMercedes ML 320 CDIVW Touareg V6 TDIBMW X5 3.0d
Summe50003512345133143311
Platzierung1234

Zmarta Autokredit
Autokredit

Jetzt den günstigsten Autokredit finden

Tags:
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.