Neue Giulietta im Vergleich der Kompaktsportler Alfa Giulietta, BMW 1er, Opel Astra, VW Golf

27.07.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ein attraktives Kleid, aktuelle MultiAir-Technik darunter und ein hoher Qualitätsanspruch: Mit der neuen Giulietta will Alfa Romeo die deutschen Platzhirsche in der sportlichen Kompaktklasse durcheinanderbringen

Es soll mehr als eine flüchtige Urlaubsbekanntschaft werden. Nach dem Willen von Alfa Romeo sollen möglichst viele deutsche Kunden dem Charme der neuen Giulietta dauerhaft erliegen. Zum 100. Geburtstag der Mailänder Marke schenken sich die Italiener ein komplett neues Modell in der Kompaktklasse, dessen Plattform die Basis für weitere Fahrzeuge im Fiat-Konzern sein wird. Im Test tritt der schicke Alfa mit dem 170 PS starken 1,4-Liter-Turbomotor an, dessen eigenwillige hydraulische Ventilsteuerung auf den Namen MultiAir hört.

Das serienmäßig gut ausgestattete Paket gibt es ab 22.400 Euro. Auf deutscher Seite stehen der Giulietta der gleich starke, mit einem Basispreis von 27.150 Euro aber wesentlich teurere BMW 120i, der neue Opel Astra 1.6 Turbo mit satten 180 PS und dem niedrigen Einstiegspreis von 22.100 Euro sowie der allgegenwärtige Klassenprimus VW Golf 1.4 TSI (160 PS) für 22.825 Euro gegenüber. Alle drei wollen mit eher bodenständigen Tugenden von den Reizen der schönen Südländerin ablenken. Ob ihnen das gelingt?

 

Karosserie

Messwerte und subjektives Raumgefühl sprechen nicht immer eine gemeinsame Sprache, so beim BMW. Im von außen schmalen 1er ergibt die kluge Gestaltung der Türinnenschalen eine anständige Ellenbogenfreiheit. Mit dem großzügigen Raumgefühl in Alfa, Opel und VW kann er aber nicht mithalten. Auch die angenehme Kopffreiheit der drei Konkurrenten sucht man im BMW vergebens. Im Fond ein ähnliches Bild, hier schwächelt aber auch der Alfa. Nicht nur ausgesprochen Großgewachsene haben in der Giulietta Dauerkontakt mit dem Dachhimmel.

Vorbildfunktion übt hier der kantig aufgebaute VW Golf 1.4 TSI im Vergleichstestaus. Er bietet dank großer Türausschnitte auch den leichtesten Einstieg in den Fondbereich. Mit 350 Liter Standard-Gepäckvolumen liegt der Alfa auf Golf- Niveau, nur der Astra offeriert mehr Platz fürs Gepäck. Maximal schluckt der Italiener lediglich 1045 Liter. Mehr verkraftet selbst der BMW (1150 Liter), Primus ist der Golf mit 1305 Litern. Als einziger bietet der Astra einen einstellbaren Ladeboden für 90 Euro extra, Giulietta und Golf punkten mit serienmäßiger Durchladevorrichtung in der asymmetrisch geteilt umklappbaren Rücksitzlehne.

Die bei umgelegten Lehnen entstehende hohe Stoßkante im Ladeboden des Golf erschwert das Durchschieben sperriger Gepäckstücke. Dabei verdaut der VW mit 483 kg die höchste Zuladung, knapp dahinter liegt der Opel (474 kg). Die optisch ansprechende Karosserielinie des Alfa Romeo bringt eine nur mittelmäßige Übersichtlichkeit mit sich. Auch lassen die Scheibenwischer einen auffallend breiten Streifen auf der Fahrerseite unangetastet. Die neu strukturierte Bedienung im Cockpit verlangt Gewöhnung und ein Studium der Bedienungsanleitung.

Intuitiv lässt sich allein der VW Golf bedienen – da bildet auch das aufpreispfl ichtige Navigationssystem keine Ausnahme. Der Wolfsburger macht sich weiterhin mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung beliebt. Nur er besitzt serienmäßig einen Fahrerknie-Airbag und optional auch Seiten-Airbags im Fond. Aktive Kopfstützen, automatische Warnblinker bei starkem Abbremsen, Tagfahrlicht und eine Berganfahrhilfe führt der Alfa Romeo serienmäßig mit sich, optional aber keine ausgefallenen Extras wie Frontkamera, Fernlicht- oder Spurassistent. Diese gibt es nur im Opel Astra – gegen Aufpreis.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Raumangebot vorn10070707056
Raumangebot hinten10058554847
Übersichtlichkeit7038353439
Bedienung/ Funktion10090857884
Kofferraumvolumen10030322726
Variabilität10030343028
Zuladung/ Anhängelast8033342826
Sicherheit15095888189
Qualität/ Verarbeitung200185178175183
Kapitelbewertung1000629611571578

 

Fahrkomfort

Die bequemen Polster, die hohen Lehnen und der große Einstellbereich der Vordersitze im Alfa überraschen positiv. Dennoch lässt sich nur schwer eine angenehme Sitzposition finden. Besonders Großgewachsene vermissen eine dauerhaft entspannte Haltung und ausreichend Schenkelauflage. Die bietet der schmale Sportsitz (580 Euro) im BMW 120i im Vergleichstest und vor allem der Komfortsitz (500 Euro) im Opel Astra. Letzterer darf als nahezu perfekt angesehen werden. Im Fond fehlt es den Alfa-Polstern an Konturierung, zudem begrenzt der seitliche Dacheinzug – wie auch im BMW – die Kopffreiheit.

In der zweiten Sitzreihe kann dafür der Golf voll und ganz überzeugen, selbst auf langen Strecken. Auffallend: Nur der VW bietet im Fond vollwertige Kopfstützen mit sinnvollem Einstellbereich. Deutliche Unterschiede ergeben sich beim Federungskomfort. Der straff abgestimmte BMW rollt laut ab und leitet jede Unebenheit klar an die Insassen weiter. Fahrwerksgeräusche kennt er aber nicht. Die nutzt der Alfa auf Querfugen oder Kanaldeckeln als Kommunikationsmittel. Kopfsteinpflaster verursacht Vibrationen im Aufbau. Die Grundabstimmung der Giulietta ist aber weicher als die des BMW. Den besten Federungskomfort auf Schlaglöchern jeder Art offeriert der leise abrollende Astra. Nur Querfugen machen der Hinterachse zu schaffen. Der etwas straffere VW Golf landet auf Rang zwei.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Sitzkomfort vorn150121135118128
Sitzkomfort hinten10072646260
Ergonomie150132125118118
Innengeräusche5028281220
Geräuscheindruck10068696463
Klimatisierung5034323223
Federung leer200137140130125
Federung beladen200136139128123
Kapitelbewertung1000728732664660

 

Motor und Getriebe

Konsequentes „Downsizing“, das Reduzieren von Hubräumen also, prägt die neuen Motorengenerationen in der Kompaktklasse. Gerade 1,4 Liter klein sind die Vierzylinder von Alfa (170 PS) und VW (160 PS), der leistungsstärkere Opel-Motor (180 PS) besitzt 1,6 Liter Hubraum. Allen gemein ist eine Form der Aufladung. Alfa und Opel setzen auf Turbolader, VW ergänzt den Lader durch einen Kompressor, der zusätzlich im unteren Drehzahlbereich für mehr Schub sorgt. Die Italiener bringen dazu ihre hydraulische und vollvariable Einlassventilsteuerung (MultiAir) zum Einsatz. Dieses System kommt ohne Einlassnockenwelle aus. Nur BMW favorisiert einen 170 PS starken Zweiliter-Sauger, der 1er muss sich dafür aber mit einem etwas geringeren Drehmoment begnügen.

Dafür knausert der 120i beim Benzinverbrauch, dicht gefolgt vom VW Golf. Der Alfa kann sich auf unserer Testrunde nicht als Spritsparer profilieren, ebenso wenig der Opel Astra. Der Rüsselsheimer liegt mit 9,4 l/100 km 1,7 Liter über dem BMW, auch der Alfa verlangt pro 100 Kilometer 1,6 Liter mehr Super als der 1er. Die Italienerin bleibt bei der Beschleunigungsmessung vier Zehntelsekunden hinter der Werksangabe zurück. Statt 7,8 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 benötigt sie im Test 8,2 Sekunden.

Spitzenreiter ist hier – auch dank bester Traktion – der Golf mit 7,8 s. Die Kraftentfaltung des Alfa-Turbos gefällt nur in der „Dynamic“- Stellung der serienmäßigen D.N.A.-Steuerung. Und nur dann steht die Overboost-Funktion mit einem auf 250 Nm erhöhten Drehmoment zur Verfügung. Das D.N.A.-System beeinflusst – ähnlich wie die Opel FlexRide-Lösung (930 Euro) – dreistufig die Antriebscharakteristik. Im Opel wird aber auch die Dämpferhärte verändert. Der Alfa bezieht die Arbeitsweise der elektronischen Differenzialsperre mit ein.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Beschleunigung150118114115116
Elastizität10078777676
Höchstgeschwindigkeit15068696671
Getriebeabstufung10080787786
Kraftentfaltung5038292732
Laufkultur10071626368
Verbrauch325232203205235
Reichweite2512101112
Kapitelbewertung1000697642640696

 

Fahrdynamik

Mit den ingesamt kürzesten Bremswegen sichert sich die Giulietta wertvolle Punkte. Allerdings vertraut sie dabei auf die breite 18-Zoll-Optionsbereifung. Kaum schlechter setzt sich der VW Golf in Szene. Auch er tritt – wie BMW und Opel – mit aufpreispflichtigen 17-Zöllern an. Der Alfa kann den Reifenvorteil auch im Slalom umsetzen und erreicht die höchste Geschwindigkeit zwischen den Pylonen. Die wie einzementierte Hinterachse bleibt bei den zehn schnellen Lastwechselschwüngen immer in der Spur – eine Eigenart, die auf dem Handlingkurs aber auch zu Nachteilen führt: An der Haftgrenze beginnt der Alfa stur über die Vorderräder zu schieben, eine Korrektur ist auch über einen provozierten Lastwechsel nicht mehr möglich.

Die Abstimmung des immer aktiven VDC (ESP) ist grundsätzlich jedoch gelungen. Bei deaktiviertem ESP lenkt das Heck des Golf auf Wunsch sanft mit. Eine Übung, die weniger versierte Fahrer im Opel Astra mit einem Dreher beenden. Selbst mit aktivem ESP dreht das Opel-Heck überraschend stark ein. Den auch ohne DSC (ESP) spielerisch leicht zu beherrschenden BMW bremsen lediglich seine schmalen Reifen ein. Lenkung und Fahrwerk können wesentlich mehr.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Handling15071716969
Slalom10068687563
Lenkung10081807982
Geradeauslauf5038383836
Bremsdosierung3020181819
Bremsweg kalt15078808583
Bremsweg warm15092839278
Traktion10042374040
Fahrsicherheit150131120129125
Wendekreis2015111116
Kapitelbewertung1000636606636611

 

Umwelt und Kosten

Das Münchner Selbstvertrauen muss riesig sein. Der BMW 120i ist mit 27.150 Euro Grundpreis nicht nur rund 5000 Euro teurer als seine Mitstreiter, sondern auch noch karg ausgestattet. Selbst eine Klimaanlage ist bei dem Bayern in dieser Preisregion nicht automatisch serienmäßig an Bord. Die gibt es bei Alfa, Opel und VW ohne Aufpreis. Für den vernünftig eingepreisten Golf in der Comfortline-Ausstattung verlangt VW nur für eine Metalliclackierung 495 Euro extra, selbst Leichtmetallräder (16 Zoll) sind hier Serie. Die Giulietta punktet dafür mit den besten Emissionswerten und einem niedrigen Grundpreis. Warum die Italiener eine nur acht Jahre andauernde Rostschutzgarantie geben, bleibt ein Rätsel. Standard ist in diesem Testumfeld eine zwölfjährige Garantie gegen den Rostteufel.

Während BMW (über seine Händler) im Schadensfall fünf Jahre lang Mobilität garantiert und VW sogar unbegrenzt, bleibt Opel neuerdings bei einem Jahr Mobilitätsgarantie. Die geringen Testverbräuche von 120i und Golf verursachen ebenso niedrige Kraftstoffkosten. Der VW gefällt den Deutschen auch gebraucht. Er holt weitere Punkte dank seines niedrigen Wertverlusts nach vier Jahren. Kaum schlechter schätzt die DAT den Astra ein. Zumindest prozentual fällt der Verlust beim Alfa bei vierjähriger Haltedauer und 80.000 Kilometern hoch aus. Und auch die vom ADAC relativ üppig geschätzten Werkstattkosten für den Alfa müssen sich in der Praxis noch bestätigen.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Bewerteter Preis675234240237203
Wertverlust5025242320
Ausstattung25201172
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028171720
Werkstattkosten2017141216
Steuer109999
Versicherung4033353230
Kraftstoff5538343438
Emissionswerte2584878883
Kapitelbewertung1000488471459421

 

Fazit

Am VW Golf führt kein Weg vorbei. Sein ausgewogenes Karosserie- und Bedienkonzept, der gute Komfort, ein sparsamer, kraftvoller Antrieb sowie die attraktive Kostenbilanz lassen den Golf gewinnen. Ihm folgt der starke, aber leider nicht sparsame Opel Astra. Bester Fahrkomfort und ein günstiger Einstiegspreis sichern ihm Rang zwei. Alfa Romeo und BMW liegen nahezu punktgleich auf den Plätzen drei und vier. Die attraktive Giulietta kann nur bedingt überzeugen, etwa beim Bremsen und im Slalom. Schwächen zeigt sie in der Bedienung, der Ergonomie und beim begrenzten Platzangebot im Fond. Der ausgesprochen sparsame BMW leidet unter seinem mäßigen Federungskomfort, der knappen Serienausstattung und dem hohen Grundpreis.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.4 TSIOpel Astra 1.6 TurboAlfa Romeo Giulietta 1.4 16V TBBMW 120i
Summe50003178306229702966
Platzierung1234

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