Drei kompakte Sportler im Vergleichstest Kraft-Pakete

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Trotz gleicher Zielgruppe weisen Alfa Romeo 147 GTA, Honda Civic Type-R und Seat León Cupra unterschiedliche Charaktere auf. Wer mit seiner Philosophie in der sportlichen Kompaktklasse die besten Karten hat, zeigt dieser Vergleich

Kompakt, schnell, leistungsstark. Seit VW 1976 den ersten Golf GTI auf den Markt brachte, versucht sich nahezu jeder Hersteller in dieser sportlich orientierten Klasse und rundet damit die Vielfalt seiner Kompaktautos nach oben ab. Offerierte ein Golf GTI zu seiner Zeit lediglich 110 PS, muss heutzutage schon eine zwei als erste Ziffer in den PS-Daten stehen, wenn man Kunden anlocken will. Schließlich soll das Fahrvergnügen an erster Stelle stehen. Jüngster Spross im 200er-Club ist der Seat Leon Cupra R mit 225 PS. Er trifft auf das Drehzahlwunder Honda Civic Type-R mit 200 PS und den italienischen Heißsporn Alfa Romeo 147 GTA mit stolzen 250 Pferdestärken unter der Haube.

 

Karosserie

In Sachen Optik hat der Alfa am meisten für die Fans zu bieten. Schürzen, Schweller, ausgestellte Kotflügel, Doppelauspuffanlage und Reifen der Dimension 225/45 ZR 17 fallen auf. Die 205er-Pneus des Honda sind etwas zu schmal, und die Kunststoffanbauteile an der Karosserie sehen wie nachträglich angesetzt aus. Dennoch vermittelt die extreme Keilform viel Temperament. Außerdem bietet der Japaner vorn ein erstaunlich großes Raumangebot – trotz der geringsten Karosserieabmessungen. Mit 18-Zoll-Bereifung, ovalem Auspuffendrohr und tief gezogener Frontschürze wirkt der Seat schon fast bieder. In ihm steckt mehr, als die Optik erahnen lässt. Auf der Rückbank herrscht in allen drei Fahrzeugen sportliche Enge mit Nachteilen für den Alfa, dessen Seitenverkleidungen viel Platz beanspruchen. Der Honda bietet den größten Fußraum, der Seat durch die hinteren Türen den besten Einstieg. In puncto Bedienung liegen Civic und León gleichauf. Beim Japaner liegen Schalter und Hebel bestens zur Hand. Der Seat glänzt mit einfach zu handhabenden Bedienelementen. Dies ist beim 147 mit seinen verschnörkelten Lenksäulenhebeln und versteckten Schaltern nicht der Fall. Lediglich Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie die Isofix-Kindersitzbefestigung unterstützen die passive Sicherheit des Civic. Kopf- und Seiten-Airbags, Bremsassistent, ESP und Nebellampen bietet er im Gegensatz zu León und 147 nicht an.

KarosserieMax. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Raumangebot vorn100535455
Raumangebot hinten100464042
Übersichtlichkeit70545250
Bedienung/ Funktion100857085
Kofferraumvolumen100473843
Variabilität100353520
Zuladung/ Anhängelast80222312
Sicherheit150859820
Qualität/ Verarbeitung200163153143
Kapitelbewertung1000590563470

 

Fahrkomfort

Bei den Fahrwerken ist es nur logisch, dass alle drei Konkurrenten gegenüber ihren schwächeren Versionen härter abgestimmt sind und somit an Komfort verlieren. Bei 147 und Seat Leon muss eine Fahrt auf schlechtem Untergrund aber trotzdem nicht zur Tortur werden. Kleinere Unebenheiten bügeln beide relativ gut aus. Bei längeren Wellen schlägt der Italiener aber an der Hinterachse durch, der Spanier pumpt sich auf und schwingt an der Hinterachse spürbar nach. Dem Honda Civic ist die Beschaffenheit der Bodenwellen gleichgültig. Er ist einfach hart und gibt Schläge deutlich spürbar an die Insassen weiter. Erst bei voller Beladung wird er ein wenig komfortabler.

FahrkomfortMax. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Sitzkomfort vorn150110120114
Sitzkomfort hinten100465040
Ergonomie150114110118
Innengeräusche50181917
Geräuscheindruck100617555
Klimatisierung50333322
Federung leer200129124110
Federung beladen200119118116
Kapitelbewertung1000630649592

 

Motor und Getriebe

Mehr als der Komfort stehen bei dieser Gattung von Fahrzeugen die Fahrleistungen im Vordergrund. Nominell hat hier der Alfa Romeo 147 mit seinen 250 PS die Nase vorn. Dies bestätigt sich auch bei den reinen Messwerten. So beschleunigt er von null auf 100 km/h in 6,5 Sekunden. Der Honda, obwohl 25 PS schwächer als der Seat, meistert diese Disziplin in 7,4 Sekunden und verweist den Spanier, der 7,5 Sekunden benötigt, auf den letzten Platz. Während beim Italiener der Vortrieb bei 246 km/h endet, müssen die beiden anderen bei 235 (Civic) und 237 km/h (Leon) aufgeben. Doch dies ist nur nacktes Zahlenwerk und sagt noch nichts über die Charaktere der Triebwerke aus. Die japanischen Techniker haben unter die Motorhaube des Civic Type-R eine wahre Drehorgel gepflanzt. Seine maximale Leistung von 200 PS stellt der Vierzylinder bei 7400 Umdrehungen bereit. Wer es eilig hat, muss viel Schaltarbeit leisten und dafür sorgen, dass die Drehzahl nie unter 6000 Umdrehungen rutscht. Denn dann fällt die Leistung spürbar ab. Selbst das maximale Drehmoment von nur 196 Newtonmetern liegt erst bei 5900 Umdrehungen an. Dafür ist das Getriebe bestens abgestimmt, und der aus dem Armaturenbrett wachsende Schalthebel aus Aluminium lässt sich exakt in die nah beieinander liegenden Gänge führen. Der klangstarke Alfa-Sechszylinder zeigt sich von einer ganz anderen Seite. 3,2 Liter Hubraum erlauben auch aus niedrigeren Drehzahlen einen kraftvollen Antritt. Das maximale Drehmoment von 300 Nm liegt immerhin schon bei 4800 Umdrehungen an -–auch keine Sensation, gegenüber dem drehfreudigen Honda-Vierzylinder aber von anderer Charakteristik. Ansonsten begeistert der 147 GTA durch bissiges Hochdrehen und spontanen Antritt in nahezu allen Lebenslagen. Die Schaltung arbeitet sehr direkt, leistet sich aber kleinere Synchronisationsschwächen bei schnellen Gangwechseln. Unauffällig, aber genau und gut abgestimmt arbeitet die Sechsgang-Schaltbox des Seat. Aber auch hier muss der Fahrer kräftig schalten, da der Turbolader bei Laune gehalten werden will. Die 225 PS liegen zwar schon bei 5900 Umdrehungen an und das maximale Drehmoment von 280 Nm gar schon bei 2200 Umdrehungen, trotzdem ist die Verschnaufpause des Laders beim Schalten, auch wenn sie nur kurz ist, deutlich zu spüren. Deutlich spürbar ist eine schnelle Fahrweise auch an der Tankstelle. Während das Honda-Triebwerk mit akzeptablen 9,6 Liter Super pro 100 Kilometer auskommt, gönnt sich der Turbovierzylinder im Leon Cupra R zwar 11,5 Liter, weist damit aber den Alfa, der sich satte 13,4 Liter genehmigt, auf den letzten Platz. Diese genehmigen sich zudem noch das teure Super Plus.

Motor und GetriebeMax. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Beschleunigung150170180171
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150107116105
Getriebeabstufung100828284
Kraftentfaltung50
Laufkultur100587062
Verbrauch325125106144
Reichweite25141216
Kapitelbewertung1000556566582

 

Fahrdynamik

Bei der Fahrdynamik zeigt der Japaner, mit 200 PS ja der schwächste des Trios, wie es geht. Sowohl beim Handling als auch im Slalom setzt er seine Leistung am effektivsten in Geschwindigkeit um. Spontan folgt er den Lenkbefehlen und bereit jede Menge Fahrspaß. Die beiden Konkurrenten können ihm dabei nur mit einem Respektabstand folgen. Ohne ESP eilt der Civic wieselflink um jede Biegung. Grundsätzlich präsentiert sich der Honda dabei neutral bis leicht untersteuernd. Auf Lastwechsel im Grenzbereich reagiert er allerdings mit einem ausbrechenden Heck, das sich aber leicht einfangen lässt. Obwohl der Civic kein ESP besitzt, zeigt er sich sehr fahraktiv. Dies lässt Rückschlüsse auf ein gut abgestimmtes Fahrwerk zu. Schade nur, dass die elektro-mechanisch unterstützte Servolenkung etwas gewohnungsbedürftig ist, da sie ziemlich spitz auf Lenkbefehle reagiert. Am Anfang resultiert daraus ein etwas unharmonischer Fahrstil. Je länger der Pilot aber mit dem Japaner auf Touren geht, desto schneller wird er mit dessen Eigenschaften vertraut. Ein weiteres Manko: die Bremsanlage. Ein gefühlvolles Dosieren ist kaum möglich, und die Bremswerte lassen ebenfalls Wünsche offen – im kalten wie im warmen Zustand. Besser präsentieren sich hier Alfa und Seat. Die Bremsanlage des León lässt sich einfacher dosieren, sie greift schon im kalten Zustand sicher zu. Die 147er-Stopper benötigen eine gewisse Temperatur, packen dann aber am sichersten zu. Die Lenkung des Italieners reagiert auf Richtungsänderungen sehr direkt, spricht aber aus der Mittellage giftig an. Eine zu schnelle Gangart quittiert der Alfa mit deutlichem Untersteuern, und nichts kann ihn dazu bewegen, mit dem Heck auch nur leicht in die Kurve einzudrehen – absolut sicher, aber wenig spaßfördernd. Der Seat zeigt, dass Fahrspaß und -sicherheit durchaus miteinander harmonieren können. Die Lenkung ist zielgenau, das Fahrverhalten völlig unproblematisch. Leicht untersteuernd quittiert der León eine zu schnelle Gangart.

FahrdynamikMax. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Handling150115115120
Slalom100696490
Lenkung100747267
Geradeauslauf50393626
Bremsdosierung30393634
Bremsweg kalt1501079689
Bremsweg warm15011212192
Traktion100393536
Fahrsicherheit150132130121
Wendekreis20312528
Kapitelbewertung1000757730703

 

Umwelt und Kosten

Mit seinem Einstiegspreis von 308 00 Euro verliert der Alfa deutlichen Boden gegenüber der preiswerteren Konkurrenz (Honda 22 465 Euro, Seat 24 980 Euro). Trotzdem kann er das Kostenkapitel für sich entscheiden, da die Japaner und die Spanier in Sachen Umwelt nicht auf dem Stand der Dinge sind und nur die EU-3-Abgasnorm erfüllen. Wie bei der Sicherheitsausstattung büßt der Honda auch bei der AZ-Normausstattung wertvolle Punkte ein, präsentiert aber den besten Wiederverkaufswert. Mit geringen Wartungskosten sowie einer günstigen Einstufung bei der Versicherung kann derSeat auftrumpfen.

Kosten/UmweltMax. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Bewerteter Preis675215204220
Wertverlust50302732
Ausstattung251008971
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282125
Werkstattkosten20504650
Steuer10393737
Versicherung40302825
Kraftstoff55302635
Emissionswerte25667779
Kapitelbewertung1000588555574

 

Fazit

Honda beschränkt sich auf die nötigste Ausstattung und bietet mit dem Civic Type-R eine reine Fahrmaschine für sportlich ambitionierte Piloten an. Der Alfa Romeo 147 GTA begeistert mit seinem starken V6-Motor, seiner Optik und einem akzeptablen Komfort. Der Seat Leon Cupra R leistet sich keine Schwächen und hat darum am Ende die Nase vorn. Je nach gewünschtem Charakter ist die Wahl also eine Frage des Geschmacks.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSeat Leon Cupra RAlfa Romeo 147 GTAHonda Civic Type-R
Summe5000312130632921
Platzierung123

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