Alfa Giulia 2016: Hat Marchionne Schneewittchen geweckt? Weckruf für Schneewittchen

28.08.2015

Der Fiat-Konzern weckt seine Tochter Alfa Romeo mit der Giulia nach langsam Schönheitsschlaf zu neuem Leben

Darauf haben die leidgeplagten Alfa Romeo-Fans lange gewartet: Nach Jahren des konstruktiven Komas, nach Miss- und Mangelwirtschaft küsst der Fiat-Konzern sein Schneewittchen wach und präsentiert nicht nur das erste neue Volumenmodell seit fünf Jahren: Mit der Premiere der Mittelklasse-Limousine Giulia starten die Italiener auch gleich ein ambitioniertes und mehr als fünf Milliarden Euro schweres Revival-Programm, das die vor exakt 105 Jahren gegründete Anonima Lombarda Fabbrica Automobili zu einer der führenden Premium-Marken der Welt machen soll, sagt Konzernchef Sergio Marchionne. Statt zuletzt gerade einmal 68.000 Autos will er schon in drei Jahren über 400.000 Autos verkaufen und dafür sieben neue Modelle auf den Markt bringen.

 

Alfa Giulia 2016: Hat Marchionne Schneewittchen geweckt?

Das Auto, das Alfa jetzt als Hoffnungsträger vor 500 Gästen im frisch renovierten Museum am Stammsitz Arese enthüllt hat, wurde binnen zwei Jahren von einer Truppe von Spezialisten in geheimen Büros und Fabriken weitab des Tagesgeschäfts entwickelt, die diesmal auf keine Konventionen Rücksicht nehmen, keine fadenscheinigen Kompromisse machen und keine Konzernarchitekturen nutzen mussten. Stattdessen haben sie sich in die Geschichte der Marke gewühlt, ihre Stärken herausgearbeitet, aus ihren Fehlern gelernt und so die Kette ihrer DNA wieder repariert, sagt Marchionne voller Stolz über seine „Skunks“.

Dabei haben diese „Stinktiere“ buchstäblich auf einem weißen, bei Alfa wohl eher roten Blatt Papier begonnen und einen atemberaubenden Fünftürer gezeichnet, der mit ganz wenigen Linien ganz großen Eindruck macht. Sein Profil erinnert an die Giulietta Sprint aus den Fünfzigern und aus welcher Perspektive man auch hinschaut, ist die neue Alfa Giulia so leidenschaftlich gezeichnet wie zuletzt vielleicht der 156, der auch beim Format als Vorbild taugt: Vorn der berühmte dreieckige Kühlergrill, flankiert von mächtigen Lüftern und untermalt von einem großen Splitter. Auf der Motorhaube und in den Kotflügeln riesige Nüstern, die Hüfen weich und trotzdem kräftig wie bei einer Primadonna und das Heck so knackig wie bei keiner anderen Italienerin seit der Lollobrigida – fertig ist ein Traumwagen, wie er nur aus Italien und nur von Alfa Romeo kommen kann.

Unter dem verführerischen Kleid steckt designierte Technik, die Alfa mit keiner anderen Marke teilen muss. So haben die Skunks eigens für die Giulia und die sieben anderen Modelle eine Plattform namens Giorgio für Heck- und Allradantrieb entwickelt, eine neue Doppelkupplung konstruiert, eine neue Fahrdynamik-Regelung mit Torque Vectoring programmiert und bei den Konzernbrüdern von Ferrari einen V6-Turbo in Auftrag gegeben, der nicht nur irrwitzige 510 PS leistet und den Wagen in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 katapultuert. Sondern vor allem hat er einen betörenden Sound und rührt direkt am Herzen: „Ein Alfa klingt nicht, er singt“, sagt Chefingenieur Philippe Krief und degradiert Stargast Andrea Bocelli mit einem Druck auf den Startknopf zum Sängerknaben. Selbst sein verheißungsvolles bedeutungsschweres „Vincero“ („Ich werde gewinnen“) aus Puccinis Nessun Dorma wird zum lauen Liedchen, wenn danach ein Alfa seine Stimme erhebt.

Zwar sollte Krief jetzt mal ein paar Fakten heraus lassen, doch zumindest hat er eine charmante Ausrede, mit der er sich um Daten und Details drückt: „Was einen Alfa ausmacht, das kann man nicht in Zahlen fassen: Denn dieses Auto lebt vom Gefühl,“ sagt der Entwicklungschef und gemeinsam mit Markenchef Harald Wester hebt er zu einer Gefühlsduselei an, bei der auch die werte Konkurrenz ihr Fett wegbekommt. Die bauen zwar alle ganz ordentliche Autos, sagt Wester, während hinter ihm verschiedene Modelle von Audi, Mercedes und BMW über die Leinwand flimmern. Aber diese Autos versänken in einem Meer der Gleichförmigkeit, in das Alfa jetzt mit der Giulia einen überfälligen Rettungsring wirft.

Da sind Zahlen erst einmal störendes Beiwerk, die von der wahren Botschaft nur ablenken. „Denn einen Alfa Romeo konstruiert man nicht, den kreiert man“, sagt Wester und will, dass seine Autos nicht nur im Herzen, sondern gleich in der Seele des Fahrers ankommen. Und so sehnsüchtig wie die Seelen der Alfisti auf Nahrung warten, so leidenschaftlich wie die neue Giulia aussieht und so grandios ihr neuer Motor singt, wird ihm das ganz sicher gelingen.

Zwar nährt diese Giulia tatsächlich die Hoffnung, dass es mit Alfa wieder aufwärts gehen könnte. Doch ganz so schnell wird es nicht gehen, bremsen die Italiener: Erst auf der IAA 2015 wollen sie die Publikumspremiere feiern und dann mal ein paar Zahlen sprechen lassen, kurz vor Weihnachten wollen sie zu Schätzpreisen von mehr als 30.000 Euro (dann natürlich mit vier Zylindern und ein bisschen weniger als den 510 PS) den Vorverkauf starten und bis die Giulia zum ersten Mal die Straße schmückt, wird es Frühjahr 2016. Das ist schade, aber kein Drama. Denn erstens sind die Alfa-Fans leiden gewohnt und zweitens haben sie jetzt so lange auf ein Lebenszeichen gewartet, dass es auf die paar Wochen auch nicht mehr ankommt: So tief, wie Schneewittchen geschlafen hat, braucht der Weckruf eben ein bisschen länger, bis er ankommt.

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