Alfa Romeo Stelvio/Audi Q5/Porsche Macan: Test Stelvio im ersten Test gegen Q5 und Macan

von Michael Godde 22.08.2017
Inhalt
  1. Test: Alfa Stelvio tritt gegen Q5 und Macan an
  2. Beim Fahrkomfort kann der Stelvio nicht mithalten
  3. Motor/Getriebe: Punktsieg für den Stelvio
  4. Beste Fahrdynamik im Porsche Macan
  5. Umwelt/Kosten: Stelvio fast so teuer wie der Q5

Test: Das Scudetto hat sich mit einer emotionalen Mittelklasse zurück ins Rampenlicht katapultiert. Mit dem Alfa Romeo Stelvio folgt jetzt ein SUV. Wie gut der neue Allradler ist, muss er im ersten Vergleich gegen die etablierten Konkurrenten Q5 und Macan beweisen.

Die SUV sind das Schweizer Messer der Automobilindustrie: Die hohe Sitzposition verschafft eine gute Übersicht, der variable Innenraum mit Kombiheck erfüllt nahezu alle Transportaufgaben, ordentliche Federwege sorgen für guten Komfort, und mit Allradantrieb sowie erhöhter Bodenfreiheit sind sie auch noch dort einsatzfähig, wo andere Fahrzeuge aufgeben. So wie das Multifunktionswerkzeug den Weg in fast jeden Haushalt gefunden hat, so erobern SUV die Garagen der Republik. Die Hersteller profitieren davon: Der Macan ist Topseller der Schwaben, und auch der Q5 lässt bei Audi die Kassen klingeln. Die hohen Einstiegspreise sorgen für gute Erträge. Daran will auch Alfa Romeo endlich teilhaben und legt sein neues Multitool Stelvio in die Auslage. Ob das italienische SUV mehr zu bieten hat als Audi Q5 oder Porsche Macan, klärt der Vergleichstest.

Der Alfa Romeo Stelvio im Video:

 
 

Test: Alfa Stelvio tritt gegen Q5 und Macan an

Der Stelvio bietet vor allem mehr Platz. Im Alfa Romeo sind die Sitze weiter in die Fahrzeugmitte gerückt – dass schafft ein angenehm luftiges Raumgefühl mit viel Bewegungsfreiheit für die Ellbogen. Im Audi und im noch schmaler geschnittenen Porsche kommen die Insassen schneller mit Tür und Dacheinzug in Kontakt – das gilt auch für den Fond. Die großzügige Beinfreiheit im Fond des Alfa geht zu Lasten des Ladevolumens bei aufgestellter Fondlehne. Jedoch bietet hier nur der Audi geringfügig mehr. Legt man die Lehne um, glänzt auch der Stelvio mit bis zu 1600 Litern – immerhin 50 Liter mehr als der Audi und gar 100 Liter mehr als der Porsche. Zudem zeigt sein von der Ladekante bis zu den Vordersitzen eben verlaufender Ladeboden, dass die Funktionalität bei Alfa einen höheren Stellenwert in der Entwicklung erhalten hat. In Q5 und Macan liegt die Ladekante deutlich höher als der Kofferraumboden, wodurch das Herausziehen sperriger Gegenstände erschwert wird. Auch bei der Bedienung bleibt Alfa sachlich und orientiert sich per zentralem Dreh-Drück-Steller am mustergültigen Bediensystem von BMW. Allerdings bleiben einzelne Menüpunkte dennoch ohne Rat aus der Bedienungsanleitung im Dunkeln. Selbst das komplexere System des Q5 mit deutlich mehr Menütiefe lässt sich intuitiver erkunden. Zudem nutzt nur Audi die einfache Art, über das Touchpad Navigationsziele oder Telefonnummern per Fingerstrich einzugeben. Porsche dagegen setzt auf eine Kombination aus Touchscreen und einer mit Tasten übersäten Mittelkonsole. Das verlangt vom Fahrer insbesondere während der Fahrt mehr Aufmerksamkeit als in Alfa und Audi. Während beim Macan und beim Q5 die Systeme jederzeit stabil und schnell arbeiten, bleibt beim Stelvio während der Routenführung schon mal der Kartenaufbau hängen – ärgerlich bei unübersichtlichen Verkehrssituationen. Auch die Grafik, die farblich keinen Unterschied zwischen Land- und Bundesstraßen oder Autobahnen macht, wirkt im Vergleich zu den hochwertigen Darstellungen der Konkurrenz überholt. Bei der Sicherheitsausstattung ist der Stelvio mit dem Macan dann wieder auf Augenhöhe. Allerdings fehlen dem Italiener und dem Schwaben unter anderem Assistenten, die den Querverkehr erkennen und Staufolgefahrten ermöglichen. Der Audi offeriert hier mehr. Deshalb und dank der makellosen Verarbeitung sichert sich der Q5 den ersten Kapitelsieg vor dem neuen Italiener.

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Stelvio bietet vorbildlichen Schutz

 

Beim Fahrkomfort kann der Stelvio nicht mithalten

Die Sorgfalt, mit der sich Audi der Verarbeitungsqualität hingibt, lassen die Bayern auch der Fahrwerksabstimmung zukommen. Der Q5 bleibt unter allen Umständen trotz der 20-Zoll-Räder beeindruckend souverän. Auf Kanten, Wellen oder Schlaglöchern präsentiert er sich immer eine Spur gelassener als der ebenfalls mit optionaler Luftfederung ausgestattete Macan. Wie der Audi zeigt auch der mit 21-Zöllern bestückte Porsche ein ausgesprochen feinfühliges Ansprechverhalten. Lediglich die Grundnote ist spürbar mehr auf Sport getrimmt als beim Audi, dessen komfortables Set-up eine Spur besser in den Alltag passt. Dem Alfa fehlt im Vergleich das sensible Ansprechverhalten der beiden deutschen SUV. Auf holprigen Pisten kommt der Südländer schon mal ins Stuckern. Mit steigender Zuladung bessert sich das Ansprechen der Federelemente allerdings ein wenig. Das optionale adaptive Dämpfersystem war im Alfa-Testwagen übrigens nicht eingebaut. Den Seriensitzen des Alfa Romeo fehlt der feste Halt der optionalen Porsche-Sportsitze und auch der gediegene Langstreckenkomfort der ebenfalls aufpreispflichtigen Sportsitze des Audi. Allerdings haben die Italiener durchaus Sportsitze mit stark ausgeprägter Kontur im Programm – aber auch diese hat unser Testwagen nicht. Zur Verbesserung der Geräuschdämmung lässt sich in der Alfa- Preisliste kein Extra finden. Porsche und Audi sind nicht zuletzt dank Doppelverglasung vor allem bei hohem Tempo deutlich leiser unterwegs als der Stelvio.

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Motor/Getriebe: Punktsieg für den Stelvio

Das fehlende Engagement bei der Abstimmung für ein sensibles Fahrwerks-Set-up gleicht Alfa mit einem leidenschaftlich spritzigen Antriebsstrang aus. Der Stelvio fördert nicht nur gierige 28 PS und füllige 30 Newtonmeter mehr Drehmoment aus seinen Brennräumen als Q5 und Macan, sondern er wiegt auch noch über 100 Kilogramm weniger als die beiden Rivalen. Und diese Gleichung geht zugunsten des Italieners voll auf: Er sprintet von null auf Tempo 100 in nur 5,5 Sekunden. Schon hier hinken die beiden deutschen SUV mit über einer halben Sekunde chancenlos hinterher. Der Vierzylinder des Italieners hängt dabei in allen Drehzahlbereichen gieriger am Gas und legt auch oberhalb von 100 km/h noch mächtig nach. Bei Tempo 180 ist der Alfa dem Q5 mit über zwei und dem Macan mit über vier Sekunden Vorsprung bereits davongefahren. Dass der Porsche zudem auch noch den höchsten Testverbrauch auf seinem Konto verbucht, enttäuscht. Der Audi benötigt mit neun Litern pro 100 km 1,2 Liter weniger als der Macan – der Stelvio 0,9 Liter. Unterm Strich sichert sich der Italiener hier seinen ersten Kapitelsieg ganz knapp vor dem Audi und souverän vor dem Porsche.

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Q5 mit gutem Crashtest-Resultat

 

Beste Fahrdynamik im Porsche Macan

Auch wenn es dem Macan mit Vierzylinder-Turbo am nötigen Biss fehlt, so ist er auf dem Handlingparcours nicht zu schlagen. Er fährt in seiner eigenen Liga. Das auf Dynamik getrimmte Fahrwerks-Set-up macht das SUV ab dem ersten Einlenkpunkt zum Sportwagen. Der Porsche nimmt so viel Geschwindigkeit mehr mit in die Kurve, dass er den Rückstand, den er auf der Geraden noch hatte, schon am ersten Scheitelpunkt aufgeholt hat. Dabei bietet er ein intensives Feedback, folgt jedem Richtungswunsch seines Fahrers spontan, begeistert mit ultimativer Präzision, bleibt stoisch in der Spur und besticht mit Verzögerungswerten auf Supersportwagenniveau. Trotz seiner zurückhaltenden Motorleistung hat er seine Konkurrenz daher schon nach einer Runde düpiert. Der Alfa kann dieses Tempo nicht mitgehen, beeindruckt aber dennoch mit seinem sicheren Fahrverhalten. Lediglich die zu leichtgängige Lenkung sorgt für Unruhe beim Einlenken. Dem Audi fehlt dagegen die Balance. Er drückt stärker über die Vorderachse nach außen und zeigt bei Lastwechseln eine Tendenz zum Übersteuern. Das beim Italiener nicht abschaltbare ESP wiederum bremst diesen in der Slalomgasse etwas ein. Die dadurch vergebenen Punkte kann er selbst mit seinen guten Warmbremswerten gegenüber dem Q5 nicht mehr ausgleichen. Mehr zum Thema: Der neue Stelvio stellt sich dem Q5

 

Umwelt/Kosten: Stelvio fast so teuer wie der Q5

Wie Audi und Porsche will auch Alfa mit dem Stelvio Geld verdienen, was der stolze Basispreis von 49.000 Euro unmissverständlich klar macht. Damit ist er nur 900 Euro günstiger als der Q5. Der Macan spielt mit einem Einstiegspreis von 56.264 Euro wie bei der Fahrdynamik allerdings in einer eigenen Liga. Während es für den Stelvio noch keine Online-Anbindung gibt, bieten Audi und Porsche ein zeitgemäßes Multimediasortiment an. Und so entpuppt sich der Q5 in diesem Kapitel als das attraktivsten Angebot.

Technische DatenAlfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo Q4
Motor4/4, Turbo
Hubraum1995 ccm
Leistung280 PS
Maximales Drehmoment400 Nm
Getriebe8-Stufen-Automatik
AntriebAllrad, permanent
0-100 km/h5,5 s
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Leergewicht1660 kg
L/B/H in mm4687/1903/1648
Kofferraum525-1600 l
Testverbrauch9,3 l S/100 km
Grundpreis49.000 Euro
Testwagenpreis49.900 Euro
Platzierung3
Technische DatenPorsche Macan
Motor4/4, Turbo
Hubraum1984 ccm
Leistung252 PS
Maximales Drehmoment370 Nm
Getriebe7-Gang-Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanent
0-100 km/h6,4 s
Höchstgeschwindigkeit229 km/h
Leergewicht1770 kg
L/B/H in mm4692/1926/1609
Kofferraum500-1500 l
Testverbrauch10,2 l S/100 km
Grundpreis56.264 Euro
Testwagenpreis67.374 Euro
Platzierung2
Technische DatenAudi Q5 2.0 TFSI quattro
Motor4/4, Turbo
Hubraum1984 ccm
Leistung252 PS
Maximales Drehmoment370 Nm
Getriebe7-Gang-Doppelkupplung
AntriebAllrad, permanent
0-100 km/h6,3 s
Höchstgeschwindigkeit237 km/h
Leergewicht1720 kg
L/B/H in mm4663/1893/1659
Kofferraum550-1550 l
Testverbrauch9,0 l S/100 km
Grundpreis49.900 Euro
Testwagenpreis54.580 Euro
Platzierung1

von Michael Godde von Michael Godde
Unser Fazit

Alfa Romeo hat mit dem Stelvio 2.0 Turbo Q4 den richtigen Weg eingeschlagen. Das SUV punktet nicht nur mit viel Platz, sondern demonstriert mit seinem leistungsbereiten Antriebsstrang gegenüber Audi und Porsche Stärke. Dennoch bleibt nur der dritte Rang. Als Sieger verlässt der Audi Q5 2.0 TFSI quattro den Platz. Er bringt den gelungenen Fahrkomfort mit, der dem Stelvio fehlt. Zudem überzeugt er mit seiner umfassenden Sicherheitsausstattung und einer souveränen Verarbeitung. Der Porsche Macan positioniert sich dazwischen. Er ist fahrdynamisch unschlagbar und leistet sich dennoch keine Schwächen beim Komfort. Der hohe Preis und der verhaltene Antrieb verhindern aber ein besseres Ergebnis.

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