Fahrbericht VW Golf R 2014: Für Rennstrecke und Alltag "Obere Grenze des Golf-Potenzials"

22.01.2014

Erster Fahrbericht zum brandneuen VW Golf R 2014, der jetzt mit 300 PS powert. Am Lenkrad des Sportlers: VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer, der auf den Magen des Beifahrers wenig Rücksicht nimmt

Der neue Golf R hat 300 PS, soll in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 sprinten und liegt noch fünf Millimeter tiefer als ein GTI. Er kommt im November ab 38.325 Euro auf den Markt, Allradantrieb ist generell inklusive. Damit wäre das Wichtigste gesagt – aber eigentlich fast nichts. Denn das Flaggschiff der Golf-Familie, liebe Freunde des Sports, ist trotz seines zurückhaltenden Outfits ein wilder Hund. Auch wenn Heinz-Jacob Neußer das erst mal mit einem korrekten Statement umschreibt: "Dieses Fahrzeug markiert die obere Grenze des Golf-Leistungsvermögens."

 

Fahrbericht VW Golf R 2014: Für Rennstrecke und Alltag

Der Mann, der für eine Stunde unser Fahrer ist, muss es wissen, schließlich arbeitet er als Entwicklungschef bei VW. Vorher war er lange für Motoren und Antriebe bei Porsche zuständig. Er will, bevor es losgeht, auch noch unbedingt anmerken, dass der Durchschnittsdurst des VW Golf R trotz der um 30 PS gestiegenen Leistung von 8,5 auf 7,1 Liter Super gesunken ist. "Selbst bei Topspeed auf der Autobahn liegt der Verbrauch nun klar niedriger." Da wollen wir aber erst später hin. Statt Geradeaus-Vollgas wünschen wir uns lieber ein Dutzend knackiger Kurven auf niedersächsischen Landstraßen.

Einsteigen, anschnallen und festhalten. Neußer drückt auf den Startknopf und legt den ersten Gang ein. Schon blubbert Sportsfreund R mit dumpfem Unterton vor sich hin. Richtig, ein Klappenauspuff-System. Klingt verheißungsvoll, ohne nervig zu kreischen. Neußer öffnet das Fenster: "Hören Sie mal, wir haben es wirklich nicht übertrieben, aber den schönen Sound hört man auch draußen." Und dann legt er den ersten Gang ein und gibt Gas. Kurzer Blick zur Mittelkonsole. Ja, der Schalthebel ist im Vergleich zum Vorgänger noch ein bisschen kürzer, dito die Schaltwege, so hören wir. Inzwischen hat Neußer den "Race-Modus" aktiviert, der R faucht kräftiger, das Turbo-Triebwerk reagiert geschmeidig und noch bissiger auf die nächsten Gasstöße, die kahlen Bäume der einsamen Allee fliegen nur so vorbei. Und Neußer freut sich: "So muss es sein, daran haben wir viel gearbeitet – nahtloser, extrem schneller Drehmomentaufbau!"

Weil es so schön war, führt er das Ganze beim Hochschalten gleich nochmal vor. "Spüren Sie, wie hier ab 3000 Umdrehungen jedesmal, zack, die Post abgeht?" Spüren wir, während Neußer schon die Hintergründe erklärt. "Das hat viel damit zu tun, wie die Ventilsteuerung ausgelegt ist. Dank unseres variablen Systems – doppelte Nockenwellenverstellung und ein auf der Auslassseite in zwei Stufen schaltbarer Ventilhub – können wir den Ladungswechsel in Bezug auf die Performance optimal steuern."

Performance? Ja, das sei in Bezug auf den R ein gutes Stichwort, findet der Entwicklungschef. Denn früher entschied ja bei vielen Autos oft nur die volle Power geradeaus. Heute ginge es um Performance, da sei viel mehr wichtig. "Der dynamische Aufbau der Leistung und das Setup des Fahrzeugs in querdynamischer Richtung." Übersetzt: wie sauber und exakt das Ding um die Ecken geht. Trifft sich gut, die ersten Kurven nahen, und Neußer führt mit feinen Lenkbewegungen vor, wie präzise der R die Biegungen nimmt. "Viele Sportwagen sind zwar agil, aber zu nervös", grinst er, "die können einfach keinen sauberen Kurvenstrich." Bei diesem VW habe man nicht umsonst viel Feinarbeit in die Abstimmung investiert. "Wenn jemand mit dem R das erste Mal fährt, sollte er nach dem Aussteigen sagen: Der fühlt sich an, als hätte ich ihn schon immer gefahren." Auch das sei Performance, so Neußer. Direkte, reproduzierbare Rückmeldung. Sicherheit und Vertrauen durch Berechenbarkeit.

Klar hilft auch die serienmäßige Progressivlenkung, die in Tempokurven kleinere Lenkbewegungen ermöglicht. Erst recht der speziell angepasste Allradantrieb (Haldex-kupplung), der in Millisekunden die Antriebsmomente von vorn nach hinten geben kann. Und natürlich die elektronischen Differenzialsperren (EDS, XDS+), die die durchdrehende Räder abbremsen oder bei schneller Kurvenfahrt die kurveninneren Räder verzögern und so das Lenkverhalten optimieren. Kein Untersteuern. Neußer nimmt die enge Autobahnauffahrt nun bewusst ganz scharf. "Hier spürt man schön, dass das Drehmoment gezielt dahin geleitet wird, wo man es auch umsetzen kann."

Uns fällt inzwischen auf, wie sensibel dieser Sportler trotz allem federt. Neußer strahlt: "Noch ein Vorzug des neuen R-Modells! Der geht super auf der Rennstrecke, ist aber auch voll alltags- und langstreckentauglich, denn er behält vom Anfederungsverhalten her die tollen Gene des Golf." Unsere finale Erkenntnis: Der R ist offenbar beides: Fisch und Fleisch. Und wir sind jetzt schon ziemlich scharf auf die ersten eigenen Testrunden.

Wolfgang Eschment

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