Tracktest: Abt R8 GTR und Porsche 911 GT2 RS Abt Audi R8 GTR und Porsche 911 GT2 RS im Test

22.02.2012

Mehr Rennsport für der Straße geht nicht: die jeweils 620 PS starken Abt Audi R8 GTR und Porsche 911 GT2 RS im exklusiven Tracktest

Schon die Basisversionen dieser beiden Boliden stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Aber dennoch legen Abt R8 GTR und Porsche 911 GT2 RS noch einen drauf. Nummer eins: Der Abt entsteht aus dem 525 PS starken R8 V10. In rund 14 Arbeitstagen zerlegen die Kemptener einen nagelneuen Audi und bauen ihn – mit zahlreichen Modifikationen versehen und knapp 100 Kilo leichter – Schritt für Schritt wieder auf. Der auf 25 Exemplare limitierte 620-PS-Hammer ist mehr Renn- als Straßensportwagen, viele Teile kommen direkt aus der hauseigenen Motorsport-Abteilung, die aktuell den Teamtitel in der Sportwagenserie ADAC GT-Masters gewonnen hat. 16 Bestellungen für den R8 GTR liegen Abt bereits vor.

LEICHTBAU EXTREM
Bei Nummer zwei darf es noch ein wenig mehr, besser gesagt: weniger sein. Der ebenfalls 620 PS starke Fahrbericht: Porsche 911 GT2 RS bringt mit 1412 Kilo satte 187 kg weniger auf die Waage als der Abt. Die RS-Version des normalen 530-PS-GT2 treibt Leichtbau auf die Spitze und ist ebenfalls limitiert – auf 500 Stück. Interessant: Der 3,6-Liter-Biturbo-Boxer basiert immer noch auf dem extrem standfesten Aggregat aus der Baureihe 964 und sorgte besonders im Porsche GT1 für Furore.

Der aktuelle GT2 RS steht dem GT1 mit einem Leistungsgewicht von 2,3 kg/PS kaum nach, beim Abt R8 muss dagegen jede Pferdestärke 2,6 kg in Schwung bringen. Das drückt sich in den Beschleunigungswerten aus: Der mit einem manuellen Schaltgetriebe ausgerüstete Porsche fegt in 3,3 Sekunden von null auf Tempo 100, nach 9,7 s ist er bereits 200 km/h schnell. Klar, dass man hier mit dem Wechseln der Gänge kaum nachkommt. Der Schaltblitz im Cockpit-Display zuckt dabei unaufhörlich wie bei einem lokalen Unwetter. Die Umgebungsgeräusche – kaum noch gedämmt – erinnern bestenfalls entfernt an ein Auto. Das Brausen und Fauchen aus dem Heck, auch aus der Titan-Auspuffanlage von Akrapovic, ist einzigartig.

Im Abt Audi geht es da schon gesitteter zu. Die radikale Diätkur und der Verlust sämtlicher Komfortfeatures bleibt dem Kunden hier erspart. Das mit 40 Prozent kürzeren Schaltzeiten versehene sequenzielle Getriebe mit Launchcontrol-Funktion und der schlupffreie Allradantrieb übernehmen den Beschleunigungsjob ohne großes Getöse. 3,5 s bis 100 km/h und 11,1 s bis 200 km/h sind angesichts des Gewichtsnachteils top und ein Vorteil gegenüber der Serienversion (3,7 s/11,8 s). Dabei arbeitet der Allradantrieb im Abt R8 grundsätzlich mit einer extrem hecklastigen Kraftverteilung von 20 zu 80 Prozent.

Beide Ausnahme-Athleten vertrauen beim Bremsen auf großformatige Karbon-Keramikscheiben und rollen auf 19-Zoll-Semi-Slicks von Michelin in ähnlichen Dimensionen. Der am Elfer montierte Pilot Sport Cup Plus ist aber eine spezielle Weiterentwicklung des kompromisslosen, gerade noch straßentauglichen Gummis.

HISTORISCHER BESTWERT
Folgerichtig brennt der GT2 RS neue Bestwerte in den Asphalt: Der Warmbremswert von 30,1 Metern aus 100 km/h markiert einen Höhepunkt in der 40-jährigen AUTO ZEITUNG-Historie. Kaum schlechter der Abt Audi: Mit einem Warmbremswert von 32,5 Metern ordnet auch er sich weit oben in der Bestenliste ein.

Top-Speed über 300 km/h: Die schnellsten Autos der Welt

Wie angenagelt sitzt der Pilot im Abt R8, Schalensitze und Vierpunktgurte lassen nahezu keinen Spielraum für Bewegungen. Gut so, denn auf dem anspruchsvollen Handlingskurs des Reifenherstellers Continental ist höchste Konzentration gefragt. Winkeliger und schmaler als eine Rennstrecke, stellt er hohe Ansprüche an die renntauglichen Boliden. Bereits die erste schnelle Schikane verlangt ein ausgewogenes, stabiles Fahrverhalten. Genau das beweist der Abt hier. Am Ausgang der Schikane schiebt er leicht über die Vorderräder und beschleunigt in Richtung der Spitzkehre. Das ABS reagiert auf die Bodenwellen in der Anbremszone vor der Kehre sehr sensibel mit etwas zu feinen Regelintervallen, was die maximale Verzögerung einschränkt. Aus 212 km/h runter bis auf Tempo 41 – höchste Belastung für die Bremsen. Auch wird hier schon klar: Der Audi verträgt keine zu hohen Kurveneingangsgeschwindigkeiten. Dies verstärkt nur seine Neigung zum Untersteuern. Im folgenden Hochgeschwindigkeitsbereich erreicht er bis zu 225 Sachen, liegt dabei satt auf der Straße und lenkt willig bei hohem Tempo ein.

Das einstellbare Gewindefahrwerk spricht feinfühlig an, filtert kleine Unebenheiten sogar weg. Und bei jedem harten Anbremsen und anschließendem Einlenken fällt auf: Dem Abt R8 fehlen die zeitweise hektischen Lastwechselreaktionen des Serienautos nahezu gänzlich. Der unter einer geschlitzten Haube aus Makrolon tobende V10 im Heck gibt seine Leistung wohl dosierbar ab. Eine Eigenart des Abt R8 verhindert allerdings eine bessere Rundenzeit: Das sich immer wieder selbst ab 160 km/h aktivierende ESP zwingt den Fahrer nicht nur in engen Kurven zur Zurückhaltung. Mit 1.35,94 min ist der Abt R8 aber immer noch 1,2 Sekunden schneller als die Serie.

IN EINER EIGENEN LIGA
Der Porsche GT2 RS zwängt den Fahrer ebenfalls in enge Schalensitze, die Vierpunktgurte kommen hier aber nur auf Wunsch zum Einsatz. Die verkürzten Schaltwege der rasselnden Sechsgang-Box verlangen einen festen und präzise geführten Zugriff. Schon die erste Schikane offenbart das Potenzial des Über-911: Leichtfüßig, direkt und keineswegs zu nervös lenkt er im Sport-Modus der adaptiven Dämpfer ein. Das Tempo bleibt zunächst auf Abt-Niveau. In jeder Beschleunigungsphase aber scheint der 700 Newtonmeter-Gigant ganze Straßenabschnitte drastisch zu verkürzen, der Druck ist gewaltig. Die Hand vom Schalthebel zu nehmen, ist schlicht unmöglich – zu schnell steht der nächste Gangwechsel an. So gewinnt der 911 allein im Highspeed-Sektor 1,7 s gegenüber dem Abt R8. Am Kurvenausgang leicht mit dem Heck wegwischend, verleitet der Porsche zum Parforceritt über den Kurs. Gelernte Brems- und Einlenkpunkte muss der Fahrer ignorieren, der GT2 RS spielt in einer eigenen Liga. Am Ende steht eine Bestzeit von 1.33,84 min auf der Anzeige – schneller war hier bisher kein anderes Auto in der AUTO ZEITUNG Testhistorie.

Der 911 GT2 RS ist nur für einen Zweck gebaut worden: nämlich schnell zu sein. Er will mit großem Sachverstand und Routine bewegt werden. Im Gegensatz zum Abt Audi R8 GTR verzeiht er keine groben Fehler. Der rundum gelungene Abt ist dagegen eine Evolutionsstufe mit hohem Genussfaktor, mehr Komfort und noch größerer Exklusivität.
Holger Eckhardt

Technische Daten
Motor 
ZylinderV10-Zyl., 4-Ventiler, Direkteinspritzer
Hubraum5204
Leistung
kW/PS
1/Min

456/620
8100 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
560
6400 - 7000 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe6-Gang, automatisiert
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: innenbelüftete Karbon-Keramik-Scheiben
h: innenbelüftete Karbon-Keramik-Scheiben
Bereifungv: 235/35 ZR 19 Y
h: 305/30 ZR 19 Y
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)1599
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)3.5
Höchstgeschwindigkeit (km/h)325
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauch14.1l/100km (Super Plus)
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)327

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