Alfa Romeo und BMW: Neuheiten bis 2014 Deutschland gegen Italien

14.09.2011

Ein David-Goliath-Duell mit Emotionen: die vielleicht wieder aufsteigende Kultmarke Alfa Romeo gegen die elegantsportliche Supermacht BMW

Alfa Romeo im Duell gegen BMW? Lächerlich? Unfair? Die über Jahrzehnte immer tiefer gestürzte Italo-Kultmarke ist tatsächlich nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie hat 2009 weltweit gerade noch 110.000 Autos verkauft, für 2010 wird es ähnliche Zahlen geben. Beim BMW-Konzern hingegen waren es im letzten Jahr über 1,4 Millionen Fahrzeuge einer immer größer und feiner werdenden Modellpalette.

Die Roten hatten in den letzten Jahren unter der Fiat-Regentschaft nicht mal bei ihren wenigen Modellen eine halbwegs glückliche Hand. Alfa Romeo GT? Das Sportcoupé wurde mangels Erfolg eingestellt. Der einst so aufregende Spider und der trotz seines Übergewichts einigermaßen coole Dreitürer Brera? Von Fans und Käufern kritisiert, jetzt gibt es sie nur noch für kurze Zeit in Restexemplaren. Und der ganz große Motorsport? Von Alfa keine Spur.

Andererseits: Der mittlerweile von vielen als Messias gefeierte Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne, der die Markengruppe wieder in Schwung, halbswegs profitabel und mit der Übernahme von Chrysler 200 Cabrio: Erste Bilder und Fakten viel größer machte, hat auch mit Alfa große Pläne. Der studierte Philosoph, Wirtschaftsprüfer und Jurist will die Marke zu einem „Premium-Vollanbieter“ entwickeln und den Absatz in Europa auf 360000 Einheiten steigern. Dabei hilft ihm als Technikchef ein kompetenter Deutscher: Harald J. Wester, Ex-Produktmanager bei VW und Audi, seit einiger Zeit auch Chef von Alfa Romeo und Maserati. „Alfa hat eine extrem hohe Strahlkraft“, sagt Wester (Interview auf Seite 20) und verweist auf die große Historie der italienischen Automarke.

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Die kennen wir natürlich auch. Als sie bei BMW im Jahr 1929 mit dem 3/15 PS DA 2-Wägelchen („Dixi“), einem Austin Seven-Lizenzbau, in Berlin die Autoproduktion begannen, offerierte Alfa schon sechszylindrige Sportwagen (6C 1750), die mit Kompressoraufladung bis zu 170 km/h schnell waren. Von den späteren Achtzylindermodellen (8C) oder den großen Formel-1-Siegen in den 50er-Jahren ganz zu schweigen.

Wester jedenfalls will Alfa „mit attraktiven Neuheiten“ wieder groß ins Gespräch bringen und mit Hilfe erprobter Chrysler-Technik auch gleich völlig neue Fahrzeugklassen besetzen. SUV-Modelle von Alfa! Sogar von einem aufregenden Spider ist wieder die Rede. Passende Alternativen zu BMW-Modellen? Urteilen Sie selbst.

Erstens: Mit dem neuen Alfa Romeo MiTo TCT im Fahrbericht hat Alfa schon mal einen netten Coup gelandet. Der 4,07 Meter kurze Frauenversteher ist die italienische Alternative zum Mini von BMW, ab 2013 gibt es ihn auch als familientauglichen Fünftürer. Seine äußerlichen Kennzeichen sind die nach hinten leicht verlängerte Dachpartie (mehr Kopffreiheit im Fond) und die dadurch geänderte Fenstergrafik. Zudem wird in Italien über ein zweisitziges MiTo Cabrio spekuliert – ab 2014.

Bei der BMW-Marke Mini lauern etablierte Konkurrenten auf die MiTo-Truppe. Der Dreitürer ist der Verkaufshit, der familienfreundliche Kombi Clubman das Pendant zum fünftürigen MiTo. Selbstverständlich hat Mini auch ein Cabrio, und zum Frühjahr 2012 startet der Roadster (siehe Bildergalerie). Bei den Motoren offerieren die Mini die volle Bandbreite: von 75 bis 211 PS, Diesel inklusive.

BMW selbst zeigt ab 2014 Flagge bei den Kleinwagen im Vier-Meter-Format. Dann nämlich starten die ersten Modelle des UKL-Projekts („untere Klasse“), den Anfang macht ein sportlicher Dreitürer mit Frontantrieb, gefolgt von einem etwas längeren, fünfsitzigen „Sport-Van“. Mittelfristig ist sogar ein kleiner Roadster (Z2) geplant, der aber mehr auf den Mazda MX-5 zielt.

Zur Kompaktklasse: Die Italiener bauen die Palette des 147er-Nachfolgers Giulietta aus. Neben den Turbodieseln mit 1,6 Liter Hubraum und 105 PS sowie 2,0 Litern (170 PS) wird jetzt auch eine 140-PS-Variante des Zweiliters offeriert. Den Sprint auf 100 km/h soll dieser 23.650-Euro-Diesel in 9,0 Sekunden erledigen: Spitze 205 km/h, EU-Verbrauch 4,5 Liter. Bei BMW trifft er auf die 210 km/h schnelle und 25.600 Euro teure 1er Limousine 118d mit 143 PS (null bis 100 km/h in 8,9 Sekunden), die auch nur 4,5 Liter nehmen soll. Zudem kommt im September der 1er-Nachfolger – zuerst als Fünftürer, der Dreitürer folgt im ersten Halbjahr 2012. Steilere Front, mehr Platz im Fond und weiterhin Heckantrieb – wir zeigen das Design.

Zum Italienisches Sportcoupé wird vorgestellt: Fans sollten fix zum Alfa-Händler gehen. Der kriselnde Karosseriespezialist Pininfarina, der das Coupé und den dazugehörigen Alfa Spider im Auftrag baute, hat nämlich die Fertigung beendet. Händler haben noch Restbestände. Empfehlenswert ist der drehfreudige und sparsame 1,8-Liter-Turbo. Schade: Im Gegensatz zum ebenfalls eingestellten Spider ist ein neuer Brera nicht in Sicht.

Der Brera verschwindet, doch sein BMW-Rivale, das gerade innen und außen geliftete BMW 1er Coupé mit neuen Farben, Sitzbezügen und Alu-Rädern, fährt natürlich weiter. Seine Power reicht bis zum 306-PS-Sechszylinder-Benziner.

Alfa-Hoffnung gibt es aber für den 159. Für 2012 ist seine Ablösung geplant, künftig soll er den traditionsreichen Namen Giulia tragen. Auch einen Kombi Giulia ST soll es geben. Die Technik mit quer eingebauten Motoren, McPherson-Vorderachse und Mehrfachlenkerachse hinten stammt aus dem Giulietta-Baukasten – mit größerem Radstand und angepasster Feder-Dämpfer-Abstimmung. Die Giulia hat wie alle künftigen Alfa ein Start-Stopp-System. In Planung sind auch ein Doppelkupplungsgetriebe und adaptive Dämpfer. Motoren? MultiAir-Benziner mit elektrohydraulischer Einlassventilsteuerung und weiterentwickelte Turbodiesel. Die Top-Power bringt ein neuer Pentastar-V6 von Chrysler. Hubräume und Leistungsstufen des vorerst als 3,6-Liter offerierten und 290 PS starken V6 werden angepasst. Benzin-Direkteinspritzung und Turboaufladung sind in Planung.

2012? Das gibt ein Klassentreffen, denn BMW zeigt schon im Januar 2012 auf der Detroiter Autoshow die neue 3er Limousine, die dann im März 2012 zu den Händlern rollt. Der Kombi Touring, der mit gewachsenem Ladevolumen stilistisch dem 5er Touring ähnelt, folgt im September. Und 2013 startet das erste GT-Modell der 3er-Reihe: mit höherer Karosse, einstellbarer Fondbank, großer Heckklappe und viel luxuriöser Ausstattung – der 3er fürs komfortable Reisen. Technisch nutzt der neue 3er den gleichen Baukasten wie die neue 1er-Reihe (Dezember), bei den Benzinern erscheint der im X1 debütierende Vierzylinder-Turbo.

Zurück zu Alfa: Der neue Alfa Romeo Spiderkommt 2013. Das rassige Design des Autos, das leichter und dynamischer werden soll als das Auslaufmodell, ist von der im letzten Jahr von Pininfarina gezeigten Studie Duettottanta inspiriert. Auch hier gilt die Gleichteilestrategie. Der offene Zweisitzer nutzt die C-Plattform der Giulietta. Als Rivale für den Spider kommt nur der BMW Z4 in Frage. Der aber ist in den letzten Jahren stark und teuer geworden. Aktuell leistet schon das 36.400 Euro kostende Basismodell sDrive23i satte 204 PS, das Topmodell 35is mit 340 PS kostet happige 57.000 Euro.

Ab zu Alfas heißen SUV-Themen. So ist auf Basis des Giulietta/Giulia-Baukastens (C-Plattform) ein Mazda Minagi Studie: Weltpremiere in Genf in Entwicklung, das bereits 2012 an den Start gehen wird. Der lifestyle-orientierte, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb erhältliche Softkraxler – rund 4,47 Meter lang – zielt auch auf den BMW X1.

Der ist 4,46 Meter lang und ab 27.600 Euro (150-PS-Benziner) zu haben. Exklusive Nachricht: BMW startet Mitte März das Topmodell xDrive28i motorisch völlig neu. Clou ist der 245 PS starke Zweiliter-Vierzylinder mit Turboaufladung, kombiniert mit Sechsgang-Handschaltgetriebe, gegen Aufpreis mit Achtgang-Automatik. Dieser 28i, bis zu 240 km/h fix, soll im Schnitt nur 7,9 Liter schlucken und in 6,1 Sekunden Tempo 100 erreichen. Der leichte Vierzylinder ersetzt den Reihensechser (258 PS), der im Verbrauch 1,5 Liter mehr nimmt und im 100-km/h-Sprint glatt 0,7 Sekunden verliert.

Alfa plant aber auch ein großes SUV, das ab 2014 erscheint. Das technische Rüstzeug liefert die auf Allradler spezialisierte Chrysler-Division Jeep, die dann das Auto in den USA baut. Zum Einsatz kommen Teile des Grand Cherokee, das Design wird natürlich eigenständig. Der große Offroader erhält V6-Benziner von Chrysler und Diesel aus Italien.

Klar, Alfas XL-SUV marschiert gegen den BMW X5, dessen Daten bekannt sind: Motoren von 245 bis 555 PS, Verkaufspreise von 54.500 Euro (xDrive30d) bis 106.400 Euro (X5 M). Das Nachfolgemodell des X5 kommt übrigens erst im Herbst 2013 auf den Markt.

Noch eine Alfa-Sensation: Obgleich Oberklassemodelle in der jüngeren Alfa-Historie nicht zu den Verkaufsrennern gehörten, lässt Konzernchef Marchionne ein neues Flaggschiff durchrechnen, das ab 2015 als Alfa 169 starten könnte. Zwei Technik-Szenarien gibt es: die Hinterradantriebs-Plattform des 2014 startenden, neuen Chrysler 300C oder die verkürzte Basis des neuen Maserati Quattroporte (2012), von dem es auch eine kleinere Sportlimousine (Zielpreis 70.000 Euro) geben soll.

Gegner bei BMW ist die elegante 5er-Reihe – ab Anfang 2012 auch als Benzin-Elektro-Hybrid erhältlich. Derzeit stehen elf Versionen beim Händler, zum Teil auch mit Allradantrieb: Benziner mit einem Spektrum von 204 bis 407 PS (ab 42.100 Euro), Diesel von 184 bis 300 PS (ab 40.350 Euro).

Gegen den Alfa-Schönling könnte bei BMW auch das für 2012 avisierte große, viertürige Audi RS3 Sportbackantreten. Es basiert auf der 5er-/7er-Technik (L6-Baukasten), ist fünf Meter lang, nur knapp 1,40 Meter hoch und in der stärksten Version über 400 PS stark.

Im Übrigen gibt es bei BMW natürlich noch viel mehr Modelle, die bei Alfa keine Entsprechung haben. Trotzdem ist Markenchef Wester optimistisch, und von einem Verkauf der italienischen Marke an den VW-Konzern, eine Zukunftsidee von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, will er nichts hören: „Das ist kein Thema – und darüber redet bei uns niemand.“
Wolfgang Eschment, Stefan Miete

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