30 Jahre ABS ABSolut sicher

05.06.2009

1964 griffen Ingenieure das Prinzip der Stotterbremse auf und bauten ein Anti-Blockier-System, das 1978 erstmals in der Mercedes S-Klasse gegen Aufpreis zum Einsatz kam - heute ist das System in Europa Pflicht

Mal ehrlich: Wer hat schon mal eine richtige Vollbremsung gemacht? Das Bremspedal bis auf die Fußmatte durchgetreten, nahe dem Wadenkrampf, den Oberkörper mit ausgestreckten Armen zwischen Lenkrad und Rückenlehne geklemmt. Wahrscheinlich nur wenige. Deswegen sind viele Autofahrer bei einer Vollbremsung überrascht, wenn das Bremspedal am rechten Fuß pulsiert, der Wagen vibriert und Geräusche macht, die an einen laut rumorenden Magen erinnern.

Das Auto steht. Noch mal Glück gehabt, nichts passiert. Aber was war mit dem Auto los? Denen, die sofort hektisch im Handschuhfach nach der Visitenkarte vom Werkstattmeister suchen, sei gesagt: lehnen sie sich entspannt zurück. Es war bloß das Anti-Blockier-System (ABS), dass in einer Notsituation eingegriffen hat. Dieses System ist dafür zuständig, dass die Räder auch bei einer harten Notbremsung nicht blockieren, der Wagen lenkbar bleibt und der Fahrer Hindernissen ausweichen kann, während er Geschwindigkeit abbaut.

Von 1000 auf 140 Bauteile

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts machten sich die Autobauer Gedanken darüber, wie man das Blockieren von Auto-Rädern beim Bremsen verhindern könne. Doch bis 1964 fand man keine geeignete Lösung. Die meisten Systeme (damals noch mechanisch) waren zu langsam und zu schwer. Erst 1964 wurde das Prinzip der Stotterbremse wieder aufgegriffen und an einem serienreifen System getüftelt.

Die ersten Systeme der deutschen Firma Bosch, Pionier bei der Entwicklung von Anti-Blockier-Systemen, bestanden aus mehr als tausend Teilen und waren dementsprechend anfällig. Erst Mitte der Siebziger Jahre, die Computer-Technologie hielt langsam Einzug in den Automobilbau, gelang es den Ingenieuren ein kleineres System zu entwickeln, dass nur noch aus etwa 140 Teilen bestand und Erprobungen in der Wüste und am Polarkreis meisterte.

Erstes Auto mit ABS war die Mercedes S-Klasse

1978 ging das ABS in Serie und wurde erstmals in der S-Klasse von Mercedes gegen Aufpreis angeboten, sieben Jahre später kam es erstmals serienmäßig im Ford Scorpio zum Einsatz. Vom Prinzip her hat sich dieses System, in 30 Jahren weit über 150 Millionen Mal verbaut, bis heute nicht verändert. An jedem Rad ist ein Sensor angebracht, der die Umdrehung überwacht und als Information an ein Steuergerät weiterleitet.

Sollten die Räder nur leicht blockieren, veranlasst das Steuergerät sofort eine Reduzierung des Bremsdrucks, gleich darauf wird er wieder erhöht. Dieses "Bremse-schließen-Bremse-öffnen"-Spiel passiert so schnell, dass wir im Auto davon nur eine Vibration und das pulsierende Bremspedal spüren. Je nach Haftung des Reifens, öffnet und schließt die Bremse fünf- bis fünfzehnmal in der Sekunde. Deswegen kreischen die Reifen auch nicht mehr, wie es in alten Holywood-Streifen der Fall ist, sondern es ist nur ein mehrmaliges, kurzes Quietschen zu hören.

Steuergerät, so klein wie ein Kronkorken

Bei Bosch wird das Anti-Blockier-System auf jedes Auto individuell abgestimmt. Bevor ein Erlkönig zur Erprobung auf die Straße fährt, bekommt er in mühsamer Abstimmungsarbeit auf dem Testgelände einen Blockierverhinderer verpasst. Heute besteht das ABS-Steuergerät nur noch aus 14 Teilen - ein simpler Computerchip, klein wie ein Kronkorken. Aber nicht nur Größe und Gewicht des Systems wurden reduziert. Damit der Autofahrer sich im Ernstfall ganz und gar auf die Vollbremsung konzentrieren kann, wurden die Vibrationen im Auto so weit wie möglich abgeschafft.

Aus dem ABS ging das ESP hervor

Heute sind die Schwaben Marktführer im Bereich aktiver Sicherheitssysteme im Automobilbau. Großen Anteil an diesem Erfolg hat das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP, eine Entwicklung, die aus dem ABS hervorging und 1995 auf den Markt kam - wieder in der Mercedes S-Klasse. Das Praktische am ESP ist, dass es nicht nur blockierende Räder verhindert, sondern das Auto bei kleinen Fahrfehlern auch in der Spur hält und durchdrehende Reifen verhindert (durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder). Dafür ist es aber auch doppelt so teuer, wie ein ABS.

Eine Studie aus den USA belegt aber, dass sich die Investition lohnt. Die besagt, dass 2006 nur durch den Sicherheitsgurt mehr Autofahrerleben gerettet worden seien, als durch ESP. Das haben auch europäische Verkehrs- und Sicherheitsexperten erkannt, die seit Jahren eine ESP-Pflicht für alle Autos in Europa fordern - in Deutschland waren 2005 immerhin 72% aller Neufahrzeuge mit dem elektronischen Helferlein ausgestattet - Tendenz steigend. Leider werden immer noch viele Kleinwagen ohne ESP bestellt, weil der Aufpreis bei einer geringen Jahreslaufleistung für einige Käufer zu hoch ist.

ABS ist seit 2004 in Europa Pflicht in allen Neuwagen

Einen Erfolg konnten die Wächter das Straßenverkehrs aus Brüssel jedoch schon verbuchen: Seit 2004 ist ABS in allen Neuwagen in der EU Standard. Sicher ein Grund dafür, dass die Zahl der Verkehrstoten damals von 6613 auf 5361 zurückging (im Vergleich: 2003 und 2005).
eng

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