Alfa Romeo gegen Audi: Mit vielen Neueiten in den Premium-Sektor Italien gegen Ingolstadt

28.06.2013

Eigentlich sollte Alfa Romeo die 13. Marke im VW-Konzern werden. Doch Fiat lehnte einen Verkauf brüsk ab – und gibt nun selbst Gas bei den Neuheiten der Roten. Im Visier ist dabei auch die Premium-Marke Audi, die gerade mit vielen News powert

Manchmal kommt es ganz anders als man denkt, und selbst Ferdinand Piëch bekommt nicht immer das, was er will. Richtig, es geht um Alfa Romeo, diese trotz aller Krisen nicht totzukriegende italienische Kultmarke, die in einem Türgriff mehr Emotionen hat als andere Autobauer in ganzen Modellreihen. Piëch, allmächtiger Aufsichtsratschef des VW-Konzerns, hätte sie gern als 13. Marke („Diese Zahl war schon immer meine Glückszahl“) im Großunternehmen gehabt und rechnete 2011 bereits locker vor, wie lange es denn dauern würde, die Italiener zu alter Stärke zurückzuführen.

 

Alfa Romeo gegen Audi: Sportwagen, SUV und Limousinen

Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne fand das nicht so lustig. Die Marke stehe definitiv nicht zum Verkauf, erklärte er zuletzt im Dezember 2012. Und schob genervt nach: „Piëch, lass es.“ Zumal Topmanager Marchionne, der die Fiat-Welt preisgünstig mit dem US-Zukauf Chrysler verbandelt hat, inzwischen selbst große Pläne mit Alfa hat: Bis 2016 soll die Marke jährlich über 300.000 Autos verkaufen. Zum Vergleich: 2012 waren es 110.000. Dazu will Marchionne speziell den US-Markt zurückerobern, auf dem die italienische Marke zuletzt 1995 präsent war.

Sportliche Speerspitze ist das nur 1,18 Meter hohe, 240 PS starke und 250 km/h schnelle Mittelmotor- Turbo-Coupé 4C, das bei uns ab September für unter 55.000 Euro zu haben ist. Ein Auto, das den Sprint auf Tempo 100 locker in 4,5 Sekunden erledigen soll. Die Einführungs-Edition ist schon vergriffen. Im nächsten Jahr wird der 4C auch in Amerika verkauft – und Alfa plant im Anschluss sogar eine offene Version (siehe nächste Seite) mit zwei herausnehmbaren Dachhälften, die dann in Targa-Manier im Kofferraum platziert werden.

Der Zweisitzer fährt gegen Audis flotte TT-Reihe, für die sich schon die Nachfolger warm laufen: Das neue 2+2-sitzige Coupé kommt im Herbst 2014, der zweisitzige Roadster mit dem klassischen Stofffaltdach folgt im Frühjahr 2015. Beide Modelle werden optisch muskulöser und dank neuer Aluminium-Teile auch deutlich leichter als bisher. Auch das Platzangebot verbessert sich, denn beide nutzen die neue MQB-Architektur des Konzerns.

Druck gibt es für die TT-Reihe bald auch von anderer Seite, denn die Italiener forcieren die Neuauflage des geräumigeren Alfa Spider, dessen Produktion 2010 auslief. Der Neue startet Mitte 2015 und wechselt von Front- auf Heckantrieb, da er in einer Kooperation mit Mazda entsteht – die Struktur stammt vom MX-5- Nachfolger, die Motoren gibt’s aus Italien. Das Auto wird sogar am Mazda-Standort Hiroshima gebaut, und Alfa denkt im Übrigen auch über eine neue 2+2-sitzige GTV-Coupé-Version nach. Pikant ist, dass die Marke Mazda vor ein paar Jahren auch mal im Fokus der Wolfsburger stand, die sich dann aber für einen Einstieg bei Suzuki entschieden, was sich im Nachhinein als keine gute Idee erwies, weil man inzwischen nur noch über Anwälte miteinander redet.

Computerdesign: Jean-François Hubert (4); Reichel CarDesign (9)

Zurück zu den offenen Schönlingen: Audi hat hier nämlich noch das neue, im Design fein verschärfte A3 Cabrio in petto: mehr Platz auf der Rückbank, mehr Ladevolumen und weiterhin mit klassischem Stoffverdeck. Das Auto nutzt die Basis der A3 Limousine, hat aber für zackige Kurvendynamik einen kürzeren Radstand. Verkaufsstart ist im März nächsten Jahres.

Zweites internationales Alfa-Standbein sollen künftig sportliche Limousinen sein. Erste Neuheit ist hier der Nachfolger des Topmodells 166 (letzter Auftritt 2007), der im nächsten Jahr im September auf dem Pariser Salon gezeigt und ab Jahresende verkauft werden soll. Der große, hinterradgetriebene Alfa erhält die technische Basis des Konzernbruders Maserati Ghibli, auch dessen Dreiliter-V6-Biturbo mit strammen 330 PS, der bei Ferrari gebaut wird. Für die Allradversion des großen Alfa gibt es diesen Motor dann mit 410 PS, auch ein 275 PS starker V6-Turbodiesel ist vorgesehen.

Klar, dieser schnittige 166-Nachfolger positioniert sich gegen den neuen Audi A6, der erst Ende 2017 (Kombi Avant ein halbes Jahr später) anrollt und 2018 sogar mit einer eleganten Shooting-Brake-Version à la Mercedes CLS aufwartet – einem eleganten Karosseriemix aus Coupé und Kombi mit extrem langem, abfallendem Dach und großer Heckklappe. Wir haben das reizvolle Projekt schon im letzten Jahr in Ausgabe 25/2012 ausführlich vorgestellt.

Gegen den neuen Audi A4 hingegen, der nach einer sportlichen Verschärfung des Designs nun wohl erst im März 2015 zu uns kommt, konzipiert Alfa die neue Mittelklasse-Baureihe Giulia, die den 2011 eingestellten 159 ersetzt. Sie basiert auf der verlängerten Frontantriebs-Plattform der kompakten Giulietta, die auch Motoren beisteuert. Die Topversion ist voraussichtlich der genannte V6-Biturbo mit 330 PS, und auch einen Kombi wird es geben.

Bei den SUV allerdings startet Alfa bei Null, denn der für 2015 geplante erste Offroader der Marke tritt gegen eine ganze Audi-Armada an. Der Allrad-Mittelklässler (4,62 Meter), wahlweise auch mit Frontantrieb, nutzt die C US-wide-Plattform und die Technik des neuen Cherokee von der Fiat-Konzerntochter Jeep. Die Motoren: unter anderem Turbobenziner mit 120 und 170 PS, dazu ein 2,4-Liter mit 184 PS sowie die bei der Marke bekannten Zweiliter-Diesel mit 140 und 170 PS. Die Einstiegspreise für das SUV dürften bei etwa 30.000 Euro liegen – später könnte von den Italienern auch eine Hybridversion nachgeschoben werden.

Bei Audi trifft der sehr sportlich ausgerichtete Italiener, dem man seine Verwandtschaft zum rustikaleren Jeep auf keinen Fall ansehen soll, auf das SUV Q5, dessen Nachfolger 2016 startet, erneut mit längs eingebauten Motoren. Der Q5 wird leichter und noch geräumiger als bisher, denn es nutzt die neue MLB-Evo-Architektur des Konzerns. Das Diesel-Basismodell (150-PS-TDI) gibt es auch mit Frontantrieb.

Auch oberhalb und unterhalb des Q5 offerieren die Ingolstädter ein volles SUV-Programm, das demnächst noch ausgebaut wird. Da wären zum Beispiel der kleinere Q3 (4,39 m) und der sehr modische Q6, der ab 2016 als coupéhaftes Sportmodell die lukrative Lücke zwischen Q5 und Q7 schließen soll – rund 4,90 Meter lang und maximal 1,60 Meter hoch. Die Benziner und Diesel werden hier mindestens mit 180 PS powern, und auch leistungssportliche S- sowie RS-Versionen sind bereits in Sicht.

Wahrscheinlich gibt es später auch ein großes Alfa-SUV auf Basis des Jeep Grand Cherokee. Das trifft dann auf Audis neuen Q7, der im Frühjahr 2014 erscheint.

Computerdesign: Jean-François Hubert (4); Reichel CarDesign (9)

Wolfgang Eschment

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