Kompaktvans von Citroën, Opel und Renault im Vergleichstest Neue Gesichter

15.08.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Bei den familienfreundlichen Kompaktvans gibt es interessanten Nachwuchs. Im Diesel-Vergleich lassen wir den extravagant gestylten Citroën C4 Picasso HDi und den überarbeiteten Renault Grand Scénic 2.0 dCi gegen den etablierten Bestseller Opel Zafira 1.9 CDTI antreten

Die Kompaktvans haben die Familien erobert. Enorm praktisch, sind die hoch aufragenden Raumwunder bei vielen inzwischen beliebter als ein konservativer Kombi: Die aufrechte und vor allem hohe Sitzposition schafft Übersicht, das Platzangebot ist ebenbürtig. Und die dritte Sitzreihe, Platz sparend im Kofferraumboden untergebracht, macht die Vans zum Kinderfreund. Renault entdeckte mit dem Mégane Scénic diese Nische als erster, Opel legte mit dem Zafira nach. Nur, von einer Nische redet heute keiner mehr. Scénic, Zafira und der VW Touran - er kommt in wenigen Wochen generalüberholt zu den Händlern und ist deshalb nicht in diesem Testfeld - wurden zu Bestsellern. Grund genug für Citroën, jetzt mit dem neuen C4 Picasso ein weiteres Modell ins Rennen um die Käufergunst zu schicken.

 

Karosserie

Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass der neue Citroën mehr sein soll als ein weiterer Vertreter der Kompaktvan-Klasse. Mit annähernd 4,60 Meter Gesamtlänge ist er eindeutig der Größte. Dieser Eindruck bestätigt sich in der ersten Sitzreihe. Fahrer und Beifahrer sitzen längst nicht so dicht beieinander wie im Renault oder dem noch engeren Opel Zafira. Die weit ins Dach reichende Frontscheibe des C4 vermittelt ein außergewöhnliches Raumgefühl. Doch schon der enorme, jedoch nicht nutzbare Raum zwischen Insassen und Frontscheibe lässt Zweifel an der Raumökonomie aufkommen, denn in der zweiten Sitzreihe ist der Knieraum spürbar eingeschränkt. Als einziger bietet der Citroën hier aber voll versenkbare Einzelsitze das vereinfacht die Umwandlung zum Großraum-Transporter ungemein. Der ebene Laderaum hat so bis zu 1951 Liter Ladevolumen. Doch ganz ohne Nebenwirkungen wird dieser Vorteil nicht erkauft: Die Einzelsitze im Renault wie auch die verschiebbare Sitzbank des Opel bauen höher, sodass ein tieferer Fußraum entsteht und dadurch eine bequemere Oberschenkelauflage den Sitzkomfort optimiert. Der Opel profitiert von seiner gradlinigen Karosserie - so bleibt auch in der zweiten Reihe ausreichend Kopffreiheit erhalten. Die abfallende Silhouette des Grand Scénic wirkt sich hingegen nachteilig aus. Großgewachsene stoßen mit dem Kopf an den Dachhimmel. Allen Kontrahenten gemein ist das knappe Raumangebot in der dritten Reihe. Hier fühlen sich nur Kinder auf kurzen Etappen wirklich wohl. Neben dem Raumangebot spielt auch die Bedienbarkeit eine große Rolle. Bis auf die sinnloserweise nicht einrastenden Blinker- und Wischerhebel präsentiert sich der Opel hier als narrensicher. Gleiches gilt für den Renault. Auch wenn sein Instrumententräger futuristisch wirkt, so findet man sich auf Anhieb zurecht. Der Citroën verlangt auf jeden Fall den Blick in die Bedienungsanleitung. Der Fahrer schaut auf eine große Anzahl verstreut liegender Bedienelemente und ein überfrachtetes Lenkrad - anders ist eben nicht unbedingt besser. So bleibt als letzter und wichtiger Punkt in diesem Kapitel die Verarbeitungsqualität. Opel und Renault zeigen hier, wie es sein soll. Der Scénic präsentiert sich dabei auf der Marterstrecke noch eine Spur besser verarbeitet: Knack- und Knarzgeräusche sind im Gegensatz zum Citroën kaum zu hören.

KarosserieMax. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Raumangebot vorn100706873
Raumangebot hinten100687168
Übersichtlichkeit70676569
Bedienung/ Funktion100858465
Kofferraumvolumen100403241
Variabilität100614565
Zuladung/ Anhängelast80434346
Sicherheit15096106105
Qualität/ Verarbeitung200176174165
Kapitelbewertung1000706688697

 

Fahrkomfort

Komfort fängt beim Sitzen an. Diese banale Erkenntnis gewinnen Fahrer und Mitinsassen aber zumeist erst nach einer längeren Reise. Im Opel Zafira werden sie dann entspannt feststellen, dass eine straffe Polsterung sowie die zwar etwas schmalen, aber sehr guten Seitenhalt gebenden Sitze mit zum Besten zählen, was in dieser Klasse zu bekommen ist. Die Renault-Polster sind auf Dauer zu weich. Auch die Oberschenkelauflage ist knapp bemessen, das ermüdet. Das Citroën-Mobiliar in der ersten Reihe überzeugt wiederum schlicht mit seiner üppigen Dimensionierung. Eine gute Oberschenkauflage sowie eine ausreichende Rückenabstützung halten die Frontpassagiere auf langer Strecke fit - nur etwas mehr Seitenhalt sollte es schon sein. Die C4-Fondpassagiere reisen indessen weniger bequem als vermutet. Nur Opel setzt in der zweiten Reihe auf eine Sitzbank. Das kostet zwar Punkte bei der Variabilität, da sie weder herausnehmbar noch voll versenkbar ist, ermöglicht dafür aber eine entspannte Sitzhaltung. Die Oberschenkel liegen ganz auf, und auch die Kopffreiheit ist ausreichend. Die Sitzhaltung im Renault ist ähnlich angenehm, doch die spürbar geringere Kopffreiheit kostet Punkte. Die nur wenig konturierten Rücksitze des C4 sind für großgewachsene Menschen hingegen nur eingeschränkt reisetauglich. Bedingt durch die niedrige Sitzhöhe hängen die Oberschenkel in der Luft. Immerhin erlaubt die Längs- und Lehneneinstellung hier eine gewisse Anpassung. Größere Komforteinbußen müssen die Insassen allerdings wegen der stößigen Fahrwerksabstimmung des C4 in Kauf nehmen. Der neue Franzose versetzt auf Querfugen und leitet Fahrbahnschäden fühlbar weiter. Die luftgefederte Hinterachse (nur im Topmodell Exclusive zu haben) verursacht dabei deutliche Vertikalbewegungen. Dies bessert sich zwar im beladenen Zustand, doch insgesamt rollt der Picasso deutlich poltriger ab als seine Kontrahenten. Der Opel wirkt insgesamt recht straff, absorbiert jedoch Unebenheiten wirkungsvoll und bleibt stets stabil. Den besten Kompromiss fanden allerdings die Fahrwerksingenieure von Renault. Unebene Landstraßen meistert der Scénic souverän, er reagiert nur etwas stößig auf Kanaldeckel und Querfugen. Opel und Renault liegen somit dicht beieinander, während der Citroën etwas zurückfällt.

FahrkomfortMax. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Sitzkomfort vorn150111122120
Sitzkomfort hinten100656762
Ergonomie150125126115
Innengeräusche50262525
Geräuscheindruck100595757
Klimatisierung50292931
Federung leer200139137118
Federung beladen200139133121
Kapitelbewertung1000693696649

 

Motor und Getriebe

Kraftvolle Diesel sind die einzig wahre Motorisierung für diese Familientransporter sparsam und durchzugsstark. Ersteres erfüllt der neue Picasso mit Bravour: Mit nur 7,4 Litern pro 100 Kilometer distanziert er sich deutlich von der Konkurrenz, die rund einen halben Liter mehr konsumiert. Doch das ist leider auch das einzige Highlight, dass die Citroën-Antriebseinheit setzen kann. In den Fahrleistungen fällt der C4 deutlich ab. Größtes Manko ist aber sein automatisiertes Sechsganggetriebe. Schaltrucke sind deutlich spürbar, und der Langsamfahrkomfort ist nur mäßig. Auch die manuelle Bedienung über die Schaltpaddel am Lenkrad ändert daran nichts - der Fahrer ärgert sich, die Mitfahrer zweifeln an den Fähigkeiten des Piloten. Dass der Motor im Leerlauf die Karosserie zu unangenehmen Schwingungen anregt, vervollständigt den Gesamteindruck. Weitaus harmonischer präsentieren sich der 1.9er-CDTI im Opel und der neu entwickelte 2,0-Liter-Renault-Motor. Diese 150-PS-Turbodiesel reagieren spontan auf Gaspedalbefehle und überzeugen mit ihrer kraftvollen und gleichförmigen Leistungsentfaltung. Und beide Autos erfreuen mit einer sauber geführten und passend abgestimmten Schaltung.

Motor und GetriebeMax. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Beschleunigung150135134114
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150747265
Getriebeabstufung100858455
Kraftentfaltung50333231
Laufkultur100585650
Verbrauch325161160166
Reichweite25282631
Kapitelbewertung1000574564512

 

Fahrdynamik

ESP gehört bei den Wettbewerbern selbstverständlich zur Serienausstattung und lässt sich zudem bei keinem vollständig ausschalten. Gut so, auch wenn sich die Regeleingriffe auf dem Handlingparcours in Grenzen halten. Der Citroën profitierte in diesem Test von seiner aufpreispflichtigen 18-Zoll-Bereifung, die das Einlenkverhalten präzisiert und die Untersteuertendenz mindert. So absolviert er den Slalomkurs als Schnellster. Lastwechselreaktionen sind ihm fremd, als störend erweist sich einzig die bei plötzlichen Richtungswechseln verhärtende Lenkung, die zudem wenig Rückmeldung vermittelt und ungewohnt direkt reagiert. Absolut unauffällig agiert dagegen der Renault. Stets sicher untersteuernd nähert er sich dem Grenzbereich und bleibt immer berechenbar. Ähnlich fährt der Opel, der allerdings durch das sanfte Eindrehen des Hecks als Reaktion auf Lastwechsel in der Kurve etwas agiler wirkt. Er gewinnt somit das Kapitel, auch wenn der Citroën sich bei der abschließenden Bremsprüfung noch einmal mit guten Warmbremswerten in Szene setzen kann.

FahrdynamikMax. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Handling150777871
Slalom100414251
Lenkung100818170
Geradeauslauf50404039
Bremsdosierung30161716
Bremsweg kalt150112119114
Bremsweg warm150107109118
Traktion100333335
Fahrsicherheit150138136138
Wendekreis201198
Kapitelbewertung1000656664660

 

Umwelt und Kosten

Auf den ersten Blick der Günstigste, verstecken sich die Kosten für Sonderwünsche in der Preisliste: Wer den C4 mit Lederpolstern, Einparkhilfe, großem Navi-Sound-System oder gar DVD-Player ausrüsten will, muss zu den deutlich teureren Ausstattungsvarianten greifen - ärgerlich. Ansonsten glänzt der neue Franzose mit niedrigen Werkstattkosten und günstigster Versicherungseinstufung. Die höheren Versicherungs-Typklassen werfen den Opel in diesem Kapitel zurück - er ist immerhin rund 260 Euro teurer pro Jahr als der C4. Doch viel gravierender ist, dass es Renault versäumt hat, den Dieselpartikelfilter pünktlich zur Markteinführung des neuen 2,0-Liter-Motors einsatzbereit zu halten. Das kostet den Scénic am Ende nicht nur den Gesamtsieg - 25 Punkte werden in der Bewertung der Schadstoffeinstufung abgezogen - , sondern vor allem Absatzchancen. Am Ende zahlt der Kunde dann auch noch drauf, denn für den ab Frühjahr 2007 verfügbaren Grand Scénic mit Partikelfilter gilt dann der höhere Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.

Kosten/UmweltMax. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Bewerteter Preis675352353355
Wertverlust50656667
Ausstattung25494745
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282828
Werkstattkosten20394144
Steuer10282828
Versicherung40434143
Kraftstoff55383839
Emissionswerte25758079
Kapitelbewertung1000717722728

 

Fazit

Neu, groß und trotzdem nur Letzter - wie konnte das passieren? Citroën offeriert mit dem C4 Picasso einen Kompaktvan, der in vielen Details noch nicht überzeugt. Das automatisierte Schaltgetriebe ist unharmonisch abgestimmt, das Fahrwerk zeigt trotz luftgefederter Hinterachse Schwächen beim Fahrkomfort, und die Schalterflut im Innenraum fordert Eingewöhnung. Seine Stärken sind die große Variabilität und der niedrige Verbrauch. Renault erzielt mit dem geräumigen Grand Scénic einen Achtungserfolg. Das überarbeitete Fahrwerk gefällt mit einer gelungenen Abstimmung. Dass Renault den neuen 2,0-Liter-Turbodiesel allerdings ohne Partikelfilter anbietet, ist unverständlich. Der Zafira glänzt mit seinen Allroundeigenschaften. Gut verarbeitet und top motorisiert, überzeugt der Opel mit dem besten Sitzkomfort auch in der zweiten Reihe.

Gesamtbewertung

Max. PunkteRenault Scénic Grand 2.0 dCiOpel Zafira 1.9 CDTICitroën C4 Picasso HDi 135
Summe5000334633343246
Platzierung123

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