Jaguar F-Type 2013: Abnahmefahrt - Bilder und technische Daten Porsche, pass auf...

04.03.2013

Muffensausen in Zuffenhausen? Gut möglich, denn der neue Jaguar F-Type rollt an. Erste Probe mit dem knackigen Roadster in Wales. Fahrbericht...

Wenn Jaguar einen neuen Sportwagen auf Kiel legt, dann heißt das zunächst einmal Folgendes: Da baut nicht irgendwer irgendetwas, sondern da ist höchstwahrscheinlich Großes im Gange. Ob E-Type, XFR oder XKR – die Briten wissen, wie man Fahrdynamik und ausdrucksstarke Formensprache in Einklang bringt. Solcherlei Harmonie aus Dampf und Design verspricht auch der neue Erlkönige: Erste Bilder vom Jaguar F-Type, der 4,47 Meter kurze Roadster, mit dem die Raubkatzenmarke auf dem Pariser Autosalon im vergangenen Oktober spektakulär die Krallen gezeigt hat. Wir wollten herausfinden, ob das, was so unverschämt gut aussieht, auch in der rauen Welt da draußen beeindrucken kann und haben uns aufgemacht ins winterlich raue Wales.

"Hello, I’m Mike“, begrüßt uns Jaguars Fahrdynamik-Chef. Mike Cross, 56, kümmert sich zwölf Monate im Jahr darum, dass sich ein Jaguar fährt wie ein Jaguar. Er ist eine echte Instanz innerhalb der rund 10.000 Mann starken Jaguar-Land Rover-Organisation, die an Orten wie Whitley (Coventry) Autos entwickelt und in Castle Bromwich (Birmingham) und Halewood (Liverpool) baut. Cross und seine Leute sind die Fahrwerks-Alchimisten. Sie gehen um mit Federraten, Giermomenten, Kennlinien und Reifenprofilen. „Die Landstraßen hier sind perfekt für unseren Job“, sagt Mike Cross. Wir starten zu einer ersten Tour rund um den Lake Bala, der auf walisisch „Llyn Tegid“ heißt.

Von der Irischen See bläst eiskalter Wind herüber, er peitscht Gischt aus dem Bala bis auf die Straße. Das dick gefütterte Verdeck bleibt zu. Es könnte den neuen Premiere in Paris: Der atemberaubende Jaguar F-Type binnen zwölf Sekunden eröffnen - aber nicht heute.

 

Jaguar F-Type: Gewaltige Trompeten und Prügeln am See

Mit einem gewaltigen Trompeten erwacht der Fünfliter-V8 zum Leben. Ganz genau 495 PS haben ihm die Techniker spendiert, 15 weniger als im XJ. Ginge auch mehr? Cross lächelt: "Of course.“ Der enorm steife Jag - die 261 Kilo leichte Karosserie besteht aus Aluminium - und auch das Fahrwerk würden noch weit höhere Leistungen vertragen. Auf absehbare Zeit lassen es die Techniker aber bei einem Dreiliter-Kompressor-V6 (340 und 380 PS) und dem V8 bewenden. Sie reichen vollauf.

Wir prügeln am See entlang. Es ist nass, kalt, die Straßen sind eng. Winzige Bewegungen am Lenkrad genügen, und der weiße, nur 1307 Millimeter hohe Zweisitzer schnürt auf seinen breiten Pirelli P Zero J so selbstverständlich über Kuppen, durch Kurven und enge Kehren, wie es nur ein verdammt gut abgestimmter Sportwagen vermag. Einen solchen hat Jaguar mit dem großen XK zwar längst im Angebot.

Der ist aber anders: "Der XK ist ein sportlicher GT“, sagt Cross, „der F-Type dagegen ein purer Sportwagen. Sein Radstand ist kürzer, die Gewichtsbalance ausgeglichener. Das ganze Auto ist leichter, und die Lenkung spricht viel spontaner an.“

Gerade die Lenkung gibt dem Fahrer das Gefühl absoluter Kontrolle - und die ist wichtig bei einem 300-km/h-Geschoss. Die Kompressor-V6 lassen es bei 260 und 275 km/h gut sein. Aber das sind akademische Werte. Der Jaguar F-Type ist keine grobschlächtige Vollgas-Geradeausfahrmaschine, sondern ein rotzfrecher Kurvenräuber. „Eine elektro-mechanische Lenkung kam für uns nicht in Frage“, sagt Cross. „Wir sind überzeugt, dass ein Sportwagen die perfekte Rückmeldung und Zielgenauigkeit einer hydraulischen Lenkung braucht.“

Es geht in die Berge. „Wie bei euch in der Eifel“, grinst Cross, der die Hausstrecken vieler Entwicklungsabteilungen und Autotester bestens kennt. Links und rechts fliegen Cottage-Gärten vorbei. Wo im Sommer Rittersporne und Lupinen ihre schwere Blütenstände an vermooste Staketenzäune lehnen, ist jetzt alles winterlich und still.

 

DER F-TYPE IST NICHT BILLIG. DAFÜR STIMMT DIE QUALITÄT

Obwohl wir in einem Vorserienmodell sitzen, ist der erste Qualitätseindruck gut. Griffsympathische Materialien, sauber eingepasste Tasten und feinrastige Drehschalter wecken Vertrauen. Die fein gearbeiteten Bedienelemente der elektrischen Sitzeinstellung im oberen Türpaneel wirken edel. Ja, sie haben sich große Mühe gegeben in der Entwicklung. Allerdings kostet ein F-Type mindestens 73.400 Euro. Unser V8 S schlägt mit fast 100.000 Euro zu Buche. Dafür gibt es auch einen Porsche 911 Carrera 4. Es steckt aber viel drin im neuen F-Type. Das Topmodell verfügt über eine elektronisch geregelte, aktive Differenzialsperre (ADC) und adaptive, stufenlos regelnde Dämpfer - und die formidable Achtstufen-Automatik von ZF ist bei allen Versionen an Bord. Sie portioniert die Kräfte des satt klingenden V8 atemberaubend schnell und vollkommen ruckfrei.

Wir nehmen auch den 380 PS starken V6-Kompressor unter die Lupe. Er ist leichter, dreht noch unbeschwerter hoch, liefert gnadenlosen Schub und rollt einen herrlichen Klangteppich aus. Kunststück: Ab 3000 Touren öffnen elektronisch gesteuerte Bypass-Ventile im Auspuff. Mit 4,9 Sekunden beschleunigt der bis zu 275 km/h schnelle "mittlere“ F-Type nur unwesentlich langsamer als der speziell für den US-Markt entwickelte V8. „Wir haben ihn so abgestimmt, dass er auch bei langsamer Fahrt Spaß macht“, erklärt Mike Cross. Er hat Recht. Die Federung macht einen guten Job, wie alle "Cross-Modelle“ ist auch der Jaguar F-Type kein Brett. Gut möglich, dass Jaguars neuester Wurf ein ganz großer wird. Freuen wir uns auf den ersten Vergleichstest. Zum Händler rollt die Sportskanone im Mai.

TECHNIK
 

JAGUAR F-TYPE
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler, Kompressor
Hubraum 4999 cm³
Leistung 364 kW / 495 PS bei 6500 /min
Max. Drehmoment 625 Nm bei 2500 – 5000 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Hinterrad
Fahrwerk rundum: Doppelquerlenker, Federn, Dämpfer (adaptiv), Stabilisator ESP
Bremsen rundum innenbelüftete Scheiben; ABS, Bremsassistent
Bereifung vorne: 255/35 ZR 20, hinten: 295/30 ZR 20
L/B/H 4470 / 1923 / 1307 mm
Radstand 2622 mm
Leergewicht 1590 kg
MESSWERTE
 
0 - 100 km/h 4,3 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 300 km/h
EU-Verbrauch¹ 11,1 l S/100 km
CO2-Ausstoß¹ 259 g/km
KOSTEN  
Grundpreis 99.900 €
¹ Werksangaben, Daten für F-Type V8 S

Stefan Miete

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