Alfa Romeo & BMW: Neuheiten-Vergleich! Herz und Nieren

Inhalt
  1. Alfa Romeo: Modelloffensive bis 2018
  2. Alfa Romeo: neue Giulia mit Hinterradantrieb
  3. Alfa Romeo: zwei neue SUV bis 2018

Mit der neuen Giulia will Alfa Romeo wieder Emotionen wecken und eine Modelloffensive starten. Sie zielt auf den Branchenprimus BMW. Wie stehen die Chancen? Neuheiten im Vergleich

Zu den nützlichen Errungenschaften des Internets gehört Wikipedia. Die gescheite Seite des elektronischen Paralleluniversums weiß so allerhand. Wer etwa Erhellendes zum Thema Alfa Romeo sucht, erfährt: „Alfa Romeo ist ein zum Fiat-Konzern gehörender Automobilhersteller, der bis 1986 eigenständig war. Im Konzern ist Alfa Romeo neben Lancia als Marke für gehobene Ansprüche angesiedelt, die im Unterschied zu ihrer Schwestermarke sportlich orientiert ist.“ Dieser Steckbrief würde auch als Vorlage für einen Nachruf taugen.

 

Alfa Romeo: Modelloffensive bis 2018

Lancia, die im Konzern fürs Komfortable zuständige „Schwestermarke“, wird auf den kleinen Ypsilon reduziert, und auch Alfa hielt sich zuletzt mit lediglich zwei nennenswerten Baureihen mehr schlecht als recht über Wasser. MiTo und Giulietta als Polo-und Golf-Konkurrenten, dazu noch der sportliche, aber volumenmäßig unbedeutende 4C (4000 Einheiten jährlich). Das war’s. Oft machte jene Geschichte die Runde, wonach mit einer baldigen Alfa-Modelloffensive zu rechnen sei. Flankiert allerdings von einer neuen Schwestermarke namens Audi – also unter VW-Kommando.

Inzwischen aber scheint es, der Abgesang auf den romanischen Traditionshersteller erfolgte zu früh. Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne und Entwicklungsvorstand Harald Wester sind nämlich wild entschlossen, dem Scudetto so viel neuen Glanz zu verleihen, dass dessen Strahlen noch jenseits der Alpen im BMW-Hauptquartier zu sehen sein sollen. Fast fünf Milliarden Euro wollen die Top-Manager in die Marke pumpen. Der Absatz soll sich bis 2018 auf 400.000 Stück fast verfünffachen. Wie das gehen soll und welche Modelle geplant sind, zeigt unser Vergleich mit BMW, dem amtierenden Marktführer unter den Premiumherstellern.

Bei den Roadstern geht Alfa in Vorlage. Bereits im Frühjahr startet die offene Version des erwähnten Alfa Romeo 4C. Während sich der neue Spider technisch am bekannten Coupé orientiert – für Vortrieb sorgt ein 240 PS starker 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbo –, besteht das Haupt nicht aus einem starren Dach, sondern aus einem herausnehmbaren Verdeckteil aus Stoff. Wegen zusätzlicher Versteifungen klettert das Gewicht um rund 60 Kilo, bleibt in der Summe aber noch unter einer Tonne.

Der gut 250 km/h schnelle Spider dürfte in rund 4,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten und für rund 53.000 Euro zu haben sein. Während BMW bereits intensiv am neuen Z4 arbeitet, fahren die Alfisti eine Doppelstrategie. Für 2016 steht ein weiterer Spider auf dem Programm – mit doppelt aufgeladenen Vierzylindern und standesgemäßem Hinterradantrieb. Interessant: Der ursprünglich geplante Alfa-Zwilling auf Basis des neuen Mazda MX-5 ist vom Tisch. Das Thema wird an Fiat durchgereicht, wo ein knackig-leichtes Spaßmobil herzlich willkommen sein dürfte.

Doch auch BMW braucht Partner, denn die Stückzahlen der sportlichen Zweisitzer sind relativ gering. So wird der künftige BMW Z4 gemeinsam mit Toyota entwickelt (GT86-Nachfolger), geht stilistisch aber einen eigenen Weg. Während sich BMW beim neuen Z4 (2017) zunächst mit dem Cabrio aus der Deckung wagt, wollen die Japaner zuerst das Coupé lancieren. Mit dem Modellwechsel kehren die Bayern zum klassischen Stoffverdeck zurück – auch, um bei vergleichbaren Abmessungen das Kofferraumvolumen zu erhöhen.

Es bleibt bei Antrieben mit Vier- und Sechszylindern und der Staffelung vom Z4 sDrive18i bis zum Z4 sDrive35i. Ein Plug-in-Hybrid wäre technisch möglich, gilt aber wegen der typischen Zweitwagenrolle des Z4 als unwahrscheinlich. Auch eine M-Version ist anfangs nicht geplant. Dafür steht aber der Allradantrieb auf der Optionsliste. Und noch ein Novum: Der Z4 soll billiger werden. Aktuell beginnt die Preisliste bei 34.250 Euro.

 

Alfa Romeo: neue Giulia mit Hinterradantrieb

Exakt auf den BMW 3er zielt die neue Alfa Giulia, die am 24. Juni in Arese bei Mailand enthüllt werden soll, mit rund 4,65 Metern dem handlichen Klassenformat entspricht und wegen der skulptural gestalteten Front sofort als Alfa wahrgenommen werden dürfte. Marktstart: Ende 2015. Die neue Giulia basiert – wie andere künftige Modelle auch – auf einer komplett neuen, längs variablen Plattform mit Hinterradantrieb, die auch bei einer neuen Oberklasselimousine zum Einsatz kommt, die den Traditionsnamen Alfetta tragen könnte und mit dem BMW 5er konkurrieren soll.

Von beiden Modellen  sind  zudem  Kombi-Varianten („Sportwagon“) in Planung. Allesamt sollen sie im Fiat-Werk Cassino gebaut werden. Kraftvolles Herzstück beider Baureihen werden in Zusammenarbeit mit Ferrari entwickelte V6-Benziner sein, deren Leistungsspanne bis 500 PS reicht. Die 3,0-Liter-Turbodiesel bringen es auf bis zu 300 PS. Giulia und Alfetta werden gegen Aufpreis mit Allradantrieb „Q4“ erhältlich sein, auch um den diversen xDrive-, quattro- und 4Matic-Konkurrenten aus Germania zu begegnen.

Von dort kommt ihnen ab Anfang 2017 ein taufrischer BMW 3er entgegen mit neu interpretierten Nieren und einer harmonisch gestalteten Front. Die Motorhaube schließt oberhalb der stärker nach vorn geneigten Nieren ab. Die Zeit der „Softnose“ mit ihrer weit nach hinten gezogenen Haubenfuge ist vorbei. Ähnlich wie beim Alfa-Duo werden sich auch der neue 3er und der künftige 5er eine gemeinsame Technik-Plattform teilen, die bei den Bayern sogar bis hinauf zum neuen 7er skalierbar ist. Auch in Zukunft setzt BMW auf die formidable Achtstufen-Automatik von ZF.

Vor der Modellerneuerung steht noch ein für Mitte 2015 geplantes, relativ moderates Facelift des aktuellen Modells. Bedeutendes tut sich unter der Haube: Im Lauf des nächsten Jahres soll der 136 PS starke 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbo aus dem 2er Active Tourer (Quereinbau) auch in den 3er transplantiert werden – wegen des Hinterradantrieb-Layouts allerdings längs zur Fahrtrichtung. Anfang 2016 ist zudem mit dem 328e zu rechnen. Der erste 3er mit Plug-in-Hybrid wird von einem 180 PS starken 2,0-Liter-Benziner und einem 95 PS kräftigen E-Motor angetrieben (Systemleistung 245 PS) und soll im Mittel mit 2,1 Litern auf 100 Kilometern auskommen.

Der neue BMW 5er wird Anfang 2017 bei den Händlern stehen und ist mit dem neuem 7er, der auf der IAA im September 2015 Premiere feiert, enger verwandt als je zuvor. Während Designstudien wie das „Gran Lusso Coupé“ deutliche Hinweise auf das Zukunftsdesign geben, lässt der neue Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich durchblicken, wie er die Freude am Fahren künftig sicherstellen will: durch Gewichtsersparnis.

Der großzügige Einsatz von Kohlefaser, kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) und Magnesium soll BMWs neue Businessklasse, die mit rund 4,93 Metern sogar geringfügig länger ausfällt als heute, deutlich erleichtern. Rund 80 kg gelten als realistisch. Zu den wichtigsten Änderungen in der 5er-Motorenpalette gehören die neuen, in Einheiten zu 500 cm3 pro Zylinder modular aufgebauten Leichtbau-Triebwerke. Die künftigen Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mobilisieren 190 und 250 PS, die Dreiliter-Sechszylinder zunächst 310 und 370. Die Diesel-Palette deckt ein  Spektrum von rund 150 bis 390 PS ab. Wie beim 3er stehen Plug-in-Hybride fest im Plan.

 

Alfa Romeo: zwei neue SUV bis 2018

Alfas Alfetta, im Produktionsplan für 2018 noch nüchtern als „Large Saloon“ bezeichnet, zielt hauptsächlich auf den US-Markt. Während Komponenten wie Lenkung, Achsen und Getriebe vom nochmals höher angesiedelten Maserati Ghibli übernommen werden können, bleibt die Frage nach wichtigen, bislang nicht erhältlichen Assistenzsystemen – adaptiver Abstandsregeltempomat, Auffahrwarner, Toter-Winkel-Assistent – offen. Diese bei der deutschen Konkurrenz erhältlichen Features sollen 2018 zum Standard gehören.

Bei Alfa geht die SUV-lose Zeit im nächsten Jahr zu Ende. Dann nämlich startet ein Kompaktmodell, dass auf den BMW X1 zielt, Anfang 2018 folgt ein Konkurrent für den X3. Auch dieser sportliche, mit Hinterrad- und Allradantrieb sowie Vier- und Sechszylindern geplante Nobel-Crossover nutzt den neuen, modularen Baukasten der Giulia. Beim nächsten BMW X3, der Anfang 2017 marktreif sein soll  (X4: 2018), könnte es erstmals eine echte M-Version geben – mit einem über 420 PS starken 3,0-Liter-Sechszylinder-Biturbo.

Bislang hielt sich BMW hier zurück und ließ es bei dem 313 PS starken X35d bewenden. Mit dem neuen Porsche Macan (3.6 V6 Turbo, 400 PS) ist allerdings ein neuer SUV-Überflieger gestartet, der zum Nachdenken zwingt. Dass es auch genügsamer geht, soll der X3 28e beweisen. Der neue Plug-in-Hybrid nutzt denselben Antriebsstrang wie der fürs nächste Jahr geplante Superspar-3er.

Das Ergebnis des bayerisch-italienischen Duells ist schon heute klar: Selbst wenn die Alfa-Verkaufszahlen in geplanter Weise bis 2018 auf 400.000 Stück explodieren sollten, so würden sie dennoch weniger als ein Viertel dessen ausmachen, was BMW bereits im vergangenen Jahr losschlagen konnte (Marke: 1,8 Millionen, Konzern mit Mini und Rolls-Royce: 2,1 Millionen). Aber darum geht es nicht. Eine Renaissance von Alfa Romeo wäre vielen Auto-Fans eine Freude. Dem Mann mit dem Pullover würden sie dafür ein Denkmal setzen, unten in Turin. Bis 2018 will Sergio Marchionne sein Werk bei Fiat-Chrysler Automobiles vollbracht haben – um dann von Bord zu gehen.

Computerdesign: Quattroruote, KoNi, DeLusi, Jean-François Hubert; Reichel CarDesign

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