20 Jahre BMW M3: Historie Die Legende lebt

17.12.2008

Seit mehr als 20 Jahren steht ein Kürzel für Fahrspass: M3. Die vierte Generation des sportlichsten Dreiers wurde jüngst vorgestellt

1986. Ein ereignisreiches Jahr. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sorgt für einen weltweiten Schock, auf den Philippinen endet die Marcos-Diktatur und im Hunsrück demonstrieren mehr als 100000 Menschen gegen die Stationierung amerikanischer Cruise Missiles auf deutschem Boden.

BMW hatte Ende des Jahres 1985 mit dem M3 ein Auto vorgestellt, das Geschichte schreiben sollte. Und niemand demonstrierte. Im Gegenteil. Die Fachwelt überschlug sich vor Begeisterung. Ein Dreier, der allein zwecks Homologation für den Rennsport das Licht der Welt erblickte, ein Fahrzeug mit für damalige Verhältnisse enormer Leistung. 200 PS (195 PS in der mit Katalysator ausgestatteten Version) aus 2,3 Litern Hubraum, vier Zylinder und ein Gewicht von lediglich 1200 Kilogramm: Die technischen Daten des "Über-Dreiers" sorgten dafür, dass aus der Vorfreude auf das neue Bayern-Geschoss alsbald Ungeduld wurde.

Den Testern der Automobilzeitschriften juckte es in Füßen und Händen. Doch bis sie die erste Ausfahrt in einem M3 genießen konnten, sollte noch Zeit vergehen. Erst im Frühjahr 1986 fand die Presse-Vorstellung im italienischen Mugello statt. Und wie es sich für ein Fahrzeug dieser Klasse gehört, gab BMW den schnellen Journalisten die Gelegenheit, den neuen M3 auf der Rennstrecke auf Herz und Nieren zu testen. Kunden mussten sogar noch länger auf den Neuen warten: Die ersten Fahrzeuge wurden erst 1987 ausgeliefert. Die für die Homologation des geplanten Rennwagens nötige Stückzahl von 5000 M3 fand reißenden Absatz.

Siegeszug auf den Rennstrecken
Im Jahr 1987 starteten nicht nur zahlreiche stolze M3-Besitzer erstmals ihre Neuerrungenschaft. Auch die Tourenwagen-Weltmeisterschaft startete in ihre erste Saison. Und hier sollte der neue M3 seine Bestimmung finden, war er doch für die Rennstrecke gebaut. Allerdings begann der erste Lauf am 22. März 1987 gleich mit einem Eklat: Alle BMW M3 wurden wegen angeblich regelwidriger Blechstärken disqualifiziert.

Das konnte den Siegeszug des sportlichsten Dreiers jedoch nicht aufhalten. Am Ende der Saison stand der Italiener Roberto Ravaglia auf einem BMW M3 als erster Tourenwagen-Weltmeister fest. Der Siegeszug des neuen M3 zog sich durch alle Rennsportklassen: In der DTM (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft) sorgte er in seinem Premierenjahr für einen Paukenschlag: Erik van de Poele gewann auf dem infernalisch klingenden Vierzylinder die Gesamtwertung. Auch die Plätze drei, vier und fünf gingen an BMW-Piloten. Dabei leistete der 2,5-Liter-Rennmotor des M3 360 PS

Doch damit nicht genug: Winfried Vogt sicherte sich den Europameister-Titel, Altfried Heger belegte Rang zwei in der Gesamtwertung. Und zum ersten Mal nach 14 Jahren siegte mit Bernard Beguin am Steuer wieder ein BMW bei einem Rallye-WM-Lauf.

Der M3 hatte in seinem Premierenjahr nahezu alles abgeräumt, was es abzuräumen gab. Und auch in den Folgejahren sollte es so weitergehen. Die DTM-Geschichte des M3 krönten unzählige Siege und insgesamt zwei Meistertitel. Hinzu kamen zahlreiche Siege und Titel in anderen Ländern.

Der Erfolg auf den Rennstrecken sorgte dafür, dass die Nachfrage nach dem sportlichen Bayern nicht abriss. BMW bot seinen Kunden mit dem auf 600 Einheiten limitierten Evo-Sondermodell Rennsportfeeling pur: 238 PS aus 2,5-Litern Hubraum sowie verstellbare Front- und Heckflügel machten aus dem Straßen-M3 fast schon einen Rennwagen. Insgesamt verließen bis zum Produktionsende der ersten M3-Generation im Jahr 1991 17970 M3 die Werkshallen, davon 786 Cabriolets.

1992: Der erste M3 mit sechs Zylindern
Die zweite Generation des M3 kam 1992 auf den Markt und basierte auf dem Coupé der E36-Baureihe. Erstmals setzte BMW beim M3 nun auf einen Sechszylinder, der zunächst 286 PS an die Hinterräder schickte. Mit einer spezifischen Leistung von 95,2 PS pro Liter Hubraum war das M3-Triebwerk der Saugmotor mit der höchsten Literleistung weltweit. Äußerlich kam der Neue im Vergleich zum Vorgänger jedoch geradezu dezent daher. Nur die Außenspiegel, die speziellen Felgen sowie der Sechszylinder-Sound verrieten das stärkste Modell der Dreier-Reihe.

In glatten sechs Sekunden sprintete der M3 der zweiten Generation auf Tempo 100. Der im Vergleich zum 3er Coupé um 31 Millimeter niedrigere Schwerpunkt sowie das auf der Nürburgring Nordschleife erprobte Fahrwerk machten Querbeschleunigungen von 1g möglich. Auch die zweite M3-Generation hatte zahlreiche Fans. Bis 1999, dem letzten Produktionsjahr der E36-Baureihe, entschieden sich 71242 Käufer für den sportlichsten aller Dreier, den es als Coupé, Cabrio und sogar als Limousine gab.

Im Jahr 2000 startete die dritte Generation. Sie basierte auf dem Coupé der E46-Baureihe und führte die Tradition des ersten M3 fort. Vorbei war es mit dezenten Hinweisen auf die motorische Potenz. Der Powerdome auf der Motorhaube, eine um 20 Millimeter verbreiterte Karosserie, die größere Spurweite und eine doppelflutige Abgasanlage mit vier Endrohren ließen keine Zweifel aufkommen: Hier steht ein M3.

Das Sechszylinder-Triebwerk leistete nun 343 Pferdestärken, die Abgase entwichen unter lautem Trompeten aus den vier Endrohren. Der Motor mit 3246 Kubikzentimetern Hubraum arbeitete nach dem Hochrehzahlkonzept: Bei einer Drehzahl von 8000/min erreichten die Kolben des neuen Motors eine Geschwindigkeit von mehr als 20 Metern pro Sekunde. Die BMW-Ingenieure konnten das Gewicht des Triebwerks im Vergleich zum Vorgänger sogar um sechs Prozent senken. Die spezifische Literleistung des M3-Motors lag mittlerweile bei 106 PS pro Liter Hubraum.

In nur 5,2 Sekunden katapultierte sich dieser BMW auf Tempo 100. Dabei konnte der Fahrer über einen Schalter am Armaturenbrett den M3 von scharf auf "noch schärfer" stellen und die progressivere Kennlinie für Gaspedalweg und Drosselklappenöffnung abrufen.

Bis zum Produktionsende der dritten Generation erfreuten insgesamt 85139 M3 der E46-Baureihe, darunter 29633 Cabrios, ihre Käufer. Mit der jüngst vorgestellten vierten Generation des M3 öffnet BMW ein neues Kapitel. Denn der neue M3 wird von einem Hochdrehzahl-V8-Motor befeuert. Dieser leistet 420 PS aus vier Litern Hubraum.

Die Legende M3 lebt auch in der vierten Generation fort. Wir zeigen Ihnen eine Historie aller bisherigen M3-Modelle.

Manuel Dohr

» Der neue M3 mit V8-Triebwerk: Hier geht es zum Fahrbericht

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