WLTP & RDE: Verbrauchsmessung (Abgasmessung) WLTP und RDE ersetzen den NEFZ

von Lena Reuß 13.10.2017
Inhalt
  1. Abgasmessung: WLTP und RDE lösen NEFZ ab
  2. Wie funktionieren WLTP und RDE?
  3. Wieso wird der NEFZ abgeschafft?
  4. Wo wird der WLTP durchgeführt?
  5. Welche Grenzwerte gelten beim WLTP?

Seit September 2017 gilt für neue Typzulassungen das neue WLTP-Messverfahren, um Verbrauch und Emissionen zu messen. Die Abgaswerte werden außerdem mittels RDE (Real Driving Emissions) zusätzlich auf der Straße ermittel. Der NEFZ wird abgelöst.

Der 1. September 2017 markiert den Anbruch eines neuen Zeitalters in der Automobilbranche – zumindest bei den Abgas- und Verbrauchsmessungen. Denn ab sofort gilt bei neuen Typzulassungen das neue Prüfstand-Messverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Zuzätzlich werden Emissionen mittels RDE (Real Driving Emissions) das erste Mal direkt auf der Straße erhoben. Bisher wurde der NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) genutzt, um zu errechnen wie viel Kraftstoff ein Auto verbraucht und ob es die Abgasgrenzwerte einhält. Dieser wurde 1992 als EU-weites Messverfahren eingeführt, gilt jedoch schon seit einigen Jahren als überholt. Der Grund sind die unrealistischen Rahmenbedingungen des Tests: Im Schnitt verbrauchen Pkw im Realbetrieb 42 Prozent mehr. Bisher dauerte der Fahrzyklus 20 Minuten und lief über elf Kilometer. Die Testwagen fuhren im Schnitt 33,6 km/h – für viele Autofahrer fern ihrer alltäglichen Nutzung. Im WLTP werden die Autos unter realitätsnäheren Bedingungen getestet und im Schnitt mit 46,6 km/h über rund 23 Kilometer gefahren. Auch Sonderausstattungen finden jetzt Berücksichtigung. Ganz neu sind die ergänzenden Messungen auf der Straße im RDE. Zunächst gilt der neue Testzyklus nur für neue Typzulassungen der Hersteller, das heißt wenn ein Auto gänzlich neu auf den Markt gebracht wird – als neue Generation oder komplett neues Modell. Erst in einem Jahr werden die Daten aus dem WLTP für jede Neuzulassung zugrunde gelegt. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich ein neues Auto anzuschaffen, sollte vor dem 1. September 2018 handeln, denn danach erhöht sich gegebenenfalls die Kfz-Steuer. Die Abgabe setzt sich aus Verbrauch und CO2-Ausstoß zusammen, der nach dem neuen Verfahren höher ausfallen wird, als nach dem alten NEFZ.

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Abgasmessung: WLTP und RDE lösen NEFZ ab

Natürlich wird der Autofahrer auch bei nach dem neuen WLTP- und RDE-Verfahren geprüften Messwerten weiterhin einen Unterschied zum Alltag feststellen. Schließlich richten sich Verbrauch und Stickoxidausstoß zu einem großen Teil nach der individuellen Fahrweise, der Nutzung von anderen "Verbrauchern" (z.B. Klimaanlage, Sitzheizung) und äußeren Einflüssen wie der Verkehrslage, der Strecke (z.B. Flachland oder Berge) und dem Wetter. Die neuen Messwerte sind jedoch näher am Realbetrieb und liefern Autofahrern eine bessere Basis zur Einschätzung der Umweltfreundlichkeit und Sparsamkeit ihres Modells. "Die Kunden erhalten mehr Klarheit und Verlässlichkeit für ihre Kaufentscheidung. Zudem werden die Fahrzeuge durch die neuen Vorgaben nochmals deutlich sauberer, Fortschritte für die Luftqualität werden damit schneller wirksam", erklärt Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

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Wie funktionieren WLTP und RDE?

Das neue WLTP-Messverfahren sieht eine 30-minütige Fahrt über 23,25 Kilometer auf dem Prüfstand vor. Außerdem fließen Sonderausstattungen, unterschiedliche Karosserieformen oder die Bereifung verschiedener Modelle mit in die Messung ein. Der RDE wird auf der Straße ergänzend zum WLTP durchgeführt. Hier gibt es für die Messungen keine Vorgaben: Fahrstrecke, Geschwindigkeit, Wetter und Verkehrslage sind – wie in der Realität – beliebig. Die wichtigsten Unterschiede zwischen WLTP und NEFZ im Überblick:

 WLTPNEFZ
Länge23,25 km11 km
Dauer30 Minuten20 Minuten
Durchschnittstempo46,6 km/h33,6 km/h
Höchstgeschwindigkeit130 km/h120 km/h
Schaltpunkteindividuell festgelegtstandardisiert
Sonderausstattungberücksichtigtnicht berücksichtigt
äußere Faktoren (Temperatur)23 °C, 14 °C20-30 °C
Starttemperaturkaltkalt
 

Wieso wird der NEFZ abgeschafft?

Der NEFZ steht vor allem wegen realitätsferner Messergebnisse in der Kritik: Verbräuche und Emissionen liegen im Alltagsbetrieb um bis zu 42 Prozent höher. Am gravierendsten sind die Unterschiede bei Diesel-Pkw, deren Stickoxidausstoß im Normalbetrieb um ein vielfaches höher liegt, als auf dem Prüfstand. Mit dem WLTP-Verfahren sollen die Angaben realistischer werden.

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Wo wird der WLTP durchgeführt?

Die Emissionsmessung mit WLTP und RDE wird in der Regel vom TÜV durchgeführt und manchmal sogar vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) beaufsichtigt. Zusätzlich wird das KBA eigene Tests auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände in Leck (Schleswig-Holstein) durchführen. Diese Überprüfungen erfolgen stichprobenartig nach dem Vorbild von Doping-Tests und auf Verdacht.

 

Welche Grenzwerte gelten beim WLTP?

Aktuell darf ein Pkw maximal 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer im NEFZ ausstoßen. Da sich die Messwerte im WLTP und RDE durch die realistischeren Bedingungen erhöhen, darf ein Auto auf der Straße höchstens 168 Milligramm Stickoxid emittieren. Ab 2020 sinkt dieser Wert auf 120 Milligramm.

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